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Kultur

Laute Sichtbarkeit

Das siebte »Frauen*Flinta*Festival« findet am 30. Mai auf dem Leipziger Marktplatz statt.

  Laute Sichtbarkeit | Das siebte »Frauen*Flinta*Festival« findet am 30. Mai auf dem Leipziger Marktplatz statt.  Foto: Faravaz Farvardin beim Festival 2025/Soso

Zwei Bühnen, siebzig Stände und acht Stunden Zeit. Auf dem Marktplatz findet am Samstag, den 30. Mai zwischen 14 und 22 Uhr das mittlerweile siebte »Frauen*Flinta*Festival« in Leipzig statt. Neben Musik aus verschiedenen Genres, wie Hip-Hop, Disco, Funk und Gospel wird es Stände, Lesekreise und eine Podiumsdiskussion geben.

»Es gibt kein Zurück! Ohne uns keine Zukunft!« lautet das Motto in diesem Jahr. Es soll Sichtbarkeit für die Gleichstellung und Selbstbestimmung von Flinta-Personen schaffen. Gleichzeitig positionieren sich die Veranstaltenden gegen die Zunahme menschenfeindlicher Meinungen und den global wachsenden, ultra-konservativen Block. Mit dem Motto rekurriert es außerdem auf seine Anfänge. Aus der Initiative der Grünenmitglieder im Stadtrat, Katharina Krefft und Gesine Märtens, entstand das erste Festival 2015, um ein Gegengewicht zur 1000-Jahr-Feier anlässlich der Leipziger Stadtrechtsverleihung auf dem Stadtfest zu bilden. Auf der Webseite der Festivalleitung heißt es: »1000 Jahre Leipzig wurden möglich durch Kraft, Beharrlichkeit, Kreativität und den Mut zu Veränderungen von Menschen. Meistens stehen aber bei der Würdigung nur die Leistungen von Männern im Vordergrund.« Vor allem über Musik sollte diese Schieflage korrigiert werden. Dass das Festival damals wie heute diese aktivistische Haltung einnimmt, zeigte sich alsbald in der Abgrenzung seitens des Stadtfests. Die entsprechenden Veranstaltenden hätten die Verantwortlichen des Festivals darum gebeten, die Inhalte auf der Bühne doch »nicht ganz so politisch« zu gestalten. Das berichten Arzu Cornelia Tarhan und Christine Rietzke im Gespräch mit dem kreuzer. Beide sind Mitglieder des Vereins Frauenkultur, der neben dem Werk 2-Verein, der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft und dem Verein Lebenszeiten das Festival auf die Beine stellt. Nach dem Hinweis der Veranstaltenden hätte es die Abspaltung vom Stadtfest gegeben, wodurch das Festival ab dem zweiten Jahr zu einem eigenen Termin, unabhängig vom Stadtfest, stattfand.

Die Eröffnungsrede zur Veranstaltung hält dieses Jahr die Leipziger Kulturbürgermeisterin und OBM-Kandidatin Skadi Jennicke. Dazu sprechen Leipzigs Gleichstellungsbeauftragte Mandy Uhlig und die Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch. Das musikalische Programm setzt sich aus einer Reihe nationaler und internationaler Acts zusammen. Unter anderem bespielen die ukrainische Hip-Hop-Gruppe Fo Sho, der Frauenchor Canta Animata sowie die Disco- und Soul-Künstlerin Deslin Ami Kaba die zwei Bühnen. Außerdem kommen die Rapperin Futurebae und DJ Bebé G, die Afrobeats, RnB und Hip-Hop auflegt. Rundherum stehen die gesamte Zeit über 70 Vereine und Initiativen bereit, die allesamt zu verschiedenen Mitmachangeboten einladen – von einer feministischen Leseecke der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft über Infostände unterschiedlicher feministische Vereine bis hin zu einer Podiumsdiskussion, in der es um die Frage geht, wie sich eine Bewegung für Gleichberechtigung vor Grabenkämpfen schützen kann. Als Highlight verweist Rietzke auf die Gruppe Masketiere, die mit überdimensionalen Kostümen einen sogenannten Walking Act performen werden.

Auf den Marktplatz als Veranstaltungsort fiel die Wahl aus zwei Gründen. Zum einen wolle man an den emanzipatorischen Ursprung vom 2015er Stadtfest anknüpfen und zum anderen einen Ort finden, der für so viele Menschen wie möglich zugänglich ist, erklärt Tarhan. Auf dem Markt erreiche man die Menschen, die im Alltag weniger Berührungspunkte mit feministischen Diskursen hätten. Das spiegelt sich ebenso in der kombinierten Namensgebung aus »Frauen« und »Flinta« wider. »Wir wollen mittenrein in die Leute, die sonst seltener davon mitbekommen«, sagt sie. Mitten in der Innenstadt einen Safe Space für ein feministisches Festival zu schaffen, sei eine Herausforderung. Laut Tarhan könne das über die Artists, Stände, das Publikum und über das breit aufgestellte Awareness-Team geschaffen werden. Rietzke verweist darauf, dass letzteres in diesem Jahr so groß sei wie noch nie. Mit mehreren Schichten à zwei bis vier Personen, die eine erste Anlaufstelle für Schutzsuchende seien.

Die Moderation des Festivals übernimmt Autorin und Comedienne Katharina Linnepe, die laut Rietzke, bei aller Feierlichkeit, immer wieder »den Finger in die Wunde« legen und Brücken zum ernsten Hintergrund der Veranstaltung schlagen wird. Denn: eine weitere zentrale Forderung im Programm der Organisation bezieht sich auf ein Leben ohne strukturelle Gewalt. Das Thema soll durch die Angebote über den gesamten Tag hinweg angesprochen werden. »Gewalt durchzieht unseren Alltag in jeder Form«, stellt Rietzke fest. Zum Beispiel in Form von sexualisierter Gewalt gegenüber jungen Menschen. Sie erzählt, dass Erfahrungen aus Workshops mit Kindern und Jugendlichen zeigen würden, wie allgegenwärtig die Gewaltform in dieser Altersgruppe ist. »Vielen fällt es zudem schwer, das Erlebte überhaupt als Gewalt zu erkennen und klar zu benennen.« Dabei spannt sie einen Bogen ins Große. Die weltweit wachsenden ultra-konservativen Bestrebungen seien eine große Gefahr für die Emanzipation von Flinta-Personen. »Niemand, der vom Patriarchat bevorteilt wird, gibt diese Macht gern auf«, bedauert sie. Dazwischen liegen laut ihr Fragen wie: »Wie werden Bilder erzeugt? Auf welche Art und Weise Straßenraum geschaffen oder Wohnen organisiert? Wie wird Geschichte geschrieben? Auf tausenderlei Art und Weise gibt es strukturelle, patriarchale Gewalt.«

Demgegenüber gebe es dennoch Hoffnung, betont Tarhan. Die erste Männerdemo einen Tag vor dem internationalen Frauentag 2026 in Wien oder die Protestaktion »Männer gegen Gewalt« am Himmelfahrtstag in Berlin würden zeigen, dass ein größer werdender Teil der Gesellschaft das patriarchale Bollwerk aufzubrechen versucht. Auch das Leipziger »Frauen*Flinta*Festival« könne seinen Beitrag dazu leisten.


> Frauen- und Flinta- Festival, 30.5., Marktplatz, 
www.leipzigerfrauenfestival.de



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