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Medea und Tochter

Zwei Schauspielproduktionen zeigen starke Frauen aus antikem Mythos

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»Medea« ist zurück am Schauspiel Leipzig. Sie ist derzeit nicht die einzige starke Frauenfigur auf Leipzigs Theaterbühnen

»Wo zur Hölle bin ich hier?« – Medea wird in Korinth nicht häuslich. Das liegt vor allem daran, dass sich Jason von ihr und den Kindern losgesagt hat, um die Königstochter des Stadtstaates zu heiraten. Aus Karrieregründen. Eine wie Medea aber, Enkelin des Sonnengottes, zauberkundig und unbeugsam, kann das nicht hinnehmen und sinnt auf blutig-tödliche Rache. Und ermordet ihre zwei Söhne.

»Medea« is back: Zehn Jahre nachdem Clemens Schönborn seine blasse, einzig um die starke Sophie Rois gruppierte Inszenierung gab, ist der Stoff am Schauspiel zurück. Natürlich geisterte er weiter durch die Stadt, unter anderem in Interpretationen in Lofft, Ost-Passage Theater, Schaubühne und beim Theaterpack.

Medea ist ein klassisches Kolonialistenmotiv: Sie unterstützt Jason beim Raub des Goldenen Vlieses, flieht mit ihm ins griechische Kulturreich, um dann in der Zivilisation zu verkümmern. Bis heute wird sie auf den Bühnen in aller Regel als Zauberin, wilde Exotin und fremde Furie interpretiert, die rachsüchtig und brutal mordet. Wer sie ist, fragen wenige oder nehmen sie als fühlendes Wesen ernst. Das genau soll Regisseur Markus Bothe laut Vorankündigung interessieren.

Doch da hört das Schillern der Medea noch nicht auf. Es gibt eine Notiz, dass die tragische Frauenfigur eine Tochter namens Eriopis hatte. Was sie als zurückbleibende Überlebende zu erzählen weiß, hat sich die Autorin E. L. Karhu, deren »Prinzessin Hamlet« schon am Haus überzeugte, ausgedacht. Das Setting wird in die Neuzeit verlegt. Scheidungs- und Waisenkind Eriopis soll den elterlichen Konzern leiten, muss mit Zuschreibungen von außen kämpfen. Darum hat sich Regisseurin Anna-Sophie Mahler darauf verlegt, in der Uraufführung ganz aus der Innenperspektive der jungen Frau zu erzählen. Dafür setzt sie vor allem auch auf Musik. Stück für Stück fügen eine Schauspielerin, eine Sängerin und ein Musiker Eriopis’ Seelenleben zusammen. Wie tickt Medeas Tochter?

> »Medea«: 28.3., 19.30 Uhr (Premiere), Schauspiel
> »Eriopis«: 6.3. (Premiere), 19., 27.3., 20 Uhr, Diskothek/Schauspielhaus

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