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Debatte um Wassertourismus in Leipzig

Fraktionen im Stadtrat fordern ein Konzept für den Auwald

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Auf Leipzigs Flüssen und Kanälen ist mehr los, als es manchen lieb ist. Die Stadt will ein neues Nutzungskonzept erarbeiten, doch Umweltverbände und Grüne im Stadtrat haben damit Probleme.

»Ich möchte Ihnen allen ein Kompliment aussprechen«, sagte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal während der Debatte um die Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts der Stadt Leipzig. Die Diskussion sei nicht nur fachlich gewesen, sondern habe sich auch an der Vorlage der Verwaltung orientiert. Die Stadt will das über zehn Jahre alte Konzept aktualisieren, in dem es um den Tourismus auf den Leipziger Gewässern geht. Das sei notwendig, weil sich Gesetzesgrundlagen wie das sächsische Naturschutzgesetz geändert hätten und weil inzwischen mehr Boote auf den Gewässern unterwegs seien als damals vorhergesehen.

Kein Wunder, denn wie Grünen-Stadtrat Jürgen Kasek es formulierte, »laden diese Gewässer dazu ein, dass wir eine Naherholung vor der Tür haben«. Trotzdem bereite das Thema ihm und seiner Fraktion Bauchschmerzen. Er kritisierte, dass es beim Nutzungskonzept vor allem um wirtschaftliche Aspekte gehe und zunächst ein anderes Projekt auf der Tagesordnung stehen sollte: ein Konzept für den angeschlagenen Leipziger Auwald. Kasek forderte, den Umweltverbänden zuzuhören, die beim Runden Tisch mit der Verwaltung immer wieder Probleme angesprochen hätten, bis sie ihn schließlich gesammelt verließen. Die Grünen brachten zudem zwei Änderungsanträge ein, die beispielsweise vorsahen, den Ausbau der Gewässer zu begrenzen und wenn möglich Gebiete zu renaturieren.

Dass die Probleme des Auwalds unübersehbar seien, befand Michael Neuhaus von den Linken. Wegen Trockenheit und Eschentriebsterben müsse man »eigentlich eher von einem Aua-Wald sprechen als von einem Auwald«. Dass sich die Stadt zuerst mit dem Naturschutz und dann mit dem Tourismus beschäftigen solle, sei aber Wunschdenken. Denn »das Auenentwicklungskonzept ist noch Zukunftsmusik, Paddlerinnen, die mit Monoboxen an Bord durch Schutzgebiete fahren, sind leider Realität«. Neuhaus wies darauf hin, dass der Stadtrat noch kein fertiges Konzept beschließe, sondern den Auftrag, eines zu erarbeiten. Dabei sei klar, dass das Wassertouristische Nutzungskonzept »kein Instrument für die Förderung von Wassertourismus zulasten der Umwelt werden« dürfe. Umweltverbände und die Menschen in Leipzig hätten die Möglichkeit, sich zu beteiligen, damit »das AIDA-Clubschiff niemals im Stadthafen anlegen wird, außer wenn die Bugwelle nachweislich der Auenrenaturierung dient«.

Christoph Neumann (AfD) legte den Fokus auf die Arbeitsplätze, die der Wassertourismus schaffen könne. Tourismus und Umweltschutz sollten »gleichberechtigt betrachtet werden«. Das Nutzungskonzept dürfe »nicht auf dem Rücken aller Leipziger den politischen Einzelinteressen einiger Weniger geopfert werden«. Auch CDU-Stadträtin Sabine Heymann sprach sich dafür aus, das Nutzungskonzept fortzuschreiben. Wassertourismus könne auch Umweltschutz bedeuten, denn wer beim Boot fahren ein natürliches Umfeld wolle, habe ein Interesse daran, dieses zu erhalten.

Thomas Köhler von der Freibeuter-Fraktion resümierte: Gäbe es bereits ein Konzept für den Auwald, wären die Änderungsanträge überflüssig. So wurde jedoch weiter diskutiert, inwieweit Verwaltung und Bürgermeister Rosenthal garantieren können, dass das Wassertouristische Nutzungskonzept dem Auwald nicht schaden wird. Rosenthal betonte, dass das Konzept dem Auenentwicklungskonzept nicht entgegen stehe. Michael Weickert (CDU) bat darum, die Debatte im Ausschuss zu führen, sonst müsse man sich nicht wundern, »wenn wir bald vier Ratsversammlungen im Monat brauchen«. Ein wütender Grünen-Stadtrat Norman Volger kassierte daraufhin willentlich und mit Ansage einen Ordnungsruf, weil er Weickert vorwarf, im Umweltausschuss bereits den Abbruch der Debatte beantragt zu haben. »Das gehört nicht in die öffentliche Sitzung«, mahnte OBM Jung vor der Abstimmung, in der der Stadtrat schließlich für die Fortschreibung des Nutzungskonzepts entschied. Lediglich die Grünen enthielten sich geschlossen.

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