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Kultur

Nackt und unkritisch

Die Kinotipps der Woche

  Nackt und unkritisch | Die Kinotipps der Woche  Foto: Myrthe Mostermann

Bevor die Reihe Architektur im Film in die Sommerpause geht, zeigt das Zentrum für Baukultur Sachsen gemeinsam mit der Stadt Leipzig einen Dokumentarfilm über Dresden-Gorbitz, errichtet von 1978 bis 1989. Es ist eines der größten Neubaugebiete in Sachsen und Beispiel des komplexen Wohnungsbaus der DDR. Der Film setzt Bau- und Sozialgeschichte des Stadtteils in Beziehung. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Regisseur Marcel Raabe.

»Platte mit Aussicht«: 16.6. 19.00 Uhr, Stadtbibliothek (Architektur im Film,18 Uhr Vortrag)


Truly Naked

NL/B/F 2026, R: Muriel d‘Ansembourg, D: Caolán O‘Gorman, Andrew Howard, Alessa Savage, 103 min

Alec ist ein schüchterner Teenager. Gerade ist er mit seinem Vater aus London in ein verschlafenes Städtchen an der Küste gezogen. In der neuen Schule hält er lieber den Kopf unten. Niemand soll erfahren, womit sein Vater Geld verdient: Als Dylan Savage ist er Pornodarsteller und Produzent. Seine Filme dreht er in ihrer kleinen Wohnung. Für Alec gehört das zum Alltag. Er dreht und schneidet die Filme. Doch Dylan ist alt geworden und die Nachfrage sinkt. Krampfhaft versucht er, das Geschäft am Laufen zu halten. Als sich Alec in seine Mitschülerin Nina verliebt, beginnt er, sein vertrautes Leben in Frage zu stellen. Nina bringt ihm bei, was es bedeutet, wirklich nackt zu sein und gesehen zu werden. Im Gewand eines Coming-of-Age-Dramas thematisiert die niederländische Filmemacherin Muriel d’Ansembourg die Suche nach Nähe abseits pornografischer Reizüberflutung. Ähnlich wie Ninja Thybergs »Pleasure«, spart auch ihr Debüt dabei keine Details aus und liefert einige feministische Kommentare zu den patriarchalen Strukturen der Pornoindustrie. Das ist manchmal arg vordergründig, jedoch insbesondere von den jungen Hauptdarstellern überzeugend verkörpert. Die unbeholfene, aufkeimende Liebe zwischen Alec und Nina ist charmant in Szene gesetzt und steht im Kontrast zu den Sexszenen am Set. »Truly Naked«, zum Teil mit professionellen Pornodarstellerinnen gedreht, verdammt die Branche nicht pauschal, sondern bietet einen differenzierten, menschlichen Blick.

»Truly Naked«: ab 11.6., Schaubühne Lindenfels


Kommunist
Doku, D 2026, 123 min., R: Lutz Pehnert

Dass 70.000 Euro Filmförderung in die Doku »Kommunist« geflossen sind, ist nicht ohne Ironie. Denn sie schildert das Leben von Egon Krenz, will seine antikapitalistischen Überzeugungen und die DDR gleich mit erklären. Letzteres macht der Film über den letzten Staatsratsvorsitzenden nicht ansatzweise. Die Verharmlosung des Regisseurs Lutz Pehnert verzichtet auf Einordnung und rahmt den Film mit anekdotischem Zierrat. Da ist ein Niederländer zu sehen, der Egon Krenz regelmäßig im Ostsee-Häuschen besucht. Mit den Nachbarn ist Krenz im Gespräch, die zwar politisch nicht mit ihm auf Linie seien, aber alles war in der DDR auch nicht schlecht. Das bestimmt den Grundton der Doku. Was ein Kommunist ist und warum Krenz einer ist, wird nicht erzählt. Er ist Christ, die Befreier der Roten Armee schenken ihm Brot. Erst arbeitet er als Schüler für die CDU, dann stellt ihn die SED für Botendienste ein – und plötzlich will er in der Partei mitmachen. Mehr erfährt man über seine Motivation nicht, nur, dass er »überzeugt« sei. Einige Lebensstationen werden abgerissen, bis er schließlich 50 Tage lang die DDR lenkt. Und bedauert, Vorgänger Erich Honecker nicht früher kritisiert zu haben für seine »Verkrustung«. Das bleibt inhaltlich blass, klingt wie eine Krenz-Schutz-Behauptung. Die Panzerkonfrontation 1961 in Berlin erklärt Krenz zum Beweis eines deutsch-deutschen Bürgerkriegs, der kurz zuvor erfolgte Mauerbau wird nicht thematisiert. Kritik kommt nur in einigen Schnipsel aus alten TV-Talkshows. Das mildert auch das Urteil gegen Krenz im Mauerschützenprozess ab: Es gebe nichts zu moralisieren in der Juristerei. Daher zeigt der Film auch lieber einen im Meer von winkenden Blauhemden stehenden Krenz. Statt zu fragen, welche Verantwortung der FDJ-Chef trägt für Gehirnwäsche der Jugend und den realexistierenden Kasernenhofsozialismus. TOBIAS PRÜWER

»Kommunist«: ab 11.6., Passage-Kinos, Kinobar Prager Frühling


Weitere Filmtermine der Woche

Final Girls Berlin

Das Final Girls Berlin Film Festival präsentiert Horror-Kurzfilmkino, in welchem Frauen und nicht-binäre Menschen Regie geführt haben, und Filme, die von ihnen geschrieben oder produziert wurden.

Cinémathèque, 12.6. 19.30 Uhr (mit Einführung und Gespräch)

Axiom
D 2022, R: Jöns Jönsson, D: Moritz Treuenfels, Ricarda Seifried, Thomas Schubert, 112 min

»Fake it till you make it«: Julius zieht alle in seinen Bann, ist aber nicht der, der er zu sein vorgibt. Ein Film über Identität und Sozialverhalten.

Cineding, 11.6. 19 Uhr (Reihe Grenzgänger)

Punku
PER/E 2025, R: Juan Daniel Fernández Molero, D: Ricardo Delgado, Maritza Kategari, Marcelo Quino, 132 min

Meshia hilft einem Jungen im Dschungel von Peru und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die kulturelle Spannungen offenbaren.

UT Connewitz,12.6. 20 Uhr(Gegenkino, OmeU)

Shorts Attack: Sonnenbrand & Mückenstich 

Eine Rolle mit sommerlichen Kurzfilmen, darunter »Die Weite suchen« von Falk Schuster.

UT Connewitz, 13.06. 20:00 (OmU)


Briefe aus der Wilcza
PL/D 2025, Dok, R: Arjun Talwar, 97 min

Der Regisseur Arjun Talwar, der aus Neu Delhi stammt, lebt seit über zehn Jahren in Polen, fühlt sich dort jedoch immer noch oft als Fremder. Um eine Verbindung zu seiner Umgebung aufzubauen, beginnt er, die Bewohner der Wilcza-Straße in Warschau zu porträtieren.

Polnisches Institut, 16.6. 20 Uhr (OmU)

Dirty Dancing

Eine Tochter aus gutem Hause verliebt sich in einem Ferienhotel in den sechziger Jahren in einen Tänzer. Rhythmische Romanze, die inzwischen ebenso Kultstatus genießt wie ihr Soundtrack.

Cinestar, 17.6. 19.45 Uhr (CineLady Special)

Sommerkino auf der Feinkost, 17.6. 21.30 Uhr


Exhibition on Screen: Frida Kahlo
GB 2020, Dok, R: Ali Ray, 90 min

Als erzählerischer Leitfaden des Dokumentarfilms dienen Frida Kahlos persönliche Briefe, die tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt, ihre politische Überzeugung und ihre Beziehungen geben.

Cineplex, 14.6. 11 Uhr, 16.6. 18 Uhr

Faith Can Move Mountains
NOR 2026, Dok, R: Silje Evensmo Jacobsen, 80 min

Eine Gruppe von griechisch-orthodoxen Nonnen reist in das kleine, abgelegene norwegische Dorf Valldal. Ihr ehrgeiziges Ziel ist es, auf einem steilen, schwer zugänglichen Berg über dem Fjord ein majestätisches Kloster zu errichten.

Cinémathèque, 17.6. 19.30 Uhr (OmeU)

Four Rational People
USA 2025, Dok, R: Tristan Cook, 104 min

Doku über die letzte Tour des Emerson String Quartet.

Passage-Kinos, 15.06. 18:30 (OmU)

Ich war 19
DDR 1968, R: Konrad Wolf, D: Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, Alexej Ejboshenko, 119 min

Gregor, gebürtiger Deutscher, emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Sowjetunion und wuchs in Moskau auf. Er ist 19 Jahre alt, als er als Soldat der Roten Armee in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in sein Geburtsland zurückkehrt. Auf seinem Weg durch die Heimat begegnet er Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Haltungen. Das Vaterland ist ihm fremd geworden.

Ost-Passage-Theater, 17.6. 19 Uhr (mit Filmgespräch)

Im Reich der Sinne
J 1976, R: Nagisa Oshima, D: Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda, Yasuko Matsui, 109 min

Der Besitzer eines Geisha-Hauses verfällt einer seiner Prostituierten. Der einstige Skandalfilm basiert auf einer wahren Begebenheit.

Passage-Kinos, 15.6. 20.45 Uhr (OmU)
Luru-Kino in der Spinnerei, 6.6. 21 Uhr (OmU)



Kurzfilmprogramm im Rahmen der Leipziger Umwelttage

Romantische Pinguine, schwimmende Einhörner und Tiere, die den Aufstand proben: Fünf Kurzfilme zum Klimawandel.

Kinobar Prager Frühling, 17.6. 18 Uhr


Living Bach
D 2023, Dok, R: Anna Schmidt, 114 min

Der Dokumentarfilm spürt Bach-Enthusiasten auf, reist dabei rund um den Globus, offenbart außergewöhnliche, aufregende und lebensverändernde Beziehungen zu Bachs unvergleichlicher Kunst und begleitet das größte Treffen der Familie Johann Sebastian Bachs in Leipzig mit der Kamera.

Passage-Kinos, 14.6. 11.30 Uhr (Special zum Bachfest)

Luru Archive: Agent 505 – Todesfalle Beirut / Matchless – Unvergleichlich!
D/I/F /I 1966 / 1967, R: Manfred R. Köhler / Alberto Lattuada, D: Frederick Stafford, Geneviève Cluny, Chris Howland / Donald Pleasence, Tiziano Cortini, Patrick O'Neal, 198 min

Zwei italienische Pseudo-James-Bond-Filme nacheinander, der erste eher ernst und brutal, der zweite bewusst als Parodie angelegt.

Luru-Kino in der Spinnerei, 15.6. 20 Uhr

Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte
CZ/SK/Ö 2024, Dok, R: Klára Tasovská, 90 min

Fragmente einer Freiheitssuche im repressiven Prag nach der sowjetischen Invasion 1968 stehen neben strahlenden Momenten des queeren Selbstausdrucks.

Luru-Kino in der Spinnerei, 16.6. 19 Uhr (24FPS – Fotografie im Film, OmU)


O Último Banho – The Last Bath
USA 2020, Dok, R: David Bonneville, D: Anabela Moreira, Martim Canavarro, Margarida Moreira, 95 min

Der Glaube einer Nonne wird auf die Probe gestellt, als sie die Vormundschaft für ihren pubertierenden Neffen übernimmt.

Luru-Kino auf der Spinnerei, 12.6. 17 Uhr (OmeU, Vorstellung in Anwesenheit des Regisseurs)

Platte mit Aussicht
D 2006, Dok, R: Marcel Raabe, Uta Hergert, 80 min

Dresden-Gorbitz, errichtet von 1978 bis 1989, ist eines der größten Neubaugebiete in Sachsen und Beispiel des komplexen Wohnungsbaus der DDR. Der Film setzt Bau- und Sozialgeschichte des Stadtteils in Beziehung.

Stadtbibliothek, 16.06. 19:00 (Architektur im Film,18 Uhr Vortrag)


Prestige – Die Meister der Magie
USA/GB 2006, R: Christopher Nolan, D: Christian Bale, Hugh Jackman, Scarlett Johansson, 130 min

Zwei Zauberkünstler beginnen einen Wettstreit darüber, wer als Erster die ultimative Bühnenillusion erschaffen kann. Steampunk-Thriller mit Starbesetzung.

Passage-Kinos, 15.06. 20:30 (OmU, Retrospektive Christopher Nolan)


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