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Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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»Ich freue mich besonders, wenn Sie aus Dresden kommen und Geld mitbringen«, gestand Oberbürgermeister Burkhard Jung garniert mit einem Dauerlächeln dem Ministerpräsidenten am Dienstagnachmittag. Zuvor verkündete Michael Kretschmer vor der geladenen Presse im Stadtgeschichtlichen Museum, dass das Land 2,079 Millionen Euro gibt, um das Sportmuseum in vier Jahren endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Geld stammt aus dem Schatz der Parteien und Massenorganisationen der DDR in der Schweiz. Der Freistaat konnte vergangene Woche über 60 Millionen Euro auf unterschiedliche Projekte und Institutionen verteilen. Ein schöner Umstand, ein Jahr vor den Wahlen.

Flott wurde ein Pressetermin anberaumt, so dass die langjährige Leiterin des Sportmuseums Gerlinde Rohr im lange geplanten Urlaub weilte. Sie und ihr Kollege Wolfgang Metz residieren seit über zwanzig Jahren im unsanierten Keller des Olympiastützpunkts mitten in einem Teil der riesigen Sammlung, in die die aktuelle Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum einen kleinen Einblick gibt. Bei der Eröffnung wurde schon jede Menge Optimismus versprüht, dass es nun endlich mal klappen sollte mit der Wiedereröffnung. Immerhin liegt der Stadtratsbeschluss über zehn Jahre zurück.

Was passiert nun?

Was kostet so ein Museum, das nicht nur Objekte ausstellen möchte, sondern eine Institution sein soll, in der man sich auch selbst bewegt? Nachdem im Zuge der Olympia- und WM-Bewerbungen Pläne für solch ein Haus bereits entstanden und nur so auch die Nordseite des ehemaligen Schwimmstadions noch zu retten war, stellt sich heute die Frage, ob diese Pläne von vor über zehn Jahren noch bestehen können.

RB-Fan Kretschmer

Die Stadt hat aufgrund der spontanen Fördergeldzusage noch kein Konzept, wie Burkhard Jung und Skadi Jennicke gestern erklärten. Daher wurde man hellhörig, als Jung die Frage nach der Nordtribüne mit einem »Jein« beantwortete. Er könne sich vorstellen, dass die Reste des Schwimmstadions um einen Neubau kombiniert werden. Denn es gibt schon einen weiteren Partner für das Projekt: RB Leipzig. Das freute besonders Kretschmer: »Sie wissen, dass ich RB Leipzig-Fan bin.« Spätestens jetzt wissen es alle.

Mateschitz-Denkmal in Leipzig?

Jung, den man auch eher beim Bundesligisten als in anderen Stadien antrifft, formulierte seine Sicht auf den Museumsneubau als eine Kombination aus Museum und Fanshop des Bundesligisten – frei nach dem Motto: Da wären dann schon gleich Besucher da. Obwohl man natürlich fein unterscheiden sollte zwischen passiven Konsumenten eines Shops und aktiven Besucher einer Kulturinstitution.

Zwar wurde die städtische Trägerschaft des Museums hervorgehoben, aber Jung betonte auch die Sammelleidenschaft von Dieter Mateschitz. »Der Spiritus Rector« (Jung) mag vor allem Flugzeuge, die er dann medienwirksam in seinem Hangar ausstellt und von seinem Heimsender in Szene setzten lässt. Bei solchen Ausführungen rückt dann zugleich auch die Firmenzentrale in Fuschl am See vor das innere Auge mit ihrem in Stein gehauenem und in Bronze gegossenem Omnipotenzgehabe. Und nicht zu vergessen ist auch das LVZ-Interview mit dem Lok-Hauptsponsor Wrenze von ETL, der ernsthaft ein Mateschitz-Denkmal in Leipzig forderte. Weiter möchte man da gar nicht denken.

Streit um demokratische Teilhabe im Sport

Seitens der Stadt war auf kreuzer-Nachfrage zu vernehmen, dass sich RB konstruktiv um eine bauliche Lösung kümmern möchte. Man befürchte auch nicht, dass der Verein mit seinen 17 Mitgliedern Einfluss nehmen wolle. Das wäre auch ein mehr als verheerendes Signal, denn Sport und körperliche Ertüchtigung sind besonders sensible Teile der Gesellschaft. Hier wird wie kaum woanders um demokratische Teilhabe gestritten.

Sensibel genug müssen daher die Verantwortlichen agieren. Erschwert wird das ganze Projekt durch die Umstände, dass sich sowohl der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Volker Rodekamp als auch Gerlinde Rohr bald in den Ruhestand verabschiedet werden. Beide kämpfen seit Jahrzehnten um das Sportmuseum und kennen die Sammlung. In dem eh sehr sportlichen Förderzeitfenster von vier Jahren kann dies eine weitere, besondere Herausforderung darstellen.

Ein Artikel zum Sportmuseum findet sich in der kommenden September-Ausgabe des kreuzer.

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