anzeige
anzeige
Kultur

Schneckenaugen auf der Kolonnadenstraße

Vom 12.-14. Juni findet zum sechsten Mal das Comicfestival Snail Eye statt

  Schneckenaugen auf der Kolonnadenstraße | Vom 12.-14. Juni findet zum sechsten Mal das Comicfestival Snail Eye statt  Foto: Schneckenaugen 2025/Anna Perepechai

Comics sind Kunst. Diesem Statement werden wohl die wenigsten Menschen widersprechen, dennoch hat der Comic in Deutschland immer noch nicht annähernd das Image von »high art«, wie er es zum Beispiel in Belgien oder Frankreich hat. Wer einen Einblick davon bekommen möchte, was Comics abseits vom kommerziellen Mainstream aus Spider-Man, Donald Duck und Co. noch alles können, sollte beim Snail Eye Comic Festival in der Kolonnadenstraße vorbeischauen. Bereits zum sechsten Mal organisiert der Verein Squash Comics ein vielfältiges Festival als Liebeserklärung an den Comic.

Dieses Jahr gibt es von Donnerstag, 11.6., bis zum Sonntag, 14.6., ein kostenfreies Festivalprogramm. Eva Gräbeldinger von Squash erklärt im Gespräch mit dem kreuzer die selbsternannten Grundpfeiler des Snail Eye Festivals, bei dem die Kunst im Vordergrund stehen soll. Dabei soll neben einigen Verlagen die Independent-Szene der Comic-Kunstschaffenden ins Rampenlicht rücken. Hierbei sind auch Autodidakten gern gesehen, da jeder und jede die eigenen Comics bei Open Calls einsenden kann, die dann vom Festival Team kuratiert werden. Generell solle das Festival möglichst niederschwellig und interaktiv sein. Das gilt für die Künstler und Künstlerinnen, wie für die Besuchenden. »Das ist für uns ein wichtiger Punkt, dass alle in irgendeiner Weise mitmachen können«, erklärt Gräbeldinger. Zum Mitmachen gibt es auf dem Festival in den Ausstellungen und Workshops viele Gelegenheiten. Dieses Jahr werden beispielsweise Workshops zum digitalen und analogen Zeichnen angeboten, daneben gibt es die Möglichkeit, sich an Siebdruck zu versuchen oder Einblicke in die Welt der Animation zu bekommen.

Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstagabend statt: Organisiert mit der Schaubühne Lindenfels werden ab 21.45 Uhr die für das Festival eingereichten Kurzfilme in einer Open-Air-Vorstellung an der Plagwitzer Markthalle gezeigt. Freitag ab 15 Uhr beginnt dann der reguläre Festivalbetrieb in der Kolonnadenstraße, bestehend aus Ausstellungen, Workshops, Lesungen und einem Kunstmarkt. Am Samstag und Sonntag beginnt das Programm dann bereits um 12 Uhr. »Den Samstag nennen wir Kindertag, weil es so viel Kinderprogramm extra gibt«, hebt Gräbeldinger hervor. Nicht nur weil einige Comics für Kinder vorgestellt werden, sondern vor allem weil Kinder von den Buchkindern Leipzig aus ihren Comics vorlesen werden.

Obwohl das Snail Eye Festival in den letzten Jahren bereits einige Erfolge feiern konnte, hebt Eva Gräbeldinger ein größeres Defizit hervor: Zugänglichkeit höre für das Organisationsteam mit niedrigschwelligen Angeboten nicht auf und doch kann das Festival nun schon zum zweiten Mal das angestrebte Inklusionskonzept aus Simultanübersetzung in Gebärdensprache, Live-Untertitel in Lesungen und ein barrierefreies Festivalgelände nicht gänzlich umsetzen. Sowohl die Simultanübersetzug als auch die Untertitelung fallen daher dieses Jahr weg. Der Grund dafür sind nicht erteilte Fördergelder der Aktion Mensch. Ohne Fördermittel der Stadt Leipzig und des Landes Sachsen wäre das Festival generell nicht möglich, da sich das Snail Eye daneben nur aus Spenden finanziert und die Vereinsmitglieder ohne Vergütung am Festival arbeiten. Aus den bereitgestellten Fördergeldern werden sowohl die Honorare der Comic-Künstler, als auch die Ausstattung des Festivals bezahlt. Trotz dieser Hürden erhofft sich Eva Gräbeldinger auch dieses Jahr wieder ein erfolgreiches Festival und wünscht sich, dass die Begeisterung für den Comic bei den Leipzigern noch lange spürbar bleibt. Egal ob sie zum ersten Mal das Festival besuchen, oder schon zum sechsten Mal dabei sind.

Und auf die abschließende Frage, was nun eigentlich Comics mit den Stielaugen von Schnecken zu tun haben, antwortet Gräbeldinger mit einer Gegenfrage: »Was haben die Augen von Schnecken nicht mit Comics zu tun?«


> Weitere Infos zum Festival gibt es auf www.snaileye.de


Kommentieren


0 Kommentar(e)