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Politik

Gemischtes Doppel

Verbindungen der Prozesse zu Connewitzangriff und Anschlag auf Wohnung von Justizminister Gemkow

  Gemischtes Doppel | Verbindungen der Prozesse zu Connewitzangriff und Anschlag auf Wohnung von Justizminister Gemkow

An zwei verschiedenen Leipziger Gerichten wird am Donnerstag parallel gegen zwei verschiedene Personen wegen zwei verschiedenen rechten Gewalttaten verhandelt – dem Neonaziangriff auf Connewitz im Januar 2016 und dem Anschlag auf die Wohnung von Sachsens Justizminister Gemkow. Kurios: Beide Angeklagte müssen sich demnächst auch für die jeweils andere Straftat vor Gericht verantworten.

Am Leipziger Amtsgericht startet diesen Donnerstag der zweite Verhandlungstag gegen Philipp S. und Jens E. wegen mutmaßlicher Beteiligung am Angriff von rund 250 bewaffneten und vermummten Personen auf den Leipziger Stadtteil Connewitz am 11. Januar 2016. Die Gruppe hinterließ in der Wolfgang-Heinze-Straße rund 113.000 Euro Sachschaden und griff Passanten, Kneipenbesucher und Personal an.

Während S. sich am ersten Verhandlungstag geständig zeigte, angab Teil der randalierenden Gruppe gewesen zu sein und konkret einräumte, einen Pflasterstein durch die Schaufensterscheibe eines Musikaliengeschäfts geworfen zu haben, streitet E. eine Tatbeteiligung bisher ab.

Seiner Schilderung zufolge habe er am Abend des ersten Jahrestags von Legida gehört, dass deren Demonstrationszug diesmal in Connewitz starte und sei daraufhin allein in den Leipziger Süden gereist. Dort sei er gemeinsam mit einem Bekannten auf eine Gruppe getroffen, anschließend hätten aber beide den Anschluss an die Demonstration verloren und seien noch einige Minuten alleine durch Connewitz gelaufen. Die Wolfgang-Heinze-Straße habe er nicht betreten, sagte E. am ersten Verhandlungstag. Auf dem Rückweg zu seinem Auto sei er von Polizisten aufgehalten und wenig später in die Auerbachstraße gebracht worden. In der kleinen Seitenstraße hatten Beamte den größten Teil der vermummten Gruppe festgesetzt, als diese sich nach der Randale zurückzog. Dass ihm eine Beteiligung an Straftaten vorgeworfen wird, will E. erst nach mehreren Stunden Polizeigewahrsam erfahren haben.

Am heutigen Verhandlungstag sind nun Zeugen geladen, die E.s Version der Ereignisse stützen sollen, darunter sein damaliger Begleiter Daniel W., der ebenfalls wegen des Angriffs angeklagt ist. Eine Verbindung in die rechte Szene bestritt Jens E. zuletzt vehement.

Mutmaßlicher Connewitz-Angreifer auch wegen Gemkow-Angriff angeklagt – und umgekehrt

Vor wenigen Monaten wurde auch in einer anderen Angelegenheit Anklage gegen E. erhoben. So wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, an dem Anschlag auf die Wohnung von Justizminister Gemkow im November 2015 beteiligt gewesen zu sein. Damals hatten Unbekannte Steine und mit Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln durch die Fenster der Wohnung im Erdgeschoss geworfen. Ermittler gehen davon aus, dass die Angreifer sich im Fenster geirrt und es eigentlich auf die benachbarte Wohngemeinschaft abgesehen hatten, die zum damaligen Zeitpunkt Firmenanschrift eines linken Modelabels war. Ein Verhandlungstermin gegen E. in dieser Sache steht noch aus.

Über besagten Angriff auf die Ministerwohnung wird ebenfalls am Donnerstagnachmittag aber am Leipziger Landgericht verhandelt: Thomas K., ein einschlägig vorbestrafter Mann aus dem rechten Hooliganmilieu hatte Berufung eingelegt, nachdem er in erster Instanz für den Anschlag verurteilt wurde. Ein erster Versuch den Fall neu aufzurollen wurde im November 2018 nach wenigen Minuten vertagt – weil erstmals öffentlich wurde, dass es mittlerweile eine weitere Anklage in dem Fall gibt: die gegen Jens E. Nun soll der Prozess gegen K. fortgesetzt werden. Bisher schwieg K. zu allen Vorwürfen. Über seinen Anwalt ließ er verlauten, er kenne den mutmaßlichen Mittäter Jens E. nicht.

Auch Thomas K. wiederum war Teil der Gruppe, die von der Polizei am 11. Januar 2016 in Connewitz festgesetzt wurde und ist wegen des »Sturm auf Connewitz« angeklagt. In früheren Verhandlungen war er bereits als Besucher zugegen. Polizisten im Zeugenstand antworteten auf die Frage, ob sie bei ihrem damaligen Einsatz in Connewitz einzelne Personen der Gruppe identifizieren konnten, mit namentlichem Hinweis auf K. Seine Verhandlung in der Causa Connewitz soll noch im Laufe des Sommers stattfinden.


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