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Wer testet, gewinnt

Das Alphaomega Labor in Leipzig-Wiederitzsch wertet bis zu 3.500 Corona-Tests pro Woche aus

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Seit Beginn der Corona-Pandemie berichten viele Medien von den Berufsgruppen und Branchen, die darunter leiden. Doch bei manchen ist das Gegenteil der Fall. Neben Verbrauchermärkten, Streaming-Anbieterinnen und Versandhändlern profitieren auch medizinische Dienstleister enorm von der Krise. Ein Beispiel.

Wenn die Hausärztin bei einem Patienten eine Probe nimmt, geht die meistens an ein Labor. Was dort abläuft, dürfte bisher die wenigsten Endverbraucherinnen im Detail interessiert haben. Die Kapazitäten der Labore reichen meistens aus, um die gleichmäßige Anfrage an Tests zu bearbeiten. Dass die Ergebnisse schon am nächsten Tag vorliegen, nehmen viele als Selbstverständlichkeit hin. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Krise im März 2020 hat sich der Markt geändert.

Labore verfünffachen ihre Taktrate

In der Wissenschaft ist unstrittig, dass eine möglichst gute Einschätzung der Fallzahlen Voraussetzung für geeignete Gegenmaßnahmen ist. In Deutschland werten laut Robert-Koch-Institut aktuell rund 200 Labore etwa 1,5 Millionen Corona-Tests aus. Die statistische Erhebung beginnt im März dieses Jahres, bis dahin waren es noch knapp 125.000 Tests pro Woche, verteilt auf 90 Labore. Die Zahl der Anbieter hat sich also seitdem mehr als verdoppelt. Das durchschnittliche Aufkommen pro Einrichtung hat sich seitdem also mehr als verfünffacht. Und da sind die medizinischen Tests, die nichts mit Corona zu tun haben, noch nicht mitgezählt.

Die Nachfrage nach Institutionen, die die enorme Nachfrage nach Corona-Tests befriedigen können, führt zu teilweise kreativen Ideen. So manch geschäftstüchtige Tierarztpraxis führt mittlerweile auch Tests durch, entnimmt also die Proben. Wenn es sich nicht um einen Schnelltest, sondern den »klassischen« PCR-Test handelt, wertet ein Labor die Probe anschließend aus.

Kapazitäten erweitert

Das Leipziger Alphaomega-Labor in Leipzig-Wiederitzsch ist eines der Labore, bei dem die Auswertung von PCR-Tests seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen größeren Stellenwert eingenommen haben. Im Bundesdurchschnitt ist es ein kleines bis mittleres Labor. Nach eigenen Angaben wertet es bis zu 3.500 Tests pro Woche aus. »Wir fühlen uns verpflichtet, den medizinischen Auftrag aufrecht zu erhalten«, sagt Henning Zaiß, Infektionsepidemiologe und einer der drei Inhaber der Firma gegenüber kreuzer. Ende Oktober sei die Einrichtung dabei bereits an ihre Grenzen gestoßen. Er habe gehört, dass es z.B. in Bayern Labore gebe, die keine Corona-Aufträge mehr annehmen könnten. »Um der enormen Nachfrage gerecht zu werden, haben wir neues Personal eingestellt und neue Geräte angeschafft«. Vor allem letzteres sei gar nicht so einfach: »Die globale Welt kämpft um Testgeräte und Testreagenzien«. Letzteres sind Stoffe, mit denen das Virus nachgewiesen werden kann. »Viele Testgeräte werden in den USA hergestellt. Die dürfen erst exportieren, wenn deren Inlands-Markt bedient ist (»America First«). Es gab Geräte, die ich gerne bestellt hätte, aber deshalb nicht bekommen habe«

Trotzdem scheint es so, als sei das Labor gut gerüstet: Die durch die zweite Infektionswelle bedingte, hohe Nachfrage bescherte dem Unternehmen zuletzt über 5.000 Tests pro Woche. Wenn eine Ärztin einen Kassenpatienten mit Symptomen testen lässt, kann ein Labor dafür pauschal 39,40 Euro in Rechnung stellen. Lukrativer ist es für das Unternehmen, wenn Patienten auf eigenen Wunsch einen Test machen lassen: Dann kostet das beim Alphaomega-Labor 60 Euro.

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