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Alle Vögel sind nicht da

Wie es um den Vogelschutz in Leipzig steht

  Alle Vögel sind nicht da | Wie es um den Vogelschutz in Leipzig steht

Na, wo isser, der Mauersegler? Pünktlich im April ist er doch sonst immer am Start in der Mauerritze des Nachbarhauses. Dieses Jahr scheint er gar nicht kommen zu wollen … Warum? Wie geht es eigentlich den anderen Stadtvögeln in Leipzig? Und was können wir für sie tun? Einblicke aus der Vogelperspektive. Der Text aus der aktuellen April-Ausgabe des kreuzer.

Als die ersten Ausläufer Leipzigs vor ihm auftauchen, sind sie in bläulichen Morgendunst gehüllt. Der Name der Stadt sagt ihm nichts und doch steuert der Mauersegler sie zielsicher an. Seine sichelförmigen Flügel lassen ihn elegant über Dächer und Straßenzüge gleiten. Eine lange Reise liegt hinter ihm – die Wintermonate hat er mit seinen Artgenossen in Südafrika verbracht, bis ein mächtiger Impuls ihn wieder zurückkehren ließ. Wie jedes Jahr zur gleichen Zeit. Er kann bis zu zehn Monate lang fliegen, ohne ein einziges Mal zu landen, denn er vollbringt alles, während er fliegt: nach Insekten haschen, im Tiefflug über Seen zischen und trinken, sogar schlafen und sich paaren. Früher dachten die Menschen, Vögel wie er hätten gar keine Füße. Doch einmal im Jahr muss er landen. Für die Brut. Er steuert exakt denselben Ort an wie in den Jahren zuvor: eine Mauerspalte im Dach eines Altbaus in der August-
Bebel-Straße. Sein Dasein kreist um diesen kleinen Punkt, denn hier wird er seinen Nachwuchs großziehen. Doch als er das Gebäude erreicht, gibt es keine Mauerspalte mehr – stattdessen leuchtet dort frischer Putz so strahlend weiß wie das Gefieder an seiner Kehle. Mit einem halsbrecherischen Manöver dreht der Mauersegler ab. In seinem Kopf lärmt die Verwirrung.

So wie dem Mauersegler in unserer Geschichte geht es vielen seiner Artgenossen und auch anderen Gebäudebrütern, die in großen deutschen Städten wie Leipzig nisten. Die schmalen Nischen in Dächern und Mauerwerk, in denen sie jahrelang ihre Nester bauen, verschwinden mehr und mehr, weil der Mensch Fassaden erneuert und sie meist komplett versiegelt. »Es wird natürlich gebaut oder saniert, weil der Mensch das braucht, nicht, damit die Vögel eine Lebensgrundlage haben. Und nicht alle Bauherren denken Lebensräume für Vögel und Insekten mit«, sagt Jeremias Kempt vom Leipziger Umweltschutzverein Ökolöwe. Auch seine Kollegin Christiane Heinichen stellt fest, dass das Potenzial für Artenschutz und Biodiversität in Leipzig oft nicht genutzt wird. »Es könnte viel selbstverständlicher und wie nebenbei passieren, wenn Artenvielfalt und Lebensräume von Anfang an mitgedacht werden: in Parks, beim Straßenbegleitgrün, bei Hausneubauten und bei Sanierungen.«

Stadt als Lebensraum

Dabei sind menschliche Siedlungen nicht per se schlecht, ganz im Gegenteil. »Tiere, die Felsen bewohnen, finden auch Häuser attraktiv«, sagt Reinhard Klenke. Der Biologe forscht unter anderem zu Populationen und Verhalten von Vögeln, war am Leipziger Helmholtzzentrum für Umweltforschung, ist jetzt an der Universität Halle-Wittenberg und am Idiv tätig, dem Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig. Die eigentlich im Naturgestein lebende Felsentaube etwa findet als Stadttaube an Gebäuden Nischen und Höhlen zum Brüten. Hausrotschwänze 
und Mauersegler nisten unter Dächern, Dohlen in Schornsteinen, und der eigentlich extrem seltene Wanderfalke ist schon mal in Leipzig statt in der Sächsischen Schweiz zu sehen. »Das sind Arten, die sich in der Natur auf bestimmte Nischen spezialisiert haben und in und an unseren Häusern relativ analoge Bedingungen vorfinden«, sagt Klenke.

Neubauten statt Naturschutz

Sogenannte Brachflächen werden über die Jahre oft zu kleinen Naturparadiesen. Meist sehen sie zwar etwas wild und zerrupft aus, aber genau so haben es Vögel wie Amsel, Nachtigall und Haussperling gern. Nachtigall-Männchen haben sich in Leipzig inzwischen sogar Lebensräume erschlossen, die für andere Vögel zu laut und daher unbewohnbar sind: Bahndämme. Wo regelmäßig Züge vorbeirattern, können nur sie sich mit ihrem extrem lauten Gesang behaupten. Und auch Amsel-Männchen singen in der Stadt messbar lauter und höher als in ländlichen Gegenden, um den Verkehrslärm übertönen und von Weibchen gehört werden zu können. Dass etwa im Auwald Bedingungen wie in der freien Natur möglich sind, zeigt sich beim Einsetzen des Gesangs am Morgen. Reinhard Klenke und Kolleginnen konnten messen, dass die Amsel im Auwald 55 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt: »Das ist außerhalb der Stadt auch so.« Im Stadtzentrum können es dagegen schon mal fünf Stunden sein. Der Grund dafür ist das Mehr an Licht, das die Tiere eher aufwachen lässt. Wer länger wach ist, kann mehr singen und fressen als die Konkurrenz, hat aber auch mehr Stress. Anstrengung bedeutet es ebenfalls, wenn die Vögel mit lauterer und höherer Stimme versuchen, den Lärm auszugleichen. »Den größeren Stress konnten wir hormonell nachweisen«, so Biologe Klenke.

Doch zurück zu den eigentlich gar nicht nutzlosen Brachflächen: Obwohl sie oft eine erstaunliche Artenvielfalt bieten, ist das häufig kein Argument, um eine anstehende Bebauung abzuwenden oder an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen, wie auch Jeremias Kempt von den Ökolöwen feststellt: »Wenn eine Brache schon einmal bebaut war, muss sie nicht neu ausgewiesen werden. Der Bauherr hat also nicht die Pflicht, feststellen zu lassen, wer dort lebt und ob er eventuell Ausgleich schaffen muss.« Ausgleich ist das Stichwort, das derzeit viele Leipziger Naturschützerinnen umtreibt, wenn es um den Wilhelm-Leuschner-Platz geht. Dort wurden Anfang Januar nicht nur 13 Bäume gefällt, sondern auch große, zusammenhängende Strauchgruppen (s. Seite 29). Karsten Peterlein stuft diese Eingriffe als massiven Lebensraumverlust für die 17 Vogelarten ein, die auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz brüten – oder gebrütet haben. »Wichtig wäre eigentlich, Ausgleichspflanzungen vorzunehmen. Wenn in Leipzig mal was Frisches gepflanzt wird, was ja hier und da passiert, dann ist das kein funktioneller Lebensraum. Da werden einzelne Sträucher oder junge Bäume gepflanzt, aber eben nie in einer Dichte, dass sich ein ausreichend großer Lebensraum für Vögel ergibt. So finden sie auch keine Nistplätze, die Schutz vor Feinden wie Marder oder Katze bieten.« Wenn Anwohner dem NABU melden, dass sie bestimmte Vögel in ihrer Wohnumgebung vermissen, die vorher sehr regelmäßig zu sehen und zu hören waren, fährt Karsten Peterlein manchmal zu den beschriebenen Stellen, um sich selbst ein Bild zu machen. »Da stelle ich dann meist fest, dass man dort bei Google Earth noch Bäume und Sträucher sieht, die in der Realität längst weg sind. Und da wird nicht nachgepflanzt, obwohl es möglich wäre.« Für ihn ist das größte Problem, dass der Naturschutz beim Abwägen der Interessen in einer Großstadt häufig hinten runterfällt. »Es muss gebaut werden, wir brauchen Wohnungen, Kitas, Schulen – aber wo bleibt der gleichzeitige Schutz der Natur?«

Oft ist in diesem Zusammenhang von doppelter Innenentwicklung die Rede. Bei diesem Prinzip geht es darum, für Neubauten eher schon erschlossene Flächen innerhalb der Stadt zu nutzen, anstatt sie nach außen hin weiter zu vergrößern. Gleichzeitig müssen urbane Grünflächen erhalten und weiterentwickelt werden. Dieser zweite Punkt wird allerdings vernachlässigt. Großflächige Neubauten und Flächenversiegelung bestimmen das Bild, von Maßnahmen wie Fassaden- und Dachbegrünung wird zwar viel gesprochen, doch es mangelt oft an der Umsetzung. Auch mit Blick auf die klimawandelbedingte Erderwärmung hat diese Herangehensweise eigentlich wenig Zukunft, wenn die Stadt sich nicht in einen baulich stark verdichteten Backofen verwandeln soll, der die Bewohner massenhaft in die kleiner werdenden und ebenfalls von Dürre gebeutelten Grünflächen treibt. Straßenbäume und -sträucher bilden nicht nur einen Lebensraum für Vögel und andere Tiere, sie bieten auch menschlichen Bewohnern Schatten, Abkühlung, Luftfeuchtigkeit, mehr Ruhe und frische Luft: »Wenn Wohnen, Grün und Gewässer funktional miteinander vernetzt sind, ist das positiv für das Stadtklima, und das kommt Mensch wie Vogel gleichermaßen zugute«, sagt Biologe Reinhard Klenke. »Mit recht wenig Aufwand ließe sich mehr Grün in die Stadt bringen. Damit ist aber nicht der einzelne Baum auf der großen Betonfläche gemeint und auch nicht die Rabatte mit ständig wechselnder Bepflanzung.«

Größter Fehler: Aufräumen

Nach der Lage der Vögel in Leipzig gefragt, beginnt Falk Rößger mit der Feststellung: »Momentan ist die Situation ziemlich angespannt.« Rößger ist erster Vorsitzender des Ornithologischen Vereins in Leipzig. Der Verein führt Exkursionen durch und beteiligt sich an Vogelkartierungen, die Mitglieder sind in ihren speziellen Interessengebieten zu populärwissenschaftlichen Experten geworden. Manche betätigen sich außerdem in der Biotoppflege, hängen Nistkästen auf oder sie kennen ein bestimmtes Areal dank jahre- oder jahrzehntelangen Beobachtungen genau. Rößger zählt auf, was »die Situation« bedeutet: Die Wälder und die Feuchtgebiete sind trocken, in den Städten wird es immer wärmer und das Grün weniger, der Nahrungsmangel durch den Rückgang an Insekten macht sich auch in den ländlichen Ecken um die Stadt bemerkbar: »Es gibt Berichte von Massen an Vögeln gerade im Winter vor 60 oder 70 Jahren. Heute ist man froh, wenn man mal 50 Goldammern oder zwei oder drei Grauammern sieht.«In Sachsen gibt es immerhin Lichtblicke: Das »Baum-ab-Gesetz«, das bestimmte Bäume aus den kommunalen Baumschutzsatzungen ausklammerte, wurde vor Kurzem gekippt und der noch zu beschließende Leipziger Doppelhaushalt beinhaltet ein Budget für neue Straßenbäume. (kreuzer 03/21) Wie schnell und wirksam der verstärkte Baumschutz in Leipzig spürbar wird, bleibt abzuwarten. Was können also die einzelnen Naturfreunde und Vogelbeobachterinnen tun, während die Mühlen der Bürokratie langsam, aber möglicherweise vielversprechend mahlen? Wie Christiane Heinichen vom Ökolöwen weiß, lässt sich die Lage für die gefiederten Mitbürger schon durch Nichtstun verbessern: »Zum Beispiel Laub liegen lassen, statt es von Hof und Garten zu entfernen, Blüten und Früchte nach der Saison und auch über den Winter stehen lassen. Eine andere Möglichkeit ist, den Vermieter nach Begrünung am Haus zu fragen – die ist relativ schnell bewerkstelligt und dient auch Insekten.« Schließlich ernährt sich ein Großteil der Park- und Gartenvögel von Insekten und ist besonders bei der Jungenaufzucht auf diese energiereiche Nahrung angewiesen. Auch Falk Rößger vom Ornithologischen Verein plädiert für weniger Ordnung: »Man müsste viel weniger mähen, mulchen und Gräben ausräumen, denn dadurch gehen die Bestände von Pflanzen und Insekten zurück.«

[caption id="attachment_123616" align="alignright" width="320"] Illustrationen: Andrea Rausch[/caption]

Wer einen Kleingarten sein Eigen nennt, hat natürlich gleich ein ordentliches Fleckchen Erde zur Verfügung, um einen reizvollen Lebensraum für Vögel und andere Tiere zu gestalten. 278 Kleingartenanlagen mit über 39.000 Parzellen gibt es in Leipzig, das Ganze auf einer Fläche von circa 1.240 Hektar. In Gartenanlagen finden Vögel oft einen Mix aus verschiedensten Lebensräumen vor: Alte Bäume treffen auf Gehölze, Wiesen, verschiedenste Pflanzen und kleine Gewässer. So ist es auch zu erklären, dass Kleingärten eine hohe Artenvielfalt aufweisen und manche Vögel, die früher als typische Waldbewohner bekannt waren, heute in den Gärten häufiger sind, da sie dort mehr Nahrung vorfinden als in penibel aufgeräumten Wirtschaftswäldern. Aufräumen ist auch der größte Fehler, den man in einem vogelfreundlichen Garten begehen kann. Perfekt getrimmter Rasen, kugelförmig gestutzte Hecken und minimalistisch bepflanzte Steingärten schlagen Vögel genauso in die Flucht wie exotische, oft auf Unfruchtbarkeit gezüchtete Pflanzen. Die Lorbeerkirsche ist ein prominentes Beispiel: Sie ist giftig, bietet keinerlei Nahrung für Vögel und verdrängt zudem heimische Pflanzen. Auch eingewanderte Säugetiere können in Bestände eingreifen, nicht zuletzt Kleingärtnerinnen werden den Waschbären kennen. Der ist Allesfresser und ein Nahrungskonkurrent für Reiher, Rohrweihen oder Störche. Außerdem kann er klettern und schwimmen und Vögel beziehungsweise Vogelbruten stören: Aus Beobachtungsreihen weiß Falk Rößger, dass Neozoen wie der Waschbär Vogelnester ausräumen, so dass erst gar kein Nachwuchs groß wird. Rößger: »Es gibt einige engagierte Leute in vielen Bereichen. Aber es muss vor allem von der Politik aus was passieren.«

Vögel machen glücklich

Manche Bürger werden solche Ansätze vielleicht als unnötigen Schnickschnack abtun und auf ihren ordentlich betonierten – ergo pflegeleichten – Innenhof oder Vorgarten bestehen. Und überhaupt: Was sollen die Tiere eigentlich in der Stadt? Haben die nicht ihre natürlichen, eigenen Lebensräume in Feld und Wald? Ist die Stadt nicht in erster Linie für den Menschen und seine Bedürfnisse da? Und machen Vögel nicht eher Schlagzeilen der negativen Art? »Die Tauben, der Kot und die bekleckerte Bahnhofskunst« (LIZ) heißt es da, »Gefährliche Vogelangriffe – Warnung an Jogger und Spaziergänger« (LVZ) oder »Russen-Krähen kacken unsere Autos zu« (Bild). Diese Sicht missachtet einen positiven Aspekt der Vogelvielfalt speziell und Biodiversität im allgemeinen. Denn die Welt der Stadtvögel hat eine wohltuende Wirkung auf die der Menschen. Das ist wissenschaftlich gesichert.Der Mauersegler erspäht in der Ferne ein paar Artgenossen, die einander spielerisch jagen. Er steigert seine Geschwindigkeit, um sich ihnen anzuschließen. Wie die anderen kippt er seinen Körper um die eigene Längs-
achse, schlägt Haken in der Luft, zieht seine Flügel an, um noch schneller zu werden. 150 Kilometer pro Stunde hat er jetzt drauf. Aus dem Augenwinkel sieht er Menschen, die auf der Straße stehenbleiben und auf ihn zeigen. Manchen steht der Mund offen.

»Das Sehen und Hören von Vögeln ist ein direkter positiver Einfluss auf den Menschen«, sagt Joel Methorst, der am Kooperationsprojekt vom Frankfurter Senckenberg-Forschungszentrum, des Idiv und der Universität Kiel beteiligt ist. »Wir haben zufriedenere Menschen oft im Umfeld von Vogelarten gefunden.« Für 26 europäische Länder werteten die Wissenschaftler Umfragedaten zum möglichen Zusammenhang von Artenvielfalt und Lebenszufriedenheit aus. »Die glücklichsten Europäer sind unseren Ergebnissen zufolge diejenigen, die in ihrem tagtäglichen Leben viele verschiedene Vogelarten erleben können oder die in einer naturnahen Umgebung leben, in der viele Arten beheimatet sind.« Die Gründe können mehrere sein, vermutet der Wissenschaftler. Übt das Eingebundensein in die Natur generell einen positiven Effekt aus, dann sind Vögel in der Stadt ein Teil davon, den man ohne große Barriere im Alltag wahrnimmt. Mit Vögeln kann man auf einfache Weise interagieren, etwa indem man mit ihnen pfeift oder sie füttert. Und dieses Gesamterlebnis empfindet man dann als wohltuend. »Das ist ja meist eine unbewusste Wahrnehmung.«Über den Einfluss einzelner Vogelarten kann Methorst nichts sagen. Freche Möwen, stiebitzende Spatzen und kackende Tauben können natürlich als Einzelarten auch negative Gefühle auslösen. »Aber insgesamt ist die Ökosystemdienstleistung die Förderung der mentalen Gesundheit.« Anders ausgedrückt: Die Vogelwelt steigert das Wohlbefinden.

Das hat man auch an einem praktischen Beispiel in Bayern erlebt, wo der Landesbund für Vogelschutz ein wissenschaftlich begleitetes Projekt in 76 Pflegeeinrichtungen durchführte. Dort wurden Vogelstationen eingerichtet und die Senioren zum aktiven Füttern, Beobachten und Artbestimmen animiert. »Unsere Daten zeigen, dass durch die 
Vogelbeobachtung besonders die kognitiven Ressourcen, die Mobilität und das soziale Wohlbefinden der Seniorinnen und Senioren gefördert werden«, so die beteiligte Psychologin Elisabeth Kals. Es wurde also auch hier ein Zusammenhang zwischen Wohlbefinden, mentaler Gesundheit und Naturerfahrung festgestellt.

Dabei spielt auch die Artenvielfalt eine besondere Rolle, wie Joel Methorst weiß. Interessanterweise hat die Diversität eine ebenso wichtige Rolle inne wie das Einkommen, stellten die Forscher fest. »14 Vogelarten mehr im Umfeld machen mindestens genauso zufrieden wie 124 Euro monatlich mehr auf dem Haushaltskonto, wenn man von einem durchschnittlichen Einkommen in Europa von 1.237 Euro pro Monat ausgeht.« Nimmt die Vielfalt hingegen ab, können sich negative Folgen einstellen, so Methorst. »Es besteht die Gefahr, dass auch die Lebenszufriedenheit der Menschen bei einer verarmten Natur leidet. Naturschutz sichert deshalb nicht nur unsere materielle Lebensgrundlage, sondern ist auch eine Investition in unser aller Wohlbefinden.« Hans im Glück tat demnach gut daran, seinen Goldklumpen einzutauschen, hätte aber besser bei der Gans mit dem Tauschen aufgehört.Vögel machen uns also glücklich und lassen uns zudem mitten in der Stadt am Wirken der Natur teilhaben. Und sie zeigen uns durch ihre An- oder Abwesenheit, ob unsere Welt eigentlich noch in Ordnung ist.

Vogelbeobachtung in Leipzig – Tipps für Einsteigerinnen

Wohin?
Parks, Friedhöfe (speziell der Südfriedhof), Gartenanlagen

Womit?Hilfreich ist ein Fernglas mit etwa 8-facher Vergrößerung.
Auch gut: ein Buch oder eine App zur Bestimmung der Arten.

Was nicht?In der Brutzeit besonders großen Abstand halten, Nester und
Eier nicht berühren. Scheinbar hilflose Jungtiere nicht gleich 
mitnehmen, sondern zuerst abwarten, ob sich fütternde
Altvögel zeigen.


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