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Nicht gemeinnützig genug

Unklarheiten über Bedingungen für Stand gegen rechte Verlage auf der Buchmesse

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Das Aktionsbündnis »Leipzig nimmt Platz« möchte auf der Leipziger Buchmesse gegen rechte Verlage ein Zeichen setzen. Die Messeleitung soll nach Aussage des Bündnisses für einen entsprechenden Stand sogar Ermäßigungen angekündigt haben. Dies scheint nun hinfällig – weil das Bündnis den Forderungen der Leipziger Messe folgte.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, musste sich letztes Jahr zum Umgang mit rechten Verlagen äußern. Deren Präsenz hatte zuvor auf der Frankfurter Buchmesse zu Unruhen und Rangeleien geführt, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Leipziger Buchmesse entwickelte daraufhin ein neues Sicherheitskonzept, aber der Ruf nach einem Ausschluss rechter Verlage hielt an. Zille betonte jedoch, es gehe um die Wahrung von Meinungs- und Pressefreiheit, da könne man rechte Verlage nicht einfach ausschließen. Ihnen unkommentiert das Feld überlassen wollten Irena Rudolph-Kokot und andere Mitglieder des Bündnis »Leipzig nimmt Platz« jedoch auch nicht einfach. Sie entwickelten die Idee eines engagierten Messestands der Zivilgesellschaft. Um Konfrontation, so Rudolph-Kokot, gehe es ihnen nicht, sondern um Diversität und ein Zeichen gegen rechte Verlage. Auf einer Leseinsel könnten verschiedene Vereine mit Bezug zu Literatur wie das Erich-Zeigner-Haus oder der Verein Lauter Leise Platz finden, um Podiumsdiskussionen zu initiieren. Als gemeinnütziger Verein dürften sie mit einer Ermäßigung rechnen, kommunizierte ihr zufolge die Leitung der Leipziger Buchmesse zu Beginn der Planung.

Messeleitung legte nahe, sich einen Verlagspartner zu suchen

Einige Monate nach den ersten Gesprächen verlangt die Buchmesse nun allerdings die volle Standgebühr – laut Bündnis mehr als das Doppelte des anfangs kommunizierten Preises. In einer Mail an Leipzig nimmt Platz argumentiert die Leipziger Buchmesse mit dem Gleichheitsprinzip: Für alle ausstellenden Verlage gelten die gleichen Konditionen. Dass das Bündnis allerdings überhaupt als Verlag und nicht als gemeinnütziger Verein behandelt wird, geht anscheinend wesentlich auf die Messeleitung zurück. Sie empfahl »Leipzig nimmt Platz« bereits im Sommer, sich einen Verlagspartner zu suchen, um als Vertreter der Buchbranche zu gelten und einen Stand zu erhalten. Mit dem Manifest Verlag hat das Bündnis einen solchen Partner gefunden. Damit verfiel anscheinend wiederum die ursprüngliche Gemeinnützigkeit.

Unklarheit über getroffene Absprachen

Den Frust über die verlangte Standgebühr kann die Leitung der Leipziger Buchmesse nicht nachvollziehen. Sie äußert in einer offenen Antwort an das Bündnis, dass die Teilnahmebedingungen schon anfangs transparent kommuniziert worden seien. Ob in vorherigen Verhandlungen eine mögliche Ermäßigung für einen gemeinnützigen Stand in Aussicht gestellt worden sei, beantwortet der Pressesprecher der Buchmesse auf Anfrage jedoch nicht. Man gebe grundsätzlich keine Auskunft über Gespräche mit potentiellen Ausstellern.

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