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»Dann hat die Politik ein Problem…«

Hilfe für Schlepperbanden? Das sagt Axel Steier von Mission Lifeline zu den Vorwürfen

Die Mission Lifeline auf See. Größeres Bild

In Deutschland wird ernsthaft über die Seenotrettung Geflüchteter diskutiert. Anlass war das Rettungsschiff der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline, das mit 200 Geflüchteten an Bord keinen Hafen ansteuern durfte. Axel Steier hat die NGO mitbegründet. Mit dem kreuzer spricht er über Schleppervorwürfe und die aktuelle Situation der Seenotretter im Mittelmeer.

kreuzer: Als Schleuser gebrandmarkt zu werden, schwächt Sie nicht?

STEIER: Ich denke nicht. Das ist eine Frage, wie wir agieren. Wenn wir nach vorne kommen mit unseren Aktionen, bestimmen wir die Agenda. Wenn wir mit der Zivilgesellschaft zusammen laufen, wir viele Menschen integrieren, dann wackelt die Legitimationsbasis der Politiker. Kurz gesagt: Schaffen wir es, eine Graswurzelbewegung in Gang zu setzen, können wir dem Ganzen eine Wendung verpassen. Wie 2015, als es den Autokorso von Budapest nach Wien gab. Da sagten 2.000 Leute, ich fahre mit dem Auto nach Budapest und sammle die Geflüchteten ein. Dann hat die Politik ein Problem, weil sie nicht alle einsperren kann, wenn sie an der Macht bleiben will. Und da müssen wir sie jetzt hinkriegen. Aktionen des zivilen Ungehorsams müssen darin münden, dass die Politiker nachgeben müssen, was die Mittelmeerrettung anbelangt.

Axel Steier

Foto: Marcel Noack

»Die Strategie ist, uns zum Teufel zu erklären und sich gleichzeitig die Haube aufzusetzen und so zu tun, als würden sie mit irgendwelchen Lagern in Ländern die Menschenrechte schützen.« – Axel Steier

kreuzer: Es wird auch immer wieder vorgeschlagen: Retten ja, aber die Leute sollten dorthin zurückgebracht werden, wo sie hergekommen. Wäre das ein gangbarer Weg?

STEIER: Auf keinen Fall. Praktisch übergibt man die Menschen ihren Folterern. Es gibt in Nordafrika derzeit kein sicheres Land für Flüchtlinge. Auch kein europäisches Marineschiff bringt Menschen dorthin zurück, weil es nicht erlaubt ist.

kreuzer: Wäre es nicht möglich, andere europäische Häfen außerhalb des Mittelmeers anzulaufen?

STEIER: Nein. Wir versuchen, die Zeit auf See für die Geretteten so kurz wie möglich zu halten. Es ist ja nicht cool, auf dem Schiff durch die Biskaya nach Hamburg zu fahren. Bei uns ist alles viel zu eng, wir sind ja kein Kreuzfahrtschiff. Aber es gibt eine Idee, wie wir die Menschen auf See im internationalen Gewässer übergeben an andere Boote.

kreuzer: Die sich dann womöglich als Schleuser verantworten müssen?

STEIER: Das wissen wir nicht, wir sagen nur: Wir können nicht so viele Menschen so lange an Bord behalten und freuen uns über Yachten, die uns helfen, weniger Menschen an Bord zu haben. Das ist dann wie 2015 auf der Balkanroute.

kreuzer: Da haben Urlauber und Aktivisten Geflüchtete auf der Route aufgesammelt und Richtung Norden mitgenommen. Sie planen einen Yachtenkorso im Mittelmeer?

STEIER: Wir planen nichts, aber es könnte sich eine Situation einstellen, die wir nicht mehr in der Hand haben. Das wird auch der Zeitpunkt sein, wo Horst Seehofer den Abgang macht.

Das Interview in voller Länge erscheint in der August-Ausgabe am 27. Juli.

Mission Lifeline:
https://mission-lifeline.de/

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