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So lange das Kapital herrscht

Zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg gibt es ein Denkzeichen für Leipzig

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Zu ihrem Ehrentag hat der Felsenkeller ein Denkzeichen für Rosa Luxemburg eingeweiht. Schließlich hielt sie dort im Jahr 1913 eine Rede zur weltpolitischen Lage. Aber auch andere Begebenheiten verbinden sie bis heute mit Leipzig.

150 Jahre ist es dieses Jahr her, da wurde Rosa Luxemburg geboren. Das nahm der Felsenkeller zum Anlass, um direkt vor dem Eingang an der Kreuzung ein neues Denkzeichen einzuweihen. »Rosa Luxemburg: Solange das Kapital herrscht, werden Rüstung und Krieg nicht aufhören.« Das Zitat stammt aus ihrer Rede »Die weltpolitische Lage«, die sie am 27. Mai 1913 im Felsenkeller hielt. In einem Brief am 28. Mai 1913 beschreibt sie Leo Jogiches den Abend so: »Gestern Abend hatte ich eine glänzende Versammlung im größten Lokal in Leipzig. Ich sprach über die Weltpolitik und züchtigte scharf die Fraktion und die gesamte herrschende Taktik. Ich bekam donnernden Beifall und eine öffentliche Danksagung.«

Leipzig spielte im Leben von Rosa Luxemburg eine bedeutende Rolle. Als sie ab 1889 in Zürich mit dem Studium begann, wohnte sie im Haus von Carl Lübeck. Er war zuvor mit seiner Familie in die Schweiz emigriert, um dem Leipziger Hochverratsprozesses vor dem hiesigen Schwurgericht im März 1872 zu entgehen. Luxemburg machte so die Bekanntschaft mit der deutschen Sozialdemokratie, ging 1897 nach Deutschland und leitete unter anderem die »Sächsische Arbeiterzeitung« mit Sitz in Dresden. Nach Konflikten trat sie zurück. August Bebel urteilte damals über sie, dass sie sich zu sehr als Frau und nicht als Parteigenossin aufgeführt habe.

Später schrieb Luxemburg für die Leipziger Volkszeitung und überlegte im August 1903 sogar, ob sie die Stelle einer Redakteurin annimmt. Ihrem damaligen Lebenspartner schrieb sie: »Was uns betrifft, so ist Leipzig für uns günstiger als Berlin!« Doch dazu kam es nicht. Im Rahmen ihrer Agitationsreise – sie nannte es »Sachsengängerei« – zur Reichstagswahl im Januar 1912 weilte sie in Leipzig im Hotel Sedan, das sich an der Westseite des Hauptbahnhofs befand. Besondere Loblieder über die Stadt stammen nicht aus ihrer Feder: »Hier in Leipzig gehe ich herum und fühle mich wie immer auf Agitation in den fremden Orten – wie ein herrenloser Hund. Alles fremd, kalt, ungemütlich, lästige Menschen, kein eigenes Zimmer, scheußlich. Ich suche mich aber doch innerlich von alledem zu befreien und abzuschließen.«

Einweihung des Denkzeichens von Rosa Luxemburg am Felsenkeller, Foto: Britt Schlehahn

Nach der Leipziger Rede zur Sinnlosigkeit von Kriegen im Hinblick auf dem Balkankrieg von 1913 und ihrer bereits um 1900 klar formulierten Haltung, dass »Nationalismus als Ausflucht des Bürgertums« nur existiere, erneuert sie im September 1913 in einer Rede in Frankfurt auf einer Antikriegsdemonstration den Aufruf zur Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung: »Nein, das tun wir nicht!« 1914 muss sie dafür ein Jahr ins Gefängnis, da die Rede als Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit verstanden wurde.

Ab heute bildet das Denkzeichen vor dem Felsenkeller, gestaltet vom Grafiker Harald Alff und dem Bildhauermeister Bodo Grimmer, eine Allianz mit dem gegenüber liegenden Erinnerungsort an die letzten Toten im April 1945. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke ließ sich zur Eröffnung von Rosa Luxemburg inspirieren: »Mein zuversichtlicher Blick in die Zukunft ist dabei von Rosa Luxemburg inspiriert. Ihr Wesen war heiter und geduldig. Ihre Haltung in den richtigen Momenten entschieden und eindeutig. Wichtig war ihr, das Leben nicht nur schön und sinnlich zu gestalten, sondern es wirksam und sinnvoll werden zu lassen.« Wege zu dieser Wirksamkeit liegen in ihren Texten, die es im 21. Jahrhundert neu zu entdecken gilt.

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