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Kultur

Vom Balkan zum Bosporus

Die Kinostarts der Woche

  Vom Balkan zum Bosporus | Die Kinostarts der Woche  Foto: Alamode Film


Im März bringt das UT Connewitz gemeinsam mit dem Netzwerk Traduki Kino aus der Balkanregion nach Leipzig, das sonst eher selten den Weg auf die Leinwände findet. An vier Tagen gibt es sieben Lang- und vier Kurzfilme u.a. aus Rumänien, Bulgarien, Slowenien und dem Kosovo zu sehen. In diesem Jahr ist die Auswahl an aktuellen Essay-, Spiel- und Dokumentarfilmen fest verbunden mit der Buchmesse und dem Fokus auf die Donauregion.

»Balkan Film Week«: 9.–12.3., UT Connewitz


Derkreuzer-Klassiker im März: »Goodfellas« – eine meisterhaft gestaltete Unterweltbiographie von Martin Scorsese nach den Memoiren eines ehemaligen Mafia-Mitglieds aus New York.

»kreuzer-Klassiker: Goodfellas«: 11.03. 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei (OV) 


Film der Woche:
Vor der Universität in Ankara tobt der Protest der Studentinnen und Studenten gegen den Krieg und die Regierung. Drinnen hat es Aziz aufgegeben, den Wenigen, die erschienen sind, etwas über Dramaturgie beizubringen. Die Staatsführung bringt ihre eigene Inszenierung auf die Bühne. Aziz ermutigt die Anwesenden, auf die Straße zu gehen. Das wird ihm zum Verhängnis, als ihm und einigen Kollegen ein »Gelber Brief« zugestellt wird. Ihre Kurse werden ebenso abgesetzt wie das Stück, dass der Theaterregisseur mit seiner gefeierten Hauptdarstellerin und Partnerin Derya an der Staatsbühne inszeniert. Es folgt ein Prozess, der sich immer länger hinzieht. Gemeinsam mit ihrer Teenagertochter Ezgi ziehen das Paar nach Istanbul. Während Aziz an einem Stück für ein Off-Theater arbeitet, versuchen Derya und Ezgi ihren eigenen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen.
Regisseur İlker Çatak verlagert die Geschichte nach Deutschland: Ankara ist Berlin, Istanbul Hamburg. Der künstlerische Spagat gibt der Handlung auch inhaltlich ein weitere Ebene. Wenn Aziz in Ankara/Berlin vor Gericht steht, sind die deutschen Schriftzüge um Recht und Gerechtigkeit an der Wand deutlich im Bild zu sehen und geben zu denken, wie es eigentlich im Rest Europas darum bestellt ist. Vor der Kulisse verdichtet sich der Druck und entlädt sich in einem intensiven Ehedrama. Meisterhaft verbindet Çatak das Politische mit dem Privaten. Dafür gab es bei der Berlinale den Goldenen Bären.

»Gelbe Briefe«:ab 5.3., Passage-Kinos, am 5.3., 20.15 Uhr mit Regiegespräch


Die Kindheit von Lidia und ihrer älteren Schwester Claudia ist überschattet von einem dominanten und übergriffigen Vater und einer drogensüchtigen Mutter. Im Schwimmen glaubt Lidia Heilung zu finden, doch die Chancen auf eine Olympiateilnahme verpuffen, als sie selbst alkohol- und drogenabhängig wird. Nebenbei bringt sie autobiografische Erlebnisse und Gedanken zu Papier und erhält durch eine Freundin die Möglichkeit, an einem Workshop mit dem gefeierten Schriftsteller Ken Kesey teilzunehmen. Der ermutigt sie, sich ihren Dämonen zu stellen und ihre Verletzungen im Schreiben zu kanalisieren. »The Chonology of Water« basiert auf dem erstmals 2011 erschienenen autobiografischen Buch von Lidia Yuknavitch. Die musste nicht nur den sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit verarbeiten, sondern auch die Totgeburt ihres ersten Kindes und die Abgründe ihrer Drogensucht. Das alles hat Schauspielerin Kristen Stewart (»Love Lies Bleeding«) in ihrem Langfilmdebüt als Regisseurin exzellent auf die Leinwand gebracht. In einem fragmentarischen Stil, der Momentaufnahmen eher emotional und symbolisch miteinander in Verbindung bringt, als einer klaren narrativen Linie zu folgen. Auf diese herausfordernde Herangehensweise muss man sich einlassen können, wird dann aber mit einer beeindruckenden Lebensgeschichte belohnt, die auch dank Imogen Poots‘ intensiver Darstellerleistung sehenswert ist. FRANK BRENNER

»The Chronology of Water«:ab 5.3., Passage-Kinos, Cinémathèque


Weitere Filmtermine der Woche

Flowers of Ukraine
PL/UKR 2024, Dok, R: Adelina Borets, 70 min

Eine starke, unabhängige und anarchistische Frau voller Humor macht sich auf, ihr Stück Land gegen alle Widrigkeiten zu verteidigen. Ihr Kampf wird durch den Angriff auf die Ukraine noch existenzieller, aber sie gibt nie auf und gibt den Zuschauern ein Gefühl der Hoffnung.

Denkmalwerkstatt, 05.03. 18:00

Anne Boleyn
D 1920, R: Ernst Lubitsch, D: Henny Porten, Emil Jannings, Paul Hartmann, 100 min

Der deutsche Historienfilm in sechs Akten gestaltet die Geschichte der zweiten Ehe des Königs Heinrich VIII. von England mit Anne Boleyn.

Grassi-Museum Leipzig, 06.03. 19:30 (Kinoorgel live! Stummfilm-Zeit im Grassi mit Richard Siedhoff)

A Poet
KOL/D/SWE 2025, R: Simón Mesa Soto, D: Ubeimar Rios, Rebeca Andrade, Guillermo Cardona, 123 min

Charmante Tragikomödie über einen Dichter in der Krise, dessen Lebensgeister geweckt werden, als er auf eine talentierte Schülerin trifft.

Passage-Kinos, 12.03. 20:15 (mit Gästen, OmU)

Blood & Sinners
USA 2025, R: Ryan Coogler, D: Michael B. Jordan, Hailee Steinfeld, Jack OʼConnell

In den 1930er Jahren kehren die Zwillingsbrüder Smoke und Stack nach vielen Jahren in ihre Heimatstadt zurück und finden dort das pure Böse.

Passage-Kinos, 11.03. 20:45 (OmU, Oscar-Special)

One Battle After Another 
USA 2025, R: Paul Thomas Anderson, D: Leonardo DiCaprio, Benicio Del Toro, Sean Penn, 170 min

Der ehemalige Aktivist Bob Ferguson befürchtet auch noch nach Jahren den Racheakt eines ehemaligen ICE-Colonels Steven J. Lockjaw – und das mit Recht, denn Lockjaw hat es auf Fergusons Tochter Willa abgesehen.

Passage-Kinos, 08.03. 20:30 (OmU, Oscar-Special)

Boss
RO 2023, R: Bogdan Mirica, D: Laurentiu Bãnescu, Ioana Bugarin, Mimi Branescu, 126 min

Bogdan nimmt mit drei Männern, die er kaum kennt, an einem bewaffneten Raubüberfall teil. Auf der Flucht überfährt er versehentlich eine Zeugin, die schließlich stirbt. Dieses Ereignis erschüttert sein moralisches Gefüge bis ins Innerste.

Cinémathèque, 11.03. 19:30 (mit Filmgespräch, OmeU)

Das geheime Stockwerk
D/Ö/LUX 2026, R: Norbert Lechner, D: Silas John, Annika Benzin, Marie Jung, 96 min

Ein Junge entdeckt, dass er im Hotel seiner Eltern durch die Zeit reisen kann. Er gelangt in ein geheimes Stockwerk, das ihn ins Jahr 1938 führt, freundet sich mit einem jüdischen Mädchen an und erkennt die drohenden Gefahren.

Passage-Kinos, 06.03. 15:30 (In Anwesenheit von Regisseur Norbert Lechner und Hauptdarsteller Maxi Reinwald, Preview)

Felix Klein: Insights from the Outside
D 2026, Dok, R: Ekaterina Eremenko, 70 min

Der Dokumentarfilm möchte Felix Kleins Mathematik, insbesondere seinen neuen Blick auf die Geometrie, einem breiten Publikum zugänglich machen. 

Cinestar, 13.03. 18:00 (OmU, Premiere mit Filmgespräch)

Fight
ARM/F 2024, Dok, R: Lilit Movsisyan

In einer traditionellen armenischen Familie träumt die 16-jährige Karine davon, Tierärztin zu werden. Ihre Ambitionen geraten jedoch in Konflikt mit der Ablehnung ihres Vaters, der zudem in Hundekämpfe verwickelt ist.

Schaubühne Lindenfels, 08.03. 19:30 (Female Voices, OmeU)

Filmriss Filmquiz

Was ist Paddingtons Lieblingsspeise? Welche Hausnummer trägt das Haus in der Elm Street? Wie ist der zweite Nachname von Tom Cruise? Wo wurde Michael Fassbender geboren? André Thaetz und kreuzer-Redakteur Lars Tunçay präsentieren wieder einen Blumenstrauß an Fragen rund ums Thema Film und belohnen Wissen mit Merch und Freikarten.

Moritzbastei, 10.03. 20:00

Freiheit im Herzen
D/IRN 2024, Dok, R: Roxana Samadi, 95 min

»Frau, Leben, Freiheit!« – unter diesem Ruf vereinen sich Tausende, die nach dem Tod der jungen Iranerin Jina Mahsa Amini am 16. September 2022 in Teheran und weltweit gegen Unterdrückung protestieren – auch in Deutschland.

Ost-Passage-Theater, 11.03. 20:00

Goodfellas
USA 1990, R: Martin Scorsese, D: Ray Liotta, Robert De Niro, Joe Pesci, 145 min

Meisterhaft gestaltete Unterweltbiographie von Martin Scorsese nach den Memoiren eines ehemaligen Mafia-Mitglieds aus New York.

Luru-Kino in der Spinnerei, 11.03. 19:00 (kreuzer-Klassiker, OV)

La Combattante
F/B 2022, Dok, R: Camille Ponsin, 94 min

Mary-Jo empfängt täglich Besucher in ihrem Wohnzimmer. Als auf Darfur spezialisierte Ethnologin kommen ihre Gäste nicht nur auf eine Tasse Tee. Sie brauchen entscheidende Hilfe, die nur diese 90-jährige Frau geben kann.

Schaubühne Lindenfels, 09.03. 18:30 (Soirée cinéma, OmeU)

Shorts Attack: Die Tiere sind los

Schafe springen fröhlich singend durch Indien, Wasserschweine befreunden sich mit Küken und Enten sollte man nicht füttern. Kleintiere hopsen in einer turbulenten Parade und Hunde erobern die Theaterbühne.

UT Connewitz, 08.03. 20:00 (OmU)

Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR.
D 2022, Dok, R: Pamela Meyer-Arndt, 84 min

Drei Künstlerinnen, die sich nicht vom DDR-Regime zermalmen ließen: Sie sind Widerständige und nicht zuletzt auch Überlebende.

Luru-Kino in der Spinnerei, 08.03. 10:30

Luru Archive: Die Wiege des Teufels / Macabro

Zwei Italo-Horrorschocker am Stück.

Luru-Kino in der Spinnerei, 09.03. 20:00

WILLY – Verrat am Kanzler
D 2024, Dok

Die rbb-Produktion erzählt die größte Spionageaffäre im Bundeskanzleramt aus Sicht von Frauen: Eine entschlüsselte Stasi-Nachricht führt Anfang der 1970er Jahre zur Enttarnung von Günter Guillaume, persönlicher Referent von Bundeskanzler Willy Brandt.

Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig, 07.03. 14:00 (Regiegespräch)

Wovon sollen wir träumen
D 2026, R: Milena Aboyan, Constantin Hatz, D: Korkmaz Arslan, Luise Aschenbrenner, Zeynep Bozbay, 108 min

Bei einer Essensausgabe kreuzen sich die Wege von Laura, Evîn und Julia. Laura, eine Freigängerin, verteidigt Evîn nach einer rassistischen Bemerkung. Die Spannungen eskalieren, Polizistin Julia greift ein. Chaos bricht aus.

Schaubühne Lindenfels, 07.03. 18:15 (OmU, Zum feministischen Kampftag)

Waltz with Bashir
ISR/F/D 2008, R: Ari Folman, 87 min

Mehrfach preisgekröntes, intensives und kluges filmisches Experiment als subjektive Aufarbeitung der unsäglichen Grausamkeiten, die 1982 in den Palästinenserlagern Sabra und Shatila verübt wurden.

Passage-Kinos, 13.03. 19:00 (OmU, Psychoanalyse trifft Film mit Einführung)


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