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28. Januar: Und immer wieder Olympia

Die SPD will den Breitensport fördern

  28. Januar: Und immer wieder Olympia | Die SPD will den Breitensport fördern  Foto: Stefan Ibrahim


Sport ist nicht unbedingt die erste Assoziation, die man mit Leipzig verbindet, dennoch eine plausibel. Für Leipzig und Olympia sieht das schon anders aus – zumindest der Stadtrat zeigt sich bei dieser Kombination skeptisch. Denn als Stadträtin Christina März (SPD) am 28. Januar ans Rednerpult tritt, um den Antrag »Wer Olympia will, der muss Breitensportevents besser unterstützen« vorzustellen, wird prompt eine Diskussion über das olympische Komitee und Menschenrechte losgetreten.

Dabei wollte März das doch gar nicht. Eigentlich soll es um bürokratische Hürden und Kosten gehen, die dazu führen, dass Breitensportevents in Leipzig gerade nicht ihr volles Potential ausschöpfen. Um ihre Attraktivität zu steigern, fordert die SPD nun eine Evaluation der Sportevents in der Stadt. Sie seien nämlich ein Aushängeschild für Leipzig. März plädiert für die Veranstaltungen als Orte der Begegnung – nicht nur für die Sportelnden selbst, auch für die Zuschauenden. Darum sollen Aspekte der Ausführung von Breitensportevents, wie der Genehmigungsprozess, die Attraktivität der Streckenführung, die Entwicklung der Anzahl der Teilnehmenden oder das generelle Potenzial der Events genauer unter die Lupe genommen werden.

Der Stadtrat wirkt desinteressiert. Das Stimmengewirr aus dem Plenum wird lauter. Deshalb ist wohl vor allem eines hängegengeblieben: das Stichwort »Olympia«. Und dass, obwohl März bevor sie vom Pult wegtritt, noch einmal auf die Wortwahl im Antragstitel aufmerksam macht und diese als »rhetorische Zuspitzung« deklariert; man solle sich daran nicht aufhängen.

Sven Morlok (Freie Fraktion) scheint das nicht zu interessieren. Er übergeht erstmal den eigentlichen Inhalt des Antrags: »Wenn wir alle Olympia wollen würden, dann wäre das sicherlich auch kein Problem«. Er stellt klar, dass er von den Institutionen um Olympia nichts halte, die sich von Unterstützern des Amateursports zu einem mächtigen Wirtschaftsunternehmen gewandelt hätten. Sowieso sei der ehemalige deutsche Präsident des IOC »Diktatoren in den Arsch gekrochen« und die Kooperation mit dem IOC wegen deren Umgang mit Meinungsfreiheit und Menschenrechten ein Problem. Gegen Ende schwenkt er doch noch zum eigentlichen Antragsthema um, allerdings des Leistungssports wegen: Gäbe es keinen Breitensport, so könne sich niemand zum Leistungssportler entwickeln. Die Freie Fraktion fordert deshalb – erfolglos – das Wort »Olympia« im Antragstitel durch »Leistungssport« zu ersetzen.

»Auch ältere Menschen, so wie ich, [müssen] Sport treiben«, startet Michael Weickert (CDU), der noch gar nicht so alt aussieht, seine Rede. Damit widerspricht er Morloks Argumentation, dass vor allem jungen Leuten eine Unterstützung des Breitensports zugutekommen würde. Anschießend schießt auch er sich auf die Debatte um den »Olympia« Begriff ein. Er kritisiert die Verrohung der Sprache und verbittet sich, das olympische Komitee als Verbrecher darzustellen: »Die Liste derer, die nach Ihrer Maßgabe ›Diktatoren in den Arsch gekrochen‹ wären, die kann man durch das gesamte politische Spektrum von Menschen in Regierungsverantwortung langziehen«, ruft er Morlok zurecht. Olympia sei immer noch die höchste Auszeichnung für Sportler und sinngemäß deshalb nicht durch den Dreck zu ziehen.

März freut sich über den gemeinsamen Willen den Breitensport zu unterstützen, freut sich darüber, dass ihr einziges Problem wohl die Überschrift des Antrags und der Begriff »Olympia« zu sein scheinen. Der Antrag wird mit 41 zu 14 Stimmen und 9 Enthaltungen beschlossen.


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