Startseite / Kultur / Aus der Vergangenheit lernen

Aus der Vergangenheit lernen

Die Kinostarts der Woche im Überblick

Größeres Bild

…und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Ein Mensch, gleich allen anderen. Umgeben von Grenzen, willkürlich in die nationale Geometrie geboren, in seiner Haut steckend, auf Austausch angewiesen. Sensitiv, politisch, sozial. Die Cinémathèque umspielt mit ihrer Reihe »inhale/exile« verschiedene Formen von Grenzen, die mit jedem Atemzug, mit jeder Flucht, mit jedem Blick in die Welt spürbar, überschritten, gewollt oder ungewollt aufgehoben, in Frage gestellt oder verschoben werden.

»inhale/exile« – Filmreihe mit Einführungen: 7., 14., 27.2., Interim der Cinémathèque Leipzig

Film der Woche: Über einhundert Jahre liegt die Affäre Dreyfus zurück und ist seitdem vielfach aufgearbeitet worden. Zuletzt nahm sich Robert Harris des Stoffs in seinem Roman „Intrige“ an, den Regisseur Roman Polanski nun verfilmte. Er erzählt sachlich, aber spannend von den Ereignissen um den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus (Louis Garrel), der 1894 fälschlich der Spionage bezichtigt und zu einer lebenslangen Haftstrafe auf der Gefängnisinsel Devil’s Island verurteilt wird. Als der aufrechte Colonel Georges Picquart (Jean Dujardin) seinen Dienst als Chef des Nachrichtendienstes antritt, stößt er auf einen beispiellosen Justizskandal, in den die höchsten Offiziere verwickelt sind. Polanski macht daraus einen packenden Justizthriller mit einem überragenden Jean Dujardin in der Rolle des Ermittlers. Der Stoff ist angesichts weltweiter antisemitischer Tendenzen aktueller denn je. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Intrige«: ab 6.2., Passage Kinos

Bei seinen Vorgesetzten wird der New Yorker Polizist Andre Davis (»Black Panther« Chadwick Boseman) für seine gewaltsame Durchsetzung von Recht und Gesetz beklatscht und verachtet. Als er an einen Tatort im Herzen der Stadt gerufen wird, an dem acht Polizisten getötet wurden, ist das Ziel zunächst klar: Die 21 Brücken, die nach Manhattan führen, abriegeln und den Mörder fassen – koste es, was es wolle. Doch im Laufe der Nacht stößt Davis auf Fragen, für die er keine Antworten erhält. Serien-Spezialist Brian Kirg (»Game of Thrones«) inszenierte mit »21 Bridges« einen gradlinigen Cop-Thriller alter Schule. Interessant ist dabei, dass er den Tatort zu Beginn aus zwei Perspektiven zeigt und so Sympathien für die unfreiwilligen Täter und die ermittelnden Beamten schafft. Am Ende ist man aber als Zuschauer besser aufgehoben, wenn man nicht zu viele Fragen stellt und »21 Bridges« als das nimmt, was er ist: Ein schnörkelloser Action-Thriller. latu

»21 Bridges«: ab 6.2., Regina Palast, Cineplex, CineStar

Mit ihrem Spielfilmdebüt »Ich seh, ich seh« sorgten Severin Fiala und Veronika Franz 2014 für einen Überraschungshit, der in der Jahresbestenliste vieler Horrorfans vorne mitspielte. Mit »The Lodge« inszenierten sie nun ihren ersten englischsprachigen Film, der viele Parallelen zu ihrem Erstling aufweist. Auch hier steht die Beziehung einer Mutter zu ihren Kindern im Mittelpunkt. Auch hier steht ein Barriere zwischen ihnen. Doch die Abgründe, die dahinter lauern, sind grundsätzlich andere. Grace (Riley Keough) verbringt die Weihnachtsfeiertage mit ihrem zukünftigen Mann Richard (Richard Armitage) und seinen Kindern (Jaeden Martell, Lia McHugh) in einer entlegenen Hütte in den Bergen. Als Richard beruflich in die Stadt muss, bleibt Grace alleine mit den Kindern zurück. Unerklärliche Dinge geschehen und Grace holen die Geister ihrer Vergangenheit als einzige Überlebende einer radikalen Sekte ein. Clever konstruieren Franz und Fiala ihren ästhetisch inszenierten Horror, der auf eine beklemmende Atmosphäre und nervenzerfetztende Spannung setzt. 

»The Lodge«: ab 6.2., Regina Palast, Cineplex, CineStar

Als Joshua 2009 im Kongo landet, wartet Tjostolv schon auf ihn. Die beiden Ex-Soldaten kennen Afrika. Gemeinsam haben sie als Söldner in Uganda gekämpft. Joshua lebt bei seiner Frau in Norwegen. Tjostolv ist anders. Er kann nicht zurück in ein normales Leben. Er ist süchtig nach Afrika, ein Thrill-Junkie. Joshua lässt sich davon anstecken. Nur auf dem Schlachtfeld fühlen sie sich wirklich lebendig. Da sind sie im viertgrößten Staat Afrikas genau richtig. Im Kongokrieg führt das Militär eine blutige Schlacht gegen die Rebellen. In deren Auftrag sollen sie in die feindlichen Linien vordringen und die gestohlenen Schätze zurückholen. Doch schon bald rennen die beiden Weißen um ihr Leben. Die Stimme von Joshua, der die Geschichte aus dem Knast heraus erzählt, macht von vornherein klar, womit wir es zu tun haben: Mit zwei moralisch höchst fragwürdigen Figuren, die sich mit einer Mischung aus Naivität und Einfältigkeit ins Abenteuer stürzen. Das macht es äußerst schwer, jedwede Form von Empathie für sie aufzubringen. Man wird das Gefühl nicht los, die Filmemacher wollen Zustimmung provozieren, ernten aber nur Kopfschütteln. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Congo Murder«: ab 6.2., Schaubühne Lindenfels

Weitere Filmtermine der Woche

Filmriss Filmquiz

Der Vorhang hebt sich, die Titelmusik beginnt, ein Geistesblitz und ihr seid um ein T-Shirt reicher. Ein Auto fährt vor, Bruce Willis steigt aus, ihr wisst Bescheid und die DVD gehört euch. Ihr singt die Bond-Songs unter der Dusche und werft eurem Spiegelbild nen Schwarzenegger-Spruch entgegen, wenn keiner hinhört? Dann seid ihr hier genau richtig! Wir belohnen euer Talent mit Bergen voll Goodies, Merch und Krempel aktueller Kinoproduktionen. Wir feiern Film und schwelgen in Erinnerung an unvergessliche Szenen, Sets und Zeilen. Auf der großen Leinwand, in Technicolor und Dolby Stereoton. Mit André Thätz und Lars Tunçay.

6.2., 20.30 Uhr, Studentenkeller StuK

Die Haut und die Knochen

Knastdrama um die Hierarchie in einem französischen Zuchthaus. – Inhale/Exile, mit Vorfilm und Einführung

7.2., 20 Uhr, Interim der Cinémathèque

Oscar Shorts: Animation

8 Filme in 80 Minuten: Alle fünf für den Oscar 2020 nominierten Kurzfilme der Sektion Animation plus drei der für die Oscars vornominierten Filmwerke. (Filmstill: Hair Love, USA 2019, 7 min)

7.2., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Oscar Shorts: Life Action

5 Filme in 103 Minuten: Darunter ein Gerechtigkeitsdrama, eine Drogenkomödie und ein Telefonthriller. Eine Auswahl der oscarnominierten Kurzfilme 2020. (Filmstill: Saria, USA 2019, 23 min)

7.2., 20.45 Uhr, Schaubühne Lindenfels, 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Spur der Steine

Manfred Krug sorgt als Zimmermann mitsamt seiner Brigade auf einer Großbaustelle für anarchische Stimmung. Die exzellente Gesellschafts-Satire war in der DDR lange verboten. – anlässl. des Geburtstages von Manfred Krug

8.2., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Adelheid, Kornelius & die Töde

Ein humorvoller, poetischer Dokumentarfilm über das Altern und Sterben, aber vor allem eine Liebeserklärung an das Leben. – anschl. Gespräch mit den Filmemacherinnen – Sonntagsfilm um 4

9.2., 16 Uhr, Budde-Haus

Butenland

Auf dem Hof Butenland dürfen Rinder im Kuhaltersheim ihren Lebensabend verbringen. Am 9.2. in Anwesenheit des Regisseus Marc Pierschel.

9.2., 13 Uhr, Passage Kinos

Coma

Russische SciFi-Action, in der ein Mensch in einer Zwischenwelt erwacht und versucht, einen Ausweg zurück in die Realität zu finden.

9.2., 17,30 Uhr, Cinestar, 17 Uhr, Cineplex, 18 Uhr, Regina Palast (OmU)

Es geschah am hellichten Tag

Ein Kommissar stellt einem Kindermörder eine Falle. Friedrich Dürrenmatt schrieb das Drehbuch und verdichtete das Material später zu dem Roman »Der Verdacht«. – Copy/paste, mit Einführung

9.2., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

The Pledge

Ein Polizist auf der Jagd nach einem Mädchenmörder. Exzellentes US-Remake der Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung »Es geschah am hellichten Tag«. – Copy/paste

10.2., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

SOS Eisberg

Die Grönland-Expedition von Professor Lorenz ist im ewigen Eis verschollen. Sein junger Kollege Krafft stellt ein neues Team zusammen und bricht in den Norden auf. Arnold Fancks Abenteuer-Klassiker von 1933 offenbart einen historischen Blick aufs ewige Eis.

9.2., 17 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Wenn wir erst tanzen

Eine Doku über ein Tanzprojekt in der Stadt Hoyerswerda, die wie kaum eine andere dafür steht, wie einige Orte nach dem Untergang der DDR für sich allein plötzlich keine Identität mehr hatten.

9.2., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

La Gomera

Ein korrupter Polizist lässt sich mit Kriminellen ein und verliert die Kontrolle. Durchaus faszinierender Genrefilm aus Rumänien. Freaky Monday

10.2., 21 Uhr, Passage Kinos

Die Hose

Eine junge Beamtengattin verliert im feierlichen Augenblick eines Fürstenbesuchs ihre Hose. Während die Betroffene von diesem Missgeschick zutiefst peinlich berührt ist, wecken die entblößten Beine sofort Begehrlichkeiten bei den männlichen Zeugen. Berühmte Stummfilmsatire über kleinstädtisches Spießertum mit Ufa-Star Jenny Jugo. – Ballet Mècanique #7

11.2., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Friedrich Hölderlin: Dichter sein. Unbedingt!

Arte-Filmpremiere mit anschl. Gespräch mit der Regisseruin Hedwig Schmutte.

11.2., 19.30 Uhr, Haus des Buches

Welcome to Sodom

Rund 250.000 Tonnen ausrangierte Computer, Smartphones, Drucker und andere elektrische Geräte türmen sich zu einem riesigen Berg: Agbogbloshie – Accra, Ghana, ist eine der größten Elektro-Müllhalden der Welt. – anschl. Diskussion und der BUND berät zu gemeinsamen Auswegen aus dem Konsumverhalten

11.2., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Confucian Dream

Eine Mutter versucht die traditionellen Praktiken des Konfuzianismus auf ihre Familie anzuwenden, um Harmonie zu schaffen. – Chai. Chinesisches Filmfestival Leipzig – Festivaleröffnung mit anschl. Gespräch mit der Produzentin Betsy Tsai

12.2., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Das freiwillige Jahr

Auf das Wesentliche reduziert breiten Ulrich Köhler und Henner Winckler eine schmerzliche Familiengeschichte aus, in der alle zwischenmenschlichen Beziehungen irgendwann zu Konflikten werden. Am 12.12. in Anwesenheit des Regisseurs Henner Winckler.

12.2., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Why don’t you just die!

Die tiefschwarze und blutige russische Komödie war der Geheimtipp der Fantasy-Filmtage. 

12.2., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.