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Kultur

»Sichtbar machen, was unabhängige Verlage leisten«

Kurt Wolff Preis 2019 – Verlegerin Britta Jürgs über Wertschätzung und Unterstützung der Literaturbranche

  »Sichtbar machen, was unabhängige Verlage leisten« | Kurt Wolff Preis 2019 – Verlegerin Britta Jürgs über Wertschätzung und Unterstützung der Literaturbranche

Seit 2002 sitzt die Kurt Wolff Stiftung im Haus des Buches in Leipzig. Zwei unabhängige Verlage oder Persönlichkeiten aus der Verlagslandschaft werden jährlich für Ihre Arbeit mit dem Kurt Wolff Preis ausgezeichnet. Dieses Jahr erhielt der Verleger Andreas J. Meyer den Hauptpreis. Der Förderpreis ging an die Edition Fototapeta aus Berlin. Der kreuzer sprach mit Britta Jürgs, der Vorsitzenden der Kurt Wolff Stiftung.

kreuzer: Die Preisträger wurden gekürt, wie geht es jetzt weiter? Sehen Sie sich direkt nach den Preisträgern für 2020 um oder bleibt da noch etwas Zeit?

BRITTA JÜRGS: Über die neuen Preisträger und Preisträgerinnen entscheidet das Kuratorium, in dem literatur- und buchaffine Menschen sind, allerdings keine Verlegerinnen und Verleger. Als Vorstand sind wir dabei, haben aber kein Stimmrecht. Die Preisverleihung und unsere Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse sind zwar Höhepunkte des Jahres, aber nicht unsere einzigen Aktivitäten. Wir sind mit der Kurt Wolff Stiftung auf Auslandsmessen vertreten, präsentieren uns beispielsweise vor Studierenden im mediacampus in Frankfurt am Main oder bei kleineren Buchmessen unabhängiger Verlage und kümmern uns auch ansonsten darum, das sichtbar zu machen, was unabhängige Verlage leisten.

kreuzer: Ihr zuletzt erschienener Katalog unabhängiger Verlage hat wieder gezeigt, wie vielfältig die Verlagslandschaft im deutschsprachigen Raum ist. Welche Kriterien gibt es, die die potentiellen Preisträger erfüllen müssen?

JÜRGS: Der Kurt Wolff Preis wird für das Lebenswerk, für das Gesamtschaffen oder das vorbildhafte Verlagsprogramm, der Kurt Wolff Förderpreis für vorbildhafte Einzelprojekte von in Deutschland ansässigen unabhängigen Verlegerinnen oder Verlegern verliehen, die für die Vielfalt in der Literatur einen besonderen Beitrag geleistet haben.

kreuzer: Am 1. Mai beginnt das Insolvenzverfahren des Buchzwischenhändlers KNV. Hand aufs Herz: Wie besorgt sind Sie in Bezug auf das Ergebnis? Wie war die Stimmung auf der Buchmesse?

JÜRGS: Ich bin natürlich besorgt darüber, wie es nach dem 1. Mai weitergeht: ob und wie verkauft wird und an wen. Die Stimmung auf der Leipziger Messe und auf den Veranstaltungen in der Stadt war sehr gut, aber das Thema der KNV-Insolvenz und deren Auswirkungen auf die jeweiligen Verlage war doch immer präsent.

kreuzer: Sie forderten im Februar von Gesellschaft und Politik »schnelle, unbürokratisch geregelte finanzielle Hilfe für die Buchbranche«. Was hat sich seitdem getan?

JÜRGS: Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat den Start des Deutschen Verlagspreises bekanntgegeben. Der mit Preisgeldern zwischen 15.000 Euro (für 60 Verlage) und 60.000 Euro (für 3 Verlage) dotierte Preis für unabhängige Verlage mit bis zu 3 Millionen Umsatz - daneben gibt es noch ein undotiertes Gütesiegel für größere Verlage - wird nicht alles auffangen können, ist aber ein Zeichen dafür, dass die Probleme unabhängiger Verlage ernstgenommen und vor allem, dass deren Beitrag zum kulturellen Leben gewürdigt wird.


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