anzeige
anzeige
Kultur

Female Voices

Die Kinostarts der Woche

  Female Voices | Die Kinostarts der Woche  Foto: Filmstill »Father Mother Sister Brother«/ Weltkino Filmverleih


Mit drei Hauptpreisen beim Filmfestival in Cannes, zwei Oscar-Nominierungen und vielen weiteren Preisen, ist Atom Egoyan international gefeiert worden. Die Schaubühne Lindenfels widmet dem kanadisch-armenischen Regisseur nun eine Retrospektive. Neben frühen Arbeiten ist auch sein Meisterwerk »Ararat« über die Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern zu sehen. Ergänzend gibt es mit der Reihe »Female Voices« eine Auswahl von weiblichen Stimmen des aktuellen armenischen Kinos, die im April fortgesetzt wird.

»Retrospektive Atom Egoyan & Female Voices«: ab 1.3.

Film der Woche: Jim Jarmusch hat im Kino längst seine eigene Nische. Die Hauptzutaten seiner Filme: entspanntes Tempo, lässige Protagonisten, wortkarge Dialoge und ein unaufdringlicher, gleichzeitig formbewusster Regiestil. Dazu Einflüsse, die von amerikanischem Hip-Hop bis zu europäischem Autoren-Kino reichen. Sein neustes Werk, in Venedig mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet, widmet sich dem Thema Familie. Genauer den Beziehungen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern. Erzählt wird episodisch, zwischen New Jersey, Dublin und Paris. In den Hauptrollen altbekannte Jarmusch-Gesichter wie Cate Blanchett oder Adam Driver, neben neuen wie Vicky Krieps, die sich mühelos in ihre Rolle einer flatterhaften Influencer-Tochter fügt.
Kunstvoll verwebt der Film seine Geschichten. Auch das so ein Jarmusch-Kennzeichen, der hier lustvoll aus seinem eigenen Kanon zitiert: Die Begegnungen in »Coffee and Cigarettes«. Lange Autofahrten. Der Kleinkriminelle Tom Waits aus »Down by Law«, diesmal ein unehrlicher Vater.
Melancholisch geht es zu zwischen den Familienmitgliedern. An den Esstischen wechselt sich Schweigen ab mit hilflosen Bemerkungen. Lustig wird es in den Missverständnissen. Manchmal auch philosophisch. Darunter läuft leise der von Jarmusch eingespielte Soundtrack. Nach dem eher durchwachsenen »The Dead Don’t Die« kehrt er mit »Father Mother Sister Brother« zu alter Form zurück. Ein zärtliches Spätwerk. JOSEF BRAUN

»Father Mother Sister Brother«: ab 26.2., Passage-Kinos, Schauburg


Am Anfang steht ein Ende: Im Arsenal schließt der letzte Vorhang. Peter Bogdanovichs »Die letzte Vorstellung« markiert das Ende einer Ära. Vor 50 Jahren hatte Stefan Paul das Kino in Tübingen eröffnet. Damals war das Konzept eines Programmkinos völlig neu. Das Kino mit Kneipe zählte zu den ersten, das Undergroundfilme abseits des Mainstreams zeigte. Eine Idee, die sich wie ein Feuer verbreitete. Überall im Westen Deutschlands besetzten Studenten leerstehende Immobilien. In Hamburg öffnete das Abaton in einer alten Garage. Die »Arbeitsgemeinschaft Kino« wurde gegründet. Paul rief den Arsenal Filmverleih ins Leben, holte die Werke von Andy Warhol und John Waters nach Deutschland.
Die Geschichte der Programmkinos und der Verleiharbeit ist fest verschränkt. In dem Dokumentarfilm, den Goggo Gensch zum Jubiläum und gleichzeitigen Ende des Arsenal – zumindest am alten Standort – drehte, sorgt das mitunter für radikale Orts- und Themenwechsel. »Kinoleben – Über das Arsenal in Tübingen und weitere Programmkinos« versucht, wie der Titel schon andeutet, Pauls Leben, die Geschichte des Arsenal und die der Programmkinos unter einen filmischen Hut zu bringen. Der Szenenwechsel ist ebenso sprunghaft wie sein Protagonist. War man eben noch in Hof beim Filmfestival, auf dem Fußballplatz und im Kino mit »Schleimkeim«, ist man im nächsten Moment bei John Waters in Los Angeles und anschließend in Leipzig, wo Paul gemeinsam mit Petra Klemann nach der Wende das Programmkino im Grassimuseum aufbaute. Hin und wieder hätte man gern mehr über die Kinoarbeit der Überzeugungstäter an vielen Orten in der Republik erfahren. Die kommunalen Kinos oder die Kulturbastionen in der Provinz klammert die Doku aus. Aber auch so ist die Reise durch die deutsche Kinogeschichte und ein bemerkenswertes »Kinoleben« sehenswert und der Film ein brennendes Bekenntnis zum Kino.

»Kinoleben«: 04.03. 17:30 (mit Gästen),Passage-Kinos


In den Hinterhöfen Manhattans träumt der junge Schuhverkäufer Marty (Timothée Chalamet) von einer Zukunft, die ein paar Nummern größer ist als der kleine Schuhladen seines Onkels. Angetrieben von der Idee, Weltmeister im Tischtennis werden zu können, taucht er jede Nacht ab in die verrauchten Wettkampfhallen der Stadt, wo er sich mit viel Talent, der nötigen Chuzpe und dank der Hilfe seines besten Freundes (Tyler Okonma) ein paar Dollar dazu verdient. Zu wenig, um eine Profikarriere zu finanzieren und an den Turnieren in London, Paris oder Tokio teilnehmen zu können. Also »leiht« sich Marty kurzerhand Geld aus dem Safe seines Onkels, belügt seine Mutter (Fran Drescher) ebenso wie seine Freundin (Odessa A’zion) und schmeißt sich schamlos an eine Hollywood-Diva (Gwyneth Paltrow) ran, deren Ehemann (Kevin O’Leary) er gleichzeitig als Sponsor gewinnen will. Doch das ist erst der Anfang der Odyssey eines Mannes, der bereit ist, für Ruhm und Erfolg alles zu riskieren.

»Marty Supreme«: ab 26.2., Passage-Kinos, Cineplex, Kinobar Prager Fühling, Cinestar, Regina-Palast


Johan betreibt einen Krokodilpark mit seiner dominanten Mutter, die den Raubtieren näher zu stehen scheint als den Menschen. Als sich der unsichere Junge in ein Mädchen aus der Stadt verliebt, gerät die ohnehin fragile Balance zwischen Mutter und Sohn komplett aus den Fugen.

»Crocodile Tears«: ab 26.2., Luru-Kino in der Spinnerei


Weitere Filmtermine der Woche

Becoming Black
D 2020, Dok, R: Ines Johnson-Spain, 89 min

Dokumentarfilm über eine afrikanisch-stämmige Frau, die in der DDR aufwuchs; ihre Eltern behaupteten, dass ihre schwarze Hautfarbe auf Zufall beruhe. Erst später fand sie heraus, dass ihr leiblicher Vater ein Student aus Togo war.

Schaubühne Lindenfels, 27.02. 18:15 (Black History Month, mit Filmgespräch, OmU)28.02. 20:15 (Black History Month, OmU)

Im Reich der Sinne
J 1976, R: Nagisa Oshima, D: Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda, Yasuko Matsui, 109 min

Der Besitzer eines Geisha-Hauses verfällt einer seiner Prostituierten. Der einstige Skandalfilm basiert auf einer wahren Begebenheit.

Luru-Kino in der Spinnerei, 27.02. 21:00 (OmU)

Der Weedtrain der never ancame
D 2025, 45 min

Eine Kartoffel-Western-Mockumentary über den Untergang der Industriekultur in den quirligen Zeiten der Cannabislegalisierung.

Kinobar Prager Frühling, 03.03. 21:00 (mit Regiegespräch, OmeU)

Ararat 
CAN/F 2002, R: Atom Egoyan, D: Christopher Plummer, Bruce Greenwood, Elias Koteas, 100 min

Edward Saroyan, armenisch-stämmiger Regisseur dreht einen Historienfilm als Zeugnis seines Lebens gegen das Vergessen. Komplexes, verschachteltes Drama von Atom Egoyan um den türkischen Genozid an den Armeniern.

Schaubühne Lindenfels, 01.03. 20:15 (OmeU, Retrospektive Atom Egoyan)

Abortion Dream Team
D 2025, Dok, R: Karolina Lucyna Domagalska, 82 min

Der Dokumentarfilm begleitet die unermüdliche Arbeit von Natalia, Karolina, Justyna und Kinga – einer Aktivistinnengruppe, die gegen die Gesetzgebung Polens zu reproduktiven Rechten vorgeht, über Schwangerschaftsabbrüche und Frauenrechte aufklärt und sichere Abbrüche ermöglicht.

Ost-Passage-Theater, 04.03. 20:00 (OmeU)

Anne Boleyn
D 1920, R: Ernst Lubitsch, D: Henny Porten, Emil Jannings, Paul Hartmann, 100 min

Der deutsche Historienfilm in sechs Akten gestaltet die Geschichte der zweiten Ehe des Königs Heinrich VIII. von England mit Anne Boleyn.

Grassi-Museum Leipzig, 06.03. 19:30 (Kinoorgel live! Stummfilm-Zeit im Grassi mit Richard Siedhoff)

Gelbe Briefe
D/F/TR 2026, R: Ilker Çatak, D: Yusuf Akgün, Emre Bakar, Tansu Biçer, 128 min

Ein Theater-Regisseur und eine Schauspielerin müssen gemeinsam mit ihrer Tochter Antalya verlassen und in Istanbul ein neues Leben beginnen, nachdem man ihr Stück absetzte, weil sie sich mit den regierungskritischen Demonstranten solidarisieren.

Passage-Kinos, 05.03. 20:15 (mit Regiegespräch)

Kinoleben – Über das Tübinger Arsenal und andere Programmkinos
D 2025, Dok, R: Goggo Gensch, 102 min

Anhand der Schließung des Tübinger Arsenal-Kinos erzählt der Dokumentarfilm die Geschichte der Programmkinos in Deutschland und aus dem Leben von Kinopionier Stefan Paul, der auch in Leipzig die Leinwände zum Flimmern brachte.

Passage-Kinos, 04.03. 17:30 (mit Gästen)

Luru Archive: Nero und die Huren des römischen Reiches / Caligula und Messalina
I/F 1982/1981, R: Bruno Mattei / Anthony Pass, D: Piotr Stanislas, Françoise Blanchard, Gino Turini / Vladimir Brajovic, Betty Roland, Françoise Blanchard, 216 min

Zwei italienische Geschichts-Erotikfilme am Stück.

Luru-Kino in der Spinnerei, 02.03. 20:00

Saint Omer
F 2022, R: Alice Diop, D: Kayije Kagame, Guslagie Malanda, Valérie Dréville, 123 min

Die dreißigjährige Rama trifft auf die senegalesische Mutter Laurence Coly, die vor einem Schwurgericht angeklagt wird, ihr Baby getötet zu haben. Das überzeugende Spielfilmdebüt gewann den Silbernen Löwen in Venedig.

Cinémathèque, 01.03. 20:15 (OmU, Tatorte)

Svadba
KRO/SRB 2026, R: Igor Šeregi, D: Rene Bitorajac, Dragan Bjelogrlić, Linda Begonja, 97 min

Die Tochter des kroatischen Geschäftsmanns Miljenko will in dieser Komödie den Vater ihres ungeborenen Kindes heiraten. Dass der ein Serbe ist, schmeckt Miljenko allerdings nicht und auch die Eltern des Bräutigams sind wenig begeistert über die Verbindung.

Cineplex, 01.03. 12:45 (OmU)

Winter adé
DDR 1989, Dok, R: Helke Misselwitz, 116 min

Die Regisseurin verlässt noch einmal ihre Geburtsstadt Zwickau und den Ort ihrer Kindheit, um auf dieser Reise zu erfahren, wie andere gelebt haben, wie sie leben möchten. In der Bahn, am Arbeitsplatz oder zu Hause begegnet sie Frauen und Mädchen verschiedener Generationen, aus unterschiedlichen sozialen Schichten und lernt ihre Lebensgeschichten kennen.

Zeitgeschichtliches Forum, 02.03. 19:00 (Reihe: Babelsberg statt Hollywood – 80 Jahre DEFA)

Oldboy
KOR 2003, R: Park Chan-wook, D: Choi Min-sik, Yoo Ji-tae, Kang Hye-jeong, 120 min

Nachdem er entführt und 15 Jahre lang eingesperrt worden war, wird Oh Dae-su plötzlich freigelassen, jedoch nur um zu erfahren, dass er in 5 Tagen seinen Kidnapper finden muss. Meisterhaftes Rachedrama.

Cinestar, 03.03. 19:30, Cineplex, 03.03. 20:00, Regina-Palast, 03.03. 20:00


Kommentieren


0 Kommentar(e)