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25. Februar: Aus Liebe zur Literatur

Der Stadtrat entscheidet über die Zukunft des Literaturhauses

  25. Februar: Aus Liebe zur Literatur | Der Stadtrat entscheidet über die Zukunft des Literaturhauses  Foto: Stefan Ibrahim


Ganz am Ende widmet der Stadtrat sich schließlich noch einem Leipziger Aushängeschild: Es geht um das Literaturhaus. Knapp 30 Jahre habe es sich über Vermögensmittel finanziert, jetzt sind diese aufgebraucht. So wird es in einem Antrag von Gesine Märtens (Grüne), Mandy Gehrt (Linke) und Ralf Pannowitsch (BSW) geschildert. Deshalb benötigt das Literaturhaus nun Fördergelder. Gemäß des Verwaltungsstandpunkts sollen sie bereits 2027 Abhilfe schaffen. Angesetzt sind 205.000 Euro jährlich. Diese Fördermaßnahme geschehe »nicht aus Nostalgie« betont Gesine Märtens (Grüne), »sondern aus Notwendigkeit«. Dass das zur haushalterisch schlechtesten Zeit geschehe, sei zwar ungünstig, so das Fazit von Pia Heine aus der SPD, »aber jetzt nicht zu ändern«. Das Literaturhaus nehme in Leipzig eine Ankerfunktion ein, erklärt sie weiter und listet eine Auswahl des Angebots auf: »hochkarätige Lesungen und Buchgespräche, Ausstellungen, Filmvorführungen und Debattenräume«. Um ihr Anliegen zu unterstreichen, schreckt sie auch nicht davor zurück, Leipzigs Selbstbild und Marketing-Claim zu hinterfragen: »Leipzig war und ist eine Stadt des Buches und des Verlagswesens – die Frage ist, wollen wir auch in Zukunft eine lebendige Buchstadt sein?«

AfDler Jörg Kühne fühlt sich bemüßigt, dem Stadtrat eine andere, kreative Lösung vorzuschlagen: Statt extra Gelder zur Verfügung zu stellen, solle man prüfen, wie man die Finanzierung des Literaturhauses aus den Fördergeldern für soziokulturelle Zentren stemmen könne. Auch Falk Dossin (CDU) plädiert dafür, jeden Pfennig dreimal umzudrehen: »205.000 Euro jährlich ist absolut keine Kleinigkeit«, betont er. Ein Literaturcafé sei zwar ein schöner Ort der Begegnung, es sei allerdings nicht die Schlüsselaufgabe der Kommune, dieses Angebot zu finanzieren. Wie gut, dass es gar nicht um ein Literaturcafé geht – das wird nämlich, wie Ralf Pannowitsch (BSW) wenig später klarstellt, privat finanziert. Trotzdem warnt Dossin davor, einen Präzedenzfall zu schaffen: »Woher kommen denn die 205.000 Euro?«. Dann schlägt er einen väterlichen Ton an: Es sei wie bei Kindern, »Nein sagen tut weh«. Und auch Parteikollege Michael Weickert will eigentlich einen harten Sparkurs fahren: »Am Ende des Tages, prophezeie ich Ihnen, werden wir es aus den Kassenkrediten nehmen und das halte ich nicht für gut.« Dass dieses Outcome durchaus nicht unrealistisch ist, bestreitet nicht mal Oberbürgermeister Jung. Das hält ihn aber nicht davon ab, für das Literaturhaus in die Bresche zu springen. Man müsse wohl am Ende eine Lösung vorschlagen, die die Stadt weiter in finanzielle Bedrängnis bringt, räumt er ein, aber es handle sich immerhin um eine Notsituation: »In einer solchen Situation – wo es um die Planungssicherheit geht, in einer Buchstadt, vor einer Buchmesse – ein Literaturinstitut fallen zu lassen, wäre sträflich und für die DNA dieser Stadt nicht vertretbar«. Nach diesen durchaus inspirierenden Schlussworten gibt er den Antrag zur Abstimmung frei, der mit 45 zu 11 Stimmen und sieben Enthaltungen angenommen wird. Damit ist das Literaturhaus zumindest erstmal gerettet und Leipzig kann den Titel der Buchstadt weiterhin mit Stolz tragen.


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