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Stadtleben

Die Verleugneten

Eine Ausstellung zu bisher vergessenen Opfern des Nationalsozialismus

  Die Verleugneten | Eine Ausstellung zu bisher vergessenen Opfern des Nationalsozialismus  Foto: Britt Schlehahn


Ein junger Mann im Seitenprofil dargestellt, die Haare nach hinten gekämmt, dunkles Jackett, blaue Fliege. Oben rechts auf dem Blatt findet sich die Aufschrift »Rudi Zerbst – Zeichner -« mit der Adresse in Lindenau, Hahnemannstraße 22. Schwungvoll signierte der Künstler sein Blatt. Eine Kopie hängt in der Ausstellung »Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute«, die bis zum 30. März im Neuen Rathaus zu sehen ist.

Sie erzählt anhand einzelner Biografien in fünf Kapiteln den Umgang mit Menschen, die von Ämtern als »Asoziale« oder »Berufsverbrecher« jenseits der Norm klassifiziert wurden. Diese Menschen wurden im Nationalsozialismus aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Folgen dieser Stigmatisierung und die Diskriminierung reicht bis in die Gegenwart. 2020 erst beschließt der Bundestag die Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus

Neben dem Selbstporträt von Rudi Zerbst sind hier ein. Reihe von Akten der Leipziger Polizei zu sehen, die mehr Informationen bereitstellen: Geboren 1907, sein Vater Paul Zerbst ist Holzbildhauer, wächst Rudi in Lindenau auf, geht auf Reisen durch Europa, kommt 1930 aus Barcelona zurück, lebt von städtischer Unterstützung, hat ein Herzleiden und ist nur begrenzt auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar, er geht in Kneipen und zeichnet die Menschen. Einen Gewerbeschein erhält er dafür nicht, ist aber Mitglied in der Reichskammer bildende Künste. 1935 heiratet er Elsa und sie bekommen zwei Kinder – Andreas und Monika. Die Familie wohnt im Seeburgviertel zur Untermiete, lebt von Unterstützung. Die hier ausgestellte Polizeiakte zeigt ein Porträtfoto von Rudi Zerbst, als er am 8. April 1940 in Beugehaft kommt. Zusätzliche Blätter erzählen von dem weiteren Weg, der ihn am 25. April 1940 in das KZ Sachsenhausen, danach in das KZ Dachau und ab Juli 1941 in das KZ Buchenwald führt, wo er am 17. September 1941 in der Arrestzelle stirbt. Heute erinnert ein Stolperstein in der Nürnberger Straße Ecke An der Verfassungseiche an ihn.

Die 2024 als Wanderausstellung von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der KZ Gedenkstätte Flossenbürg organisierte Präsentation zeigt neben Biografien, Selbstzeugnissen, Fotografien auch Interviews mit Zeitzeuginnen und -zeugen sowie Angehörigen und erklärt die Machtmechanismen hinter den Zeugnissen und den einzelnen Biografien, die für zehntausende Ungenannte stehen. Innerhalb des Rahmenprogramms finden Führungen und Gespräche statt. Auch das Gelände der ehemaligen Städtischen Arbeitsanstalt in der Riebeckstraße 63 kann am 15. März um 11 Uhr im Rahmen einer Führung besichtigt werden.


› »Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 - heute«: bis zum 30.3. Neues Rathaus, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr, nächste kuratorische Führung: 12.2., 16 Uhr

www.die-verleugneten.de


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