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Den Nachwuchskünstlern auf der Spur

Absolventinnen und Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst stellen aus

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Die HGB eröffnet das neue Semester erstmals mit dem Diplom-Rundgang. Zu bestaunen analog in der Wächterstraße und digital im Netz, zwischen Kunstwerken, die sich mit untragbarer Realität und Vergangenheit auseinandersetzen. Impressionen der Ausstellung

Noch bis Sonntag können Besucher und Besucherinnen die Diplomarbeiten der HGB begutachten. Beim diesjährigen Diplomrundgang ist alles anders. Erstmals sind sowohl die Sommer- als auch Winterdiplome zusammen und darüber hinaus auch noch teilweise im Netz zu erleben – streng geordnet mit Informationen zu Werk und Kunstschaffenden. Diese Variante entstand aus der coronabedingten Pause und hat auf jeden Fall etwas, was für die folgenden Semester auch dienlich sein könnte.

Im Lichthof der HGB grüßt eine überdimensionale Monstera aus der Luft. Unter ihr sind die Villeroy und Boch Fliesen mit bunten Flächen überklebt. Das ist das Leitsystem zur Ausstellung innerhalb der Hochschule für Grafik und Buchkunst, um alle ausgestellten Diplome vom Erdgeschoss bis unters Dach in der dritten Etage nicht verfehlen zu können. Ein Farbfächer entschlüsselt die Autorenschaft der Kunstwerke. »Tendencies 2020« nennt sich das System, das Carla Selva Matthes und Christine Pascoe entwickelten. Die Absolventen konnten dafür ihre Arbeit selbst in sechs Kategorien – solid, soft, dense, open, dynamic, static – einordnen. Wie lässt sich diese Ausstellung erzählen? Ein fragmentarischer Versuch.

»Textiles« Foto: Sabrina Asche

Parallelwelten in der Gegenwart
»Textiles« nennt Sabrina Asche, Absolventin der Klasse für Fotografie und Bewegtbild von Tina Bara, ihre Serie von Arbeiten, die sich mit der Textilarbeit unter anderem in Bangladesh beschäftigt. Den Ausgangspunkt ihrer Recherchen bildet die Katastrophe von Rana Plaza 2013. Bei dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in der Nähe der Hauptstadt Dhaka kamen über 1.000 Menschen zu Tode. Europäische Modefirmen wie Mango, Kik, Primark oder Benetton ließen dort produzieren. Plötzlich standen die Produktionsbedingungen von Anziehsachen, die sich hier zu Spottpreisen in den Läden türmen, im Fokus der Öffentlichkeit. In Asches Video »Arbeiterinnen verlassen die Fabrik« sind die Arbeiterinnen in ihren landesüblichen Bekleidungen zu sehen. Eine Fotoserie zeigt sie mit den vor Ort produzierten Textilien für »den Westen«.

Weiße T-Shirts mit schwarzen Schriftzügen wie »Euphoria« oder »Empathy Ultras« zeigt Paul Zech aus der Klasse für Systemdesign von Maureen Mooren in seiner Installation »Ephemeral Union (EU 106)«, die sich mit »tragbaren Utopien und untragbarer Realität« auseinandersetzt.

Archäologien
Den Orten und Taten der Nationalsozialisten geht seit einiger Zeit der Fotograf Oscar Lebeck nach. Vor zwei Jahren gewann er mit dem Projekt bereits den zweiten Platz beim Studienpreis der HGB. Als Abschluss in der Klasse für Fotografie im Feld der zeitgenössischen Kunst zeigt er unter dem Titel »Fundament« verschwundene Orte wie eine Arrestzelle in Oranienburg, das Krematorium in Chelmno oder den Wachturm in Neuengamme. Orte, die mit einer weißen Raumkonstruktion gegen das Vergessen markiert werden.

»Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Eurasian Familiy« nennt Beatrice Schuett Moumdjian aus der Klasse für Expanded Cinema von Clemens von Wedemeyer ihre Untersuchungen zur eigenen Familie, in dem sie das Familienalbum mikroskopisch zerlegte.

Ausstellungsstück von Boa Cha Foto: Britt Schlehahn

Eine ganz andere Form der Vergangenheit zeigt Boa Cha aus der Klasse Intermedia von Alba d’Urbano. Ein riesiges Objekt aus getrockneten Pflanzen schwebt über dem Boden. Zwei Jahre sammelte und trocknete sie Pflanzen und mit ihnen ihre eigenen Erinnerungen.

Ausstellungspraxis
Für den Besuch gelten die geläufigen Hygienemaßnahmen. Am Haupteingang gilt es ein Kontaktformular auszufüllen. Zusätzlich zum traditionellen Kino im Raum 2.41 können in der Galerie mit genügend Abstand Filmprojekten geschaut werden.

Öffnungszeiten
Freitag - Samstag 14 bis 21 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr
Digitale Präsentation der Arbeiten unter http://www.hgb-leipzig.de

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