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#le1101: Die Geschichte des Überfalls auf Connewitz

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Im Januar 2016 überfielen hunderte Neonazis Connewitz. Am Donnerstag beginnt nun der Prozess gegen zwei Tatverdächtige, die sich wegen Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall verantworten müssen. An dieser Stelle veröffentlichen wir nochmal unsere Titelgeschichte aus dem Februar, in der wir die Vorbereitungen und Erlebnisse im Januar 2016 anhand von Zeugenberichten und Nachrichten auf Whatsapp, in sozialen Netzwerken und SMS rekonstruieren.

Als am 11. Januar 2016 etwa dreihundert schwarz gekleidete Männer schweigend durch Connewitz marschierten, konnte man sie für einen friedlichen Demonstrationszug halten: Voran trugen sie ein Banner der antirassistischen Initiative »Leipzig bleibt helle«. Als der Zug jedoch in die Wolfgang-Heinze-Straße einbog, brach ein Inferno los. Die Männer vermummten sich, schwärmten aus, einige hatten Äxte in den Händen. Sie zerschlugen Schaufensterscheiben, zündeten Sprengsätze, demolierten Autos, sprühten Reizgas durch zertrümmerte Fenster. Schnell war klar: Es ist eine politische Tat. Innerhalb weniger Minuten war die Polizei vor Ort, kesselte die Gruppe ein und nahm 214 Männer und eine Frau fest. Ein Mann, der zunächst flüchten konnte, kommt später noch hinzu.

Erst jetzt, zwei Jahre später, wird Anklage erhoben gegen einen Großteil der damals Festgesetzten. Für die Bewohner von Connewitz kam der Überfall wie aus dem Nichts. Wir dokumentieren die Mobilisierung und den Ablauf des Überfalls anhand von Zeugenaussagen, Berichten von Anwesenden und Nachrichten der Tatverdächtigen, die dem kreuzer vorliegen und von uns geprüft wurden. Die Dokumente zeigen Strukturen, aber auch Banalitäten der Planung eines Verbrechens, dessen Ziel es war, durch die Anwendung von Gewalt Angst und Schrecken zu verbreiten.

Lesen Sie hier das Interview mit der Journalistin Heike Kleffner über den Angriff im Kontekt rechter Gewalt in Ostdeutschland.

7.1.2016

19:20 Uhr Erste bekannte öffentliche Neonazi-Mobilisierung für den 11.1.16 nach Leipzig. Die inzwischen als kriminelle Vereinigung verfolgte »Freie Kameradschaft Dresden« (FKD) verbreitet auf Facebook folgenden Aufruf:

2) Mindestens sechs Mitglieder der FKD waren später am Überfall auf Connewitz beteiligt. FKD-Mitglied Florian N. war der Erste von 216 Tatverdächtigen, der deshalb (noch nicht rechtskräftig) verurteilt wurde. Er hatte eingeräumt, in dem randalierenden Mob mitgelaufen zu sein.

3) Im Sommer 2017 verhängte das Landgericht Dresden gegen Florian N. wegen Mitgliedschaft in krimineller Vereinigung und mehrerer Gewalttaten eine Gesamtstrafe von 3 Jahren 8 Monaten Haft; Einzelstrafe für Beteiligung in Connewitz: 1 Jahr 4 Monate.

4) Derzeit läuft am Landgericht Dresden ein weiterer FKD-Prozess, in dem vier Mitglieder auch wegen Connewitz angeklagt sind. Einer der Männer gehörte nicht zu den 215, die vor Ort von der Polizei festgesetzt wurden. Ihn belasten eigene und Aussagen anderer FKD-Mitglieder.

5) Nach Angaben von FKD-Mitgliedern hatte der Leipziger Kai M. die Dresdner »eingeladen«. M. ist wegen Gewaltdelikten vorbestraft und kandidierte für die NPD. Er soll Betreiber der FB-Seite AG Saxonia sein. Nach den Aussagen im FKD-Prozess kam es zu einer Razzia bei M.

6) Zweites und bisher letztes Urteil zu Connewitz: Im Herbst 2017 entschied das Amtsgericht Dresden gegen einen Ex-Aktivisten der Jungen Nationaldemokraten (JN): Zwei Jahre und acht Monate Haft für Gewalttaten unter anderem in Heidenau und Connewitz (noch nicht rechtskräftig). Er prahlte vor Bekannten, in Connewitz Scheiben eingeworfen zu haben.

 

8.1.2016

12:47 Uhr Der erste bekannte interne Mobilisierungsaufruf für den Überfall am 11.1. über Whatsapp. Absender ist ein Kraftsportler aus Arnstadt, Empfänger ein NPD-Aktivist aus Niedersachsen. Der Aufruf enthält eine Treffzeit, aber noch keinen Treffpunkt.

»Patrioten Deutschlands – vereinigt euch!

Am kommenden Montag , den 11.01., wird die patriotische Bewegung Legida in Leipzig zum einjährigen Bestehen auf die Straße gehen. Die Antifa , die vor kurzem einen ganzen Stadtteil verwüstete und die völlig überforderte Polizei stellenweise in die Flucht schlagen konnte, rief diesbezüglich öffentlich über ihre Kanäle zu einer Wiederholung am kommenden Montag auf. Dies wird wieder zahlreiche Patrioten aus Angst vor Übergriffen davon abhalten , ihre Sorge und Unmut auf die Straße zu tragen. Eine Situation die der FehlPolitik in diesem Land in die Karten spielt und deshalb wieder damit zu rechnen ist, dass die Polizeikräfte in Unterbesetzung verheizt werden. Dieser Zustand ist in unserer Stadt nicht hinnehmbar , weswegen dieser Mobilisierungsaufruf an alle Patrioten Deutschlands gerichtet ist, denn jede fernbleibende Person ist ein Gewinn für die Antifa und Politik in diesem Land. Zeigt daher, dass ihr euch nicht einschüchtern lasst und seid furchtlos auf der Straße präsent.Dies ist kein Aufruf zur Gewalt. Zum sammeln aller Kräfte treffen sich alle ! Leipziger und Leute aus anderen Städten geschlossen um 17.45 Uhr. Der Treffpunkt wird noch bekannt gegeben. Wendet euch notfalls Montag an den Absender dieser Nachricht.

Macht massiv !!! intern !!! mobil«

Der Aufrufverbreiter ergänzt per Whatsapp: »Das kommt von den LOK Hools« »Wir treffen uns mit denen und anderen Hools/Nationalisten« »Wir werden geschlossen durch die Stadt gehen und Legida absichern« Ein NPD-Mann schreibt zurück: »Ich bin auf jedenfall dabei wollen wir uns vorher iwo treffen?«

16:21 Uhr Ein Thüringer Rechtsextremist diskutiert via Whatsapp mit seinem Sohn, den er am 11.1. mit nach Leipzig nehmen will. Der Vater fuhr später nach Leipzig und wurde mit 214 anderen Neonazis in Connewitz von der Polizei festgesetzt.

Vater: »Wir fahren am Montag abend gemeinsam nach Leipzig. Ich will dir was wichtiges zeigen.«

Sohn: »Hast du schon mit Mama gesprochen?«

Vater: »Nein…ist dein Ding. Du bist alt genug…fast 18 Jahre , Sohn.«

Vater: »Wir sind gegen 23 Uhr zurück.«

Sohn: »Was willst du mir denn zeigen?«

Vater: »Kannst du dich verteidigen und hast du das Selbstvertrauen um dich oder deine Freundin zu schützen?«

Sohn: »Vor was?«

Vater: »Wenn dir einer an die Wäsche will, oder einen deiner Freunde oder Freundin.«

Sohn: »Musste ich zum Glück noch nicht. Von daher weiß Ichs nicht ob ich könnte«

Vater: »Deshalb mit mir nach Leipzig. Dort würde ich dir das mal zeigen.«

Vater: »Du dürftest sogar selbst ran.«

Vater an dritte Person: »Ich versuch ihn mal am Montag mit nach Leipzig zu nehmen…Ich halte von Schock training sehr viel.«

Sohn: »Papa, was soll das? Ich fahr da nicht hin um mich rumzuprügeln.«

Sohn: »Dann sag doch mal konkret was dort ist.?«

Vater: »Dort ist legida demo. Und wir gehen in den Seitenstraßen und schauen das dort niemand von der Antifa Leipzig die demo stört.«

Ab 18:13 Uhr Die erste bekannte Whatsapp-Mitteilung, die den Auftritt der Hooligan-Band Kategorie C bei Legida ankündigt. Außerdem wird über den Treffpunkt diskutiert. Das Kommen gewaltbereiter Gruppen wird verkündet.

Unbekannter: »Montag bei Legida wird Kategorie C live ­spielen…. Daher bittet man darum das so viele wie möglich kommen«

Rückfrage eines Leipziger Ex-NPD Kandidaten im Whatsapp-Chat: »Soll ich das öffentlich machen?«

Unbekannter 2: «die Bremer baten mich intern zu mobilisieren das sie live singen«

Unbekannter 2: »Aber es soll auf keinen Fall Öffentlich ­werden«

Dann wird über den Versammlungsort von Legida diskutiert.

Unbekannter 3: »Wo ist legida Montag ort«

Unbekannter 2: »Natur Kunde Museum«

Unbekannter 3: »Da ist doch null platz«

Leipziger Ex-NPD-Kandidat: »Wegen dem Treff bekommt ihr noch Bescheid Leute. Kein Stress.«

Offenbar ist einigen längst bekannt, was am 11.1. geplant ist.

Unbekannter 2: »Scheiß auf den Platz, denkt dran das es ­knallen wird«

Er kündigt auch die Teilnahme extrem gewaltbereiter Gruppen an.

Unbekannter 2: »Dresden kommt, Brigade soll auch kommen und dann die legidatypen und dir kcs«

»Brigade« dürfte sich auf die Brigade Halle beziehen, »kcs« vermutlich auf Hooligans der Kategorie C.

Das Ziel Connewitz stand offenbar schon länger fest. Hier tauschen zwei Hooligans (Dynamo Dresden) per Whatsapp Sprachnachrichten aus. Der Dresdner warnt den Freitaler: Die Sache könne nur scheitern. Am 11.1. werden beide in Connewitz gefasst.

Dresdner: »So und jetzt nochmal für dich selber privat. Überlege dir das ganze bitte ganz genau wegen Montag. Weil, die haben was vor, was an dem Tag eigentlich völlig behindert ist, wirklich völlig behindert ist und das definitiv in die Hose gehen wird. Also überlege dir das ganz genau, ob du dort hinfahren möchtest. Sag ich dir, geb ich dir bloß den Rat als Freund. Überlege dir das wirklich ganz genau. Und wenn du jetzt die Sprachnachricht abhörst, kannst du eins und eins zusammenzählen. Und wie gesagt, an diesem Tag das dort zu machen, ist eigentlich völlig behindert.«

Freitaler: »Na, ich würde eh nur fahren, wenn du fährst. Wenn du nicht fährst, fahr ich eigentlich auch nicht.«

Freitaler: »Und wenn dir das lieber ist, dann bleib ich halt zu Hause.«

Dresdner: »Also ganz, wie gesagt, wenn ich ganz ehrlich bin. Das ist morgen, was die dort vorhaben bzw. Montag, was die dort vorhaben, das ist eigentlich wie gesagt, das ist zum Scheitern verurteilt und das ist auch schon daher verurteilt, dass es dort Ärger mit den Bullen geben wird.«

Dresdner: »Ich sag bloß Connewitz.«

Dresdner: »Ich will ja nichts madig reden oder sonstiges. Ich denke halt schon vor und weiter. Nicht das es dann wieder Ärger gibt, dass du dann vor allem auch Ärger an der Backe hast. Darum geht’s mir. Es kann ja auch sein, dass dann gar nichts passiert. Aber muss man halt jetzt erst mal alles, was daraufhin geht, in Betracht ziehen. Hab kein Bock, dass du sinnlos Ärger hast, wegen so einer verwanzten Scheiße, weil man meint, dort durchrennen zu müssen.«

 

9.1.

13:12 Uhr Ein Fußballer aus Gera verrät im SMS-Dialog, dass Planungen für den 11.1. in Leipzig schon länger laufen. Er koordiniert offenbar die Mobilisierung aus Thüringen, gibt eine Kleiderordnung vor.

Geraer: »Nochmal für Montag Da ich nicht weiß mit wem ich es zu tun habe lieber nochmal folgende Infos.. …bitte neutral schwarz anziehen. . .keine Thor Steinar sachen etc..wenn möglich keine new balance schuhe Desweiteren striktes Alkoholverbot.. Hauben nicht vergessen! Alles was ihr zusätzlich zur “Verteidung“ ;) braucht darf mitgenommen werden.. natürlich auf eigene Verantwortung Was wir dann genau vorhaben wird dann am Treff besprochen Bis Montag«

Erfurter: »Ok dass nicht steiner wird problematisch«

Geraer: »Versuchts ist eure Lebensversicherung falls was schieß gehen sollte.. ihr werdet es verstehen wenn wir uns am Montag sehen«

Erfurter: »Ok ok«

Geraer: »Versucht euch so zu kleiden das man euch nicht als das identifizieren kann was ihr seid;)«

Erfurter: »Ja wir probieren es«

Geraer: »Kamm euch versichern das wird nen geiles ding freu mich seit 3 Monaten da drauf«

Erfurter: »Ja ich weiß schon wenn alles klappt dann wird es spektakulär und hoffentlich ohne viel gerenne die Kollegen sind alle fertig nach 50 Metern«

Der sächsische Verfassungsschutz (VS) warnt vor »zahlreichen Rechtsextremisten« und Ausschreitungen am 11.1. in Leipzig. Sorge bereitet vor allem d. angekündigte Auftritt der rechtsextremistischen Band Kategorie C. Ausschnitt aus einem Fax des VS vom 9.1.

Ab 17:47 Uhr »Hass der Polizei«: Ein Unbekannter, ein Fußball-Hooligan und ein mutmaßlicher Organisator (»Leipziger«) des Überfalls tauschen sich über den Polizeieinsatz am 9.1. bei der Pegida-Demo »Pegida schützt« in Köln aus.

Unbekannter: »Bullen gehen mit Wasserwerfern und Reizgas auf pegida in Köln los und lösen die Demonstration auf, die sich öffentlich gegen Vergewaltigungen stellte. Wo waren diese fotzen zu Silvester? Hier wird härter gegen böller Werfer als gegen muslimische Vergewaltiger Horden vorgegangen. Montag alle !!!!! geschlossen. Es reicht«

Hooligan: »Ich kotze !!!! Dieses viehzeug«

Hooligan weiter: »Montag arsch ran ! Es reicht . Scheiss Bullen Pack ! 1312«

Leipziger: »123 Hass der Polizei«

Unbekannter: »Ein guter Schlachtruf für Montag. …«

Der genannte Zahlencode »1312« steht für die Abkürzung ACAB: All Cops Are Bastards.

 

10.1.2016

13:50 Uhr Ein Leipziger Ex-NPD-Kandidat kennt den Treffpunkt für den 11.1., er bestellt vor allem Dresdner Nazis zu seiner Adresse. Nach Aussagen inzwischen inhaftierter »Freier Kameraden« aus Dresden lotste er sie durch Leipzig, war aber selbst nicht in Connewitz dabei.

Leipziger JN-Kader: »dir ist aber bewusst, welche Gruppen morgen kommen, alleine durch KC^^«

Leipziger JN-Kader: »N.S.! Für morgen sind folgende Hashtags relevant #legida #nolegida #le1101«

(Anm.:»KC« steht vermutlich für die Band Kategorie C, »N.S.!« steht vermutlich für die Anrede »Nationale Sozialisten!« oder für die deutsche Alternative zum lateinischen PS – N.S.: Nachsatz)

Unbekannter: »Hätte ich frei, wäre ich definitiv gekommen. 
Den Spaß hätte ich mir dann nicht nehmen lassen«

Unbekannter 2: »Steht schon was zweck treffpunkt fest ?«

Leipziger JN-Kader: »Ich weiß noch nichts davon«

Leipziger Ex-NPD-Kandidat: »Ich weiß den jetzt. Ihr solltet bei mir 16.30 sein«

Im Verfahren gegen die »Freie Kameradschaft Dresden« wurde der Leipziger Ex-NPD-Mann als »Einlader« nach Leipzig belastet. Daraufhin beschlagnahmte die Polizei im Sommer 2017 fünf Handys bei ihm.

15:08 Uhr Thüringer Neonazis nennen im Whatsapp-Chat Connewitz als Ziel und Gera als Vorabtreffpunkt für die Thüringer. Am Tag des Überfalls werden in Connewitz 24 Männer und eine Frau aus Thüringen in Gewahrsam genommen.

Unbekannter: »Jena Bande ist morgen auch in Leipzig soll morgen wieder so ein connewitz Tag werden……..«

Fußballer aus Gera: »Schon gehört solln nur alle kommen 
Wie siehts nun morgen mit dir aus schaffst du es nach gera zu kommen«

Unbekannter: »Naja bin ja mal gespannt morgen em ja schaffe das müssten dann nur sehen das ich vielleicht eine Mitfahr Gelegenheit bekomme für Leipzig ……«

Fußballer aus Gera: »Ja naja bei uns ist schon platz keine angst gut wärs nur das du selbst nach gera kommst weil ich auch noch nen anderen kameraden abholen muss«

15:39 Uhr »Zeiten der Waffen und Kriege« – Ein Kampfsportler aus Leipzig (am 11.1. gefasst) schaltet in den Gefechtsmodus. Er war einer von zwei zentralen Ansprechpartnern für viele Beteiligte aus der Hooligan-Szene von Lok Leipzig und von außerhalb.

Kampfsportler aus Leipzig: »Wird wirklich Zeit für ne kleine Bürgerwehr oder so. Müssen uns echt langsam mal Gedanken machen.«

Unbekannter: »Auch in borna«

Kampfsportler aus Leipzig: »Das ..schöne Leben.. ist vorbei. Nun sind andere Zeiten angebrochen. Zeiten wo wir als deutsche zusammen stehen müssen und Zeiten der Waffen und kriege.«

»Es ist Krieg« – eine Diskussion über Waffen, die man mitbringen könnte.

Unbekannter: »Überlege mein totschläger mit zu nehmen«

Leipziger Hooligan: »Mache was du willst es ist krieg«

Unbekannter: »Klar ist nee tödliche waffe«

Ab 17:29 Uhr Der Fußballer aus Gera, der die Anreise der Thüringer koordiniert, nennt Treffpunkt für Fahrt nach Leipzig, verkündet Alkoholverbot und Haubenpflicht.

»Unser weg führt aber nicht auf die demo in leipzig nur nochmal zur info ..«

»Ist noch platz für euch 16.30 Mc Donalds Gera an der autobahn«

»Aber auch für euch kein Alkohol.. Alles darf mitgenommen werden was ihr zur “Verteidigung“ braucht(auf eigene Verantwortung) Und bitte neutral schwarz anziehen so wenig thor steinar etc. wie möglich am besten gar nichts. . . Hauben nicht vergessen«

20:39 Uhr Dresdner Hooligan teilt den Treffpunkt für die gemeinsame Abfahrt Richtung Leipzig mit: Ackis Sportsbar, ein beliebter Treffpunkt von Dresdner Neonazis und Hooligans.

Dresdner Hooligan: »Um vier morgen bei Acki. Autos sind genug da.«

Unbekannter: »Alles klar…«

20:49 Uhr Der Koordinator der Berliner Neonazis teilt Treffpunkt für Abfahrt nach Leipzig sowie Kleiderordnung mit und schreibt von »Gruppenkasse«.

Koordinator der Berliner Neonazis: »So für alle die morgen mit nach Leipzig kommen, wir treffen uns 14:30 bei mir. Bitte alle dunkle Kleidung. Den Sprit müssen wir uns dann natürlich durch 4 teilen, wird denke mal nen Zehner für jeden sein. Vielleicht kann sowas ja auch bald dann aus der Gruppenkasse bezahlt werden.«

21:11 Uhr Erstmals wird in den internen Mobilisierungs-Chats ein ominöser »Hansi« als Organisator genannt. Erwähnt wird er immer nur von einem der beiden Leipziger Kampfsportler (beide am 11.1. gefasst), die als Ansprechpartner für die Aktion fungierten.

Kampfsportler aus Leipzig: »Es wurde von hansi und den alten extra mehrfach gesagt Bitte alle mit Platz im Auto«

21:38 Uhr Koordinator der Thüringer Connewitz-Angreifer rät, sich »bis an die zähne« zu bewaffnen.

Ultra aus Thüringen: »Aber wer auch immer mitfahrt muss sich im Auto benehmen Das ist nämlich noch ziemlich gut… Und top sauber«

Fußballer aus Gera: »Hab jeden geschrieben alhoholverbot also sollte funktionieren«

Ultra aus Thüringen: »Gehen wir eigentlich auf die offizielle Demo?«

Fußballer aus Gera: »Nein bewaffne dich bis an die zähne wird morgen nicht lustig«

21:50 Uhr NPD-Aktivist vor der Fahrt nach Leipzig: »als wenn bald Weihnachten is«

Kraftsportler aus Arnstadt: »Ich verlasse mich auf euch Wird ne geile Ausfahrt Morgen«

NPD-Aktivist: »Das denke ich auch freue mich schon wieder als wenn bald Weihnachten is«

22:30 Uhr Auf der Facebook-Seite »Ultras & Hooligans Deutschland« wird ein öffentlicher Mobilisierungsaufruf eingestellt. Kurz darauf fordert einer der zentralen Ansprechpartner aus Leipzig bei Whatsapp: »teilen wie die Teufel«

 

11.1.2016

7:59 Uhr Erstmals wird ein interner Mobilisierungsaufruf mit einem zentralen Treffpunkt für Hooligans und Neonazis verbreitet. Es ist der Parkplatz nahe der A 14 am Naunhofer See bei Leipzig. Der Aufruf wird schnell und oft über Whatsapp und SMS geteilt.

»Patrioten Deutschlands – vereinigt euch!

Am kommenden Montag, den 11.01., wird die patriotische Bewegung Legida in Leipzig zum einjährigen Bestehen auf die Straße gehen. Die Antifa , die vor kurzem einen ganzen Leipziger Stadtteil verwüstete und die völlig überforderte Polizei stellenweise in die Flucht schlagen konnte, rief diesbezüglich öffentlich über ihre Kanäle zu einer Wiederholung am kommenden Montag auf. Dies wird wieder zahlreiche Patrioten aus Angst vor Übergriffen davon abhalten , ihre Sorge und Unmut auf die Straße zu tragen. Eine Situation die der FehlPolitik in diesem Land in die Karten spielt und deshalb wieder damit zu rechnen ist , dass die Polizeikräfte in Unterbesetzung verheizt werden. Dieser Zustand ist in unserer Stadt nicht hinnehmbar, weswegen dieser Mobilisierungsaufruf an alle Patrioten Deutschlands gerichtet ist, denn jede fernbleibende Person ist ein Gewinn für die Antifa und Politik in diesem Land.
Zeigt daher, dass ihr euch nicht einschüchtern lasst und seid furchtlos auf der Straße präsent.Dies ist kein Aufruf zur Gewalt. Zum sammeln aller Kräfte treffen sich alle ! 
Leipziger und Leute aus anderen Städten geschlossen um 17.45 Uhr auf dem Parkplatz am Naunhofer See, welcher direkt an der Autobahnabfahrt Naunhof (A14) liegt.

Macht massiv !!! intern !!! mobil«

9:37 Uhr Einer der zentralen Ansprechpartner (in Connewitz gefasster Kampfsportler aus Leipzig) reagiert genervt auf Nachfragen und verweist darauf, dass Plan von Ü-40-Kameraden stamme. Unklar bleibt, ob das wahr ist oder eine Schutzbehauptung wegen möglicher Überwachung.

»Hört Bitte auf privat mir ständig irgendwelche Fragen zu stellen oder neue Vorschläge zu machen !!!! Hansi und die alten haben den Treff festgelegt. Ich habe mit der Planung nichts zu tun und weiß auch nichts

Zeigt Eier und endlich Disziplin, damit nicht wieder jeder seine eigene Suppe kocht. Niemand wird die Autos direkt neben der Antifa parken, damit diese zerlegt werden. Laut Hansi gibt es Schutz der Autos..die Jungs sind über 40 und haben genug Plan. Fangt nicht an die Welt neu zu erfinden.«

Ab dem späten Vormittag: Über die Broadcast-Funktion von Whatsapp wird ein Kurzaufruf verbreitet, der rege geteilt wird. Ein später in Connewitz Festgesetzter aus der Leipziger Lok-Hooligan-Szene bringt es auf 65 Weiterleitungen.

»Mach dich gerade! HEUTE pünktlich 17:45 Uhr auf dem Parkplatz am Naunhofer See, der sich direkt an der Ausfahrt (Naunhof) auf der A14 befindet. Keine Fragen – keine Ausreden! Gemeinsam für Deutschland! MASSIV INTERN MOBILISIEREN!«

12:49 Uhr Ein NPD-Mann aus dem Leipziger Umland (am 11.1. in Connewitz festgesetzt) versucht, per Whatsapp sich und einen Kameraden zu motivieren. 56 x schreibt er ein Wort (88 schaffte er dann doch nicht).

»Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen Wamsen«

(Anm.: »Wamsen« ist ein Ausdruck, der so viel wie schlagen, verprügeln, verkloppen bedeutet) 

Ab 14:11 Uhr wird über Whatsapp eine Meldung verbreitet, die laut Kommentar des unbekannten Absenders angeblich »polizeiintern« sei und von einem sächsischen NPD-Stadtrat komme.

»Da ihr schon alle weg seid ne andere Einweisung: Anreise von Linken aus Berlin, dabei 1 von 3 kfz auf Anreise bei Grimma kontrolliert, beladen mit Steinen und Mollis; Auf der Gegenseite haben sich Fußballhooligans angemeldet; 
In der Innenstadt wurden gelockerte Steine festgestellt. Stadt versucht zu sichern. Gebiet Nageldemo;
Ring = Lichterkette Naturkundemuseum bis Nordplatz = Legida;

Bitte im Verlauf Helm nachrüsten und aufgrund des bekannten Gewaltaufrufes extremst auf Eigensicherung achten«

Ab 14:30 Uhr treffen sich die später Festgesetzten an verschiedenen Orten. Aus den internen Chatverläufen lassen sich einige Vorabtreffpunkte für die Fahrt zum zentralen Sammelpunkt bei Naunhof (ca. 30 km von Connewitz entfernt) rekonstruieren.

  • Berlin: 14:30 Uhr an der Privatadresse eines Berliner Neonazis
  • Gera: 16.30 Uhr McDonalds an der Autobahnabfahrt; gemeinsame Abfahrtsstelle für Thüringer Neonazis
  • Dresden: 16.00 Uhr Ackis Sportsbar; hier treffen sich v.a. Mitglieder der »Freien Kameradschaft Dresden«, ein Teil trifft sich später mit einem Leipziger Ex-NPD-Kandidaten, der als Lotse fungiert

Hools und Neonazis aus Leipzig und Umgebung verabreden sich in Gruppen:

  • 14.30 Uhr in der Wohnung eines (später in Connewitz) gefassten Leipziger Kampfsportlers
  • 17.00 Uhr Eilenburg
  • 17.00 Uhr in Leipzig-Meusdorf
  • 17.30 Uhr Taucha (Aral-Tankstelle bzw. daneben liegender McDonalds)

15:29 Uhr »Wird bestimmt Bürgerkrieg« – zwei Neonazis tauschen sich vor dem Angriff auf Connewitz bei Whatsapp aus. Der in Markranstädt wohnende Gesprächspartner wurde am Abend mit 214 anderen Neonazis und Hools gefasst.

Bekannter: »Connewitz ist schon voller schwarzer Leute«

Markranstädter: »Zeckenviechter«

Bekannter: »Ich fühle mich da immer so beobachtet«

Markranstädter: »Das kann ich mir gut vorstellen«

Bekannter: »Nur Zecken dort«

Markranstädter: »Wird bestimmt Bürgerkrieg heute«

Bekannter: »Ich denke auch«

Markranstädter: »Hoffen kommen viele sportliche Leute«

Bekannter: »Wäre traurig wenn nicht«

Markranstädter: »Das stimmt, aber soviel wie in Dresden werden es bestimmt nicht«

Bekannter: »Ne«

Markranstädter: »Überraschen lassen«

Markranstädter: »Gibt’s ne kleiderordnung???«

Bekannter: »Schwarz würde ich sagen«

Markranstädter: »Das ist lustig, da sind heute wieder alle schwarz«

Bekannter: »Jo«

Markranstädter: »Hast du lederhandschuhe übrig«

Bekannter: »Ne hab selber keine mehr«

Rückblick: Am 11.1.1945 begann in Dresden eine Hinrichtungswelle, bei der viele sächsische Antifaschisten von den Nazis ermordet wurden. Wolfgang Heinze, nach dem die Straße in Connewitz benannt ist, wurde am 12.1.1945 hingerichtet.

Am 11.1.45 im Hof des Dresdner Landgerichts hingerichtete Widerstandskämpfer: Georg Schumann, Kurt Kresse, Otto Engert. Am 12.1.45 hingerichtet: Wolfgang Heinze, Georg Schwarz, Alfred Frank, Arthur Hoffmann, William Zipperer, Karl Jungblut und andere.

18:04 Uhr Am Treffpunkt an der Autobahn: Ein Berliner Neonazi schreibt seinem »Schatz«, dass auf dem Parkplatz Naunhofer See an der Autobahn »400 mann in schwarz« versammelt seien. Anweisungen werden erteilt, bevor es nach Connewitz geht.

Chat vom Treffpunkt Naunhofer See:

Freundin: »Wie geht es euch?«

Berliner: »Bis jetze ist alles gut«

Berliner: »400 mann in schwarz von mega«

Freundin: »Was macht ihr da«

Berliner: »Sammeln uns hier noci«

Freundin: »Achso«

Im Sommer 2017 schilderte der Angeklagte Florian N. im ersten Prozess gegen die »Freie Kameradschaft Dresden« vor dem Landgericht Dresden, was auf dem Parkplatz angeblich passiert sei: Eine recht große, vermummte Person habe Zettel verteilt, dass es nicht direkt zu Legida gehe. Die Handys sollten ausgeschaltet, keine Namen benutzt werden. Es habe außerdem die Ansage gegeben, nicht die Polizei anzugreifen. Man habe gewusst, dass es nach Connewitz geht. »Wir wussten, dass es eine Provokation ist. Wir gingen auch davon aus, dass es eskaliert. Gingen davon aus, dass es eine große Gegendemo gibt und Connewitz leer ist. Wir wollten denen zeigen, dass ihre Festung nicht uneinnehmbar ist.«

Circa 18:45 Uhr (Schätzung): Ein Großteil der Angreifer parkt seine Autos an der Threnaer Straße (Gewerbegebiet/Kleingartenanlage) am Rand von Connewitz und formiert sich, getarnt als schweigende Spontandemo.

Einer der Täter, Florian N. von der »Freien Kameradschaft Dresden«, erinnerte sich im Prozess vor dem Landgericht an folgenden Ablauf: Die Gruppe formiert sich im Gewerbegebiet Threnaer Straße, die meisten vermummen sich. Ein Banner »Leipzig bleibt helle« wird entrollt und als Fronttransparent eingesetzt, damit man als scheinbar linke, schweigende Spontandemo unentdeckt bis zum Ziel kommt. Das Banner des breiten antirassistischen Bündnisses wurde in der Nacht vom 2. zum 3. Januar von der Fassade der Thomaskirche gestohlen. Dann läuft die Gruppe durch die angrenzende Kleingartenanlage die Meusdorfer Straße zur Biedermannstr. Und sickert aufgeteilt über mehrere Seitenstraßen in die Wolfgang-Heinze-Str. Nach Aussage von Florian N. habe man 15 bis 20 Minuten gebraucht.

19:18 Uhr geht der erste Notruf bei der Polizei ein. Der schwarz gekleidete Neonazi-Mob ist auf die Wolfgang-Heinze-Str. eingebogen und beginnt unter »Hooligan, Hooligan«-Rufen, Läden und Pkw mit Äxten, Steinen und Böllern anzugreifen. Raketen fliegen.

Circa 19:20 Uhr Etwa 300 schwarz gekleidete Neonazis beschädigen 23 Geschäfte und zahlreiche Pkws. Sie sind mit Äxten, mit Nägeln bewehrten Zaunlatten, Messern, Totschlägern, Knüppeln, Reizgas und zu Bomben umgebauten Böllern bewaffnet. Durch die eingeschlagenen Fenster der Kneipe »Zwille« sprühen sie Reizgas. In den Imbiss »Shahia II« werfen sie eine Kugelbombe. Sie landet in einem Edelstahlwaschbecken, bei der Explosion zerreißt es in der Mitte. Personal und zwei Gäste fliehen in den Hausflur und werden von Nachbarn versteckt.

19:22 Uhr Die sächsische Bereitschaftspolizeihundertschaft 22 erhält den Befehl, aus dem Stadtzentrum nach Connewitz zu fahren. Dort sollen Vermummte randalieren.

19:28 Uhr Eine erste Einheit der Bereitschaftspolizei erreicht die Wiedebach-Passage (Polizeiposten), kann aber zunächst keine Verdächtigen entdecken. Zwei Minuten später stellen die Beamten eine große Gruppierung auf der Wolfgang-Heinze-Str. fest.

19:32 Uhr Die Neonazis drehen am Connewitzer Kreuz um, als sie die Polizei erblicken. Der Großteil läuft in erste Querstraße hinein. Sie endet vor dem Polizeiposten. 

Während des Überfalls: Ein Bewohner des Hauses Nr. 20, in dem sich das Döner-Bistro »Shahia II« befindet, sitzt mit seinen Kindern beim Abendbrot, als der Angriff beginnt. In dem Döner-Laden landen Böller und eine Kugelbombe. Bewohner: »Wäre die Bombe nur ein Stück weiter links gelandet, dann wäre sie genau zwischen den Gasflaschen explodiert.«

Ein zufälliger Beobachter des Angriffs berichtet, wie er von den Männern geschlagen wird. Blutend flüchtet er in einen Imbiss am Connewitzer Kreuz. Er habe Anzeige erstattet, sagt er, die im Juni 2016 aber eingestellt worden sei.

»Da stand dann auch schon ein junger Mann vermummt mit einem Lok Schal vor mir, das war ungefähr auf Höhe des Highfield Ladens und fragte mich, wer ich bin und was ich hier will. Ehe ich überhaupt über die Frage nachdenken konnte, bekam ich einen oder mehrere heftige Schläge gegen den Kopf. Das weiß ich nicht mehr so genau. Daraufhin ging ich zu Boden und versuchte, meinen Kopf und Oberkörper irgendwie mit Armen und Beinen zu schützen. Dann traten mehrere Personen auf mich ein, ich würde sagen es waren so drei oder vier.

Zum Glück dauerte es nicht lange, bis die Polizei aus Richtung Kreuz kam und die Angreifer flüchteten. Ich stand auf, lief Richtung Kreuz.

Im Curry-Süd bekam ich dann etwas zu trinken und konnte erstmal realisieren, was da gerade überhaupt passiert ist.

Dann lief ich noch eine halbe Stunde planlos und verwirrt durch Connewitz ehe ich nach Hause ging und erstmal wirklich sehen konnte, wie ich überhaupt aussehe und dass das alles schon ziemlich heftig war.«

19:37 Uhr Die Neonazis sind in der Auerbachstraße eingekesselt. Polizei fordert sie auf, sich hinzulegen. Als es Widerstand gibt, setzen die Beamten Reizgas ein. 60 bis 80 Rechte sind über Seitenstraßen der Heinze-Str. Richtung Auwald entkommen, berichten Anwohner. Eine ältere Dame soll die Flüchtenden in der Teichstraße lautstark als »Dreckspack« beschimpft haben.

19:59 Uhr Die Polizei hat 215 Neonazis und Hooligans mit Plastikfesseln fixiert und kündigt ihnen an, dass sie wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch zur ED-Behandlung in die Gefangenensammelstelle gebracht werden.

Der Geraer Fußballer, der die Anreise der Thüringer Neonazis koordiniert, meldet sich per Whatsapp aus dem Polizeikessel: »Gekesselt game over«.

Fußballer aus Gera an Kameraden: »Gekesselt game over«

Fußballer aus Gera an Freundin: »lief nicht gut«

Freundin: »Ist dir was passiert?«

Bekannte: »Ham die euch festgenommen?«

Bekannte: »Micha auch?«

Fußballer aus Gera: »Vorwurf landfriedensbruch«

Fußballer aus Gera an Bekannte: »Ja den auch sitzt hinter mir«

Bekannte: »Der (Nachname) hat Bewährung!«

Fußballer aus Gera: »sitz mer ja in einem boot«

Bekannte: »Weil ihr behinderte vollottos seid!«

20:07 Uhr 20 bis 30 Linke versuchen, über die Biedermannstraße an die festgesetzte Nazigruppierung zu gelangen. Die Polizei drängt sie zurück.

In der alteingessenen Buchhandlung auf der Heinze-Straße wurden nicht nur Scheiben zerstört. Pyrotechnik hätte den vollgefüllten Laden (und das Haus) in Brand setzen können; zum Glück verkohlte der Böller auf diesem später umbenannten Kalender.

20:31 Uhr An der Threnaer Straße zünden Linke das erste Auto eines Neonazis an. Weitere 15 der von den Connewitz-Angreifern geparkten Pkw werden beschädigt (kein Halter erstattet später Anzeige). Danach bewacht die Polizei die Wagen.

21:09 Uhr Beim Abtransport der ersten Neonazis greifen Linke aus dem Herderpark den gepanzerten Gefangenenbus mit Flaschen und Raketen an. Die Polizei setzt Reizgas ein.

Die Handys der in Gewahrsam genommenen Neonazis werden beschlagnahmt. Insgesamt sind es 64. Nicht konfisziert werden die Autos der Angreifer, obwohl in einigen sichtbar Waffen liegen. Auch Spuren von transportierter Pyrotechnik sind daher nicht ermittelbar.

21:51 Uhr »Funkstille« – Der Fußballer aus Gera, der die Thüringer Neonazis koordiniert hat, führt auch noch aus dem Polizeigewahrsam das Kommando.

Rundnachrichten per Whatsapp:

21:51 Uhr: »Funkstille« (33 Empfänger)

21.52 »Nichts mehr posten zecken haben evtl handys!!« (18 Empfänger)

21:59 »(X) und (Y) raus aus der gruppe!« (39 Empfänger)

21:59 »Alles handy funkstille erstmal in dem chat« (33 Empfänger)

22:00 »Bis ich entwarnung gebe« (33 Empfänger)

Ab 18:10 Uhr Ein Nazi (festgesetzt in Connewitz) und seine Freundin chatten am Tatabend.

18:10 Uhr Freund: »Muss aus machen ich liebe dich mein Schatz«

18:11 Freundin: »Hm toll ich dich auch«

21:03 Freund: »Stege noch fest ich liebe dich mein Schatz«

21:03 Freundin: »Okay hm toll ich dich auch is inet jetzt an die haben das in fern gebracht« (Anm.: Sie meint verm. »im Fernsehen gebracht«)

21:10 Freund: »Noch ja«

21:10 Freundin: »Wieso noch ja«

21:18 Freund: »Weil wir warten müssen was basirt«

22:10 Freund: »Sitze erstmal im Bus zum rewir ich liebe dich mein Schatz mein Engel es War es letzte mal ich steig aus ok mein Schatz«

23:19 Uhr Die letzten Neonazis werden aus Connewitz zur Gefangenensammelstelle in die Innenstadt von Leipzig gebracht. Sie saßen über Stunden im strömenden Regen auf dem Boden in der Auerbachstraße.

 

12.1.2016

1:07 Uhr Die erkennungsdienstliche Behandlung der 215 Neonazis zieht sich hin. Die Mensa der überfüllten Gefangenensammelstelle wird geöffnet, damit alle Festgesetzten ins Trockene kommen. Bis dahin stand ein Großteil auf dem Hof.

Circa 5:30 Uhr Die letzten Teilnehmer des Angriffs auf Connewitz werden aus der Gefangenensammelstelle entlassen. Die erkennungsdienstliche Behandlung ist beendet.

Die Polizei hat in Connewitz zahlreiche von den Angreifern weggeworfene Gegenstände sichergestellt. Auch zahlreiche Spuren werden gesichert. Linke finden am Folgetag ein Messer und Schutzausrüstungen, geben sie aber nicht der Polizei.

Was die Polizei nach dem Angriff in Connewitz am Tatort fand: ein Beil, ein Teppichmesser, ein Teleskopschlagstock, Pyrotechnik, darunter in Deutschland verbotene Böller, Eisenstangen, mehrere Zaunlatten mit Nägeln, eine Holzstange, Sturmhauben und Handschuhe (Schlagschutz-, Quarz- und Lederhandschuhe), Zahnschutz (mehrfach), CS-Gas, Pfefferspray

Welche DNA-Spuren die Ermittler sichern konnten: 57, davon fünf an Steinen und vier an unmittelbaren Tatorten.
Während der Ermittlungen wurden alle Verdächtigen aufgefordert, eine Speichelprobe abzugeben, sofern ihre DNA noch nicht gespeichert war. Wer dem nicht nachkam, wurde per richterlichem Beschluss dazu verpflichtet.

Bilanz der materiellen Schäden des Nazi-Überfalls: 23 beschädigte Geschäfte, 19 beschädigte Autos, weit über 100.000 Euro Schaden.

Beschädigte Läden (alle in der Wolfgang-Heinze-Str.): Musikhaus, Juwelier, DVD-Verleih, 3 Kleidungsgeschäfte, Bäcker, Imbiss, 4 Kneipen, Skatergeschäft, Buchladen, 2 Textilgeschäfte, Gardinenladen, Waschsalon, Friseur, TV-Geschäft, Lottoladen, Augenoptiker, Tattooladen

Offizielle Schadenshöhe: rund 98.000 Euro. Sie ist allerdings höher, weil zwei stark beschädigte Kneipen nicht erfasst wurden

Beschädigte Autos: 19

Offizielle Schadenshöhe: ca. 15.000 Euro

Eine Infografik zu den Beteiligten und woher sie kommen, gibts hier.

Dieser Text stammt aus dem kreuzer, Heft 02/2018. Um ein kreuzer-Abo abzuschließen, klicken Sie bitte hier: https://kreuzer-leipzig.de/abo

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