Startseite / kreuzer plus | Stadtleben / Über den Tellerrand

Über den Tellerrand

Leipzigs Wirte geben Einblick in die Lage nach Beginn der Pandemie

Größeres Bild

»Homedrinking is killing Gastwirt«. Der bekannte Slogan der Vodkaria in der Gottschedstraße schaffte es zwischenzeitlich auf T-Shirts. Nun gab es seit März 2020 mehrere Zeiträume, in denen Homedrinking ohne Alternative war. Teilweise waren nicht einmal das Corner-Bier oder die Flasche Wein bei Freunden in der Küche erlaubt. Nach zwei Lockdowns, zwei Sommern und ungefähr dreieinhalb Wellen sind Leipzigs Gastwirte keineswegs gekillt. Aber ihre Lage ist definitiv anders als vor der Pandemie. Die Titelgeschichte aus der September-Ausgabe des kreuzer 09/21.

Als im März 2020 der erste Lockdown begann, bedeutete dies für einige Bereiche des Lebens den plötzlichen Stillstand. Auch Restaurants und Cafés, Imbisse und Bars mussten schließen, um die erste Welle abzubremsen. Bund, Länder und Kommunen legten Unterstützungen auf. Soforthilfen und Kredite sollten helfen, die Liquidität zu erhalten, die Insolvenz-Anzeigepflicht wurde ausgesetzt, Kurzarbeit sollte Arbeitslosigkeit verhindern. In Crowdfunding-Kampagnen spendeten die Leute für Veranstaltungshäuser, Künstlerinnen und ihre Lieblingsrestaurants.

Das Dr. Hops führte die Sache mit der Liquidität auf eine konzeptionell andere Ebene. Die Craftbeer-Bar in Connewitz hat ihre Nische bei Bierspezialitäten gefunden. Im ersten Lockdown wurde sie zum gut frequentierten Getränkehandel: »Es war spürbar, dass die Leute zu Hause etwas Besonderes trinken und außerdem die Bar unterstützen wollten«, sagt Franz Uhlig, der das Dr. Hops zusammen mit Stine Täubert seit knapp fünf Jahren betreibt. Ebenfalls spürbar: Die Kundschaft kaufte nicht einfach nur Bier, sondern kam auch wegen des Austauschs. Jeder Einkauf verband sich mit einem langen Gespräch. »Homedrinking« hält Gastwirt beschäftigt. Bald begannen die Online-Tastings: Dafür kauften sich Interessierte im Vorfeld sechs ausgewählte Biere im Dr. Hops. Mit diesen wohnten sie der Verkostung bei, die live aus der Bar an die Endgeräte gesendet wurde.

Neue Konzepte, Take-away

Im späten Frühjahr entspannten sich die Infektionszahlen, die Außengastronomie öffnete wieder. Für viele gastronomische Betriebe in Leipzig begann ein fetter Sommer, der eigentlich erst Anfang November endete. Da kam mit der zweiten Welle der Wellenbrecher-Lockdown, aus dem – jedenfalls für die Gastronomie – eine scheibchenweise verlängerte Schließung von mindestens sieben Monaten werden sollte.

Take-away und Lieferdienste boomten: Nicht nur Spätis und Imbisse verkauften außer Haus. Das Fela in der Südvorstadt, der Waldfrieden in Connewitz oder das De la Noix – Restaurant im Germanus in Gohlis boten echte Gerichte oder Menüs zum Mitnehmen, das Renkli im Zentrum-Süd lieferte Pizza mit Weinbegleitung aus, das Imperii im Brühl füllte Cocktails in schicke Flaschen ab. Das Barcelona in der Gottschedstraße stellte sich eine Hütte in den Gastraum und verkaufte dort Getränke und was die Küche eingekocht hatte. Eingekochtes gab es auch in der Patisserie des Ma…

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare