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Film

Oscarwoche

Die Kinostarts der Woche

  Oscarwoche | Die Kinostarts der Woche  Foto: Jean-Louis Fernandez


Am Sonntag werden die Oscars verliehen – und die Leipziger Kinos zeigen noch einmal eine Vielzahl der nominierten Filme. Der vielversprechendste Kandidat, Paul Thomas Andersons »One Battle after another«, ist ebenso wie Yorgos Lanthimos’ »Bugonia« in der Kinobar, im Luru und in der Schauburg zu sehen, »Blood & Sinners« gibt es in der Schaubühne und der Schauburg, »Marty Supreme«, »Sentimental Value« und »Hamnet« laufen eh noch auf vielen Leinwänden der Stadt. Wer die nominierten animierten Kurzfilme vor der Verleihung sehen will, geht am Sonntagabend in die Schaubühne. In der Kinobar laufen sie am Dienstag nochmal. Einen anderen Oscar sollte man sich diese Woche aber ebenfalls nicht entgehen lassen …


Filme der Woche


»A Poet« (KOL/D/SWE 2025, R: Simón Mesa Soto, D: Ubeimar Rios, Rebeca Andrade, Guillermo Cardona, 123 min)

Oscar Restrepo ist eine tragische Gestalt. Als Dichter ist er ebenso erfolglos wie in seiner übrigen Existenz. Seiner Tochter Daniela, die bei seiner Ex-Frau lebt, ist er peinlich. Seine Dichterkollegen belächeln ihn. Das Geld ist knapp, sein Wohnsitz bei seiner Mutter auch keine Lösung. Oscar nimmt notgedrungen einen Job als Lehrer an, um seiner Tochter die Uni zu finanzieren. Dort trifft er auf die 15-jährige Yurlady, die ihre Gedanken in Versen und Zeichnungen festhält. Oscar ist fasziniert und meldet das Mädchen bei einem Dichterwettbewerb an, um ihr eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Doch Yurlady lebt in einer Familie, die wenig von Oscars Ambitionen hält. Und überhaupt ist Yurlady überhaupt nicht scharf auf Ruhm und Ehre. Hier entwickelt sich kein »Good Will Hunting«, keine Geschichte davon, wie beide durch diese Begegnung auf den Pfad der Läuterung gelangen. Autor und Regisseur Simón Mesa Soto unterläuft diese Erwartungen und erzählt stattdessen eine aufrichtige, lebensnahe Geschichte von unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen und Lebensentwürfen. Oscar ist im Grunde seines Herzens ein guter Mensch, der sich jedoch durch seine Sturheit immer tiefer in die eigene Misere reitet. Ubeimar Rios spielt ihn körperlich brillant zwischen Selbstmitleid und Selbstüberschätzung. Wie er sich windet, um sein Leben auch nur einen Zentimeter vorwärts zu bewegen, ist eine tragikomische Freude. Mit seinem rauen, kantigen Charme gewinnt der kolumbianische Film nicht nur das Herz der Jury in Cannes. LARS TUNÇAY

ab 12.3. Passage-Kinos, Schaubühne Lindenfels



»Nouvelle Vague« (F 2025, R: Richard Linklater, D: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, 106 min)

Im Spätsommer 1959 dreht der bis dahin als Filmkritiker tätige Jean-Luc Godard einen Krimi, der Filmgeschichte schreiben und diese nachhaltig beeinflussen wird. »Außer Atem« avanciert zum Aushängeschild der »Nouvelle Vague« getauften, innovativen Art und Weise, Filme zu erschaffen und zu erzählen – mit Handkameraeinsatz, improvisierten Dialogen und fragmentierter Handlung. US-Regisseur Richard Linklater, dessen Werke wie die »Before …«-Trilogie oder »Boyhood« maßgeblich hiervon beeinflusst sind, setzt nun nicht nur »Außer Atem« und allen daran Beteiligten, sondern gleich der gesamten cineastischen Umbruchsära um 1960 herum ein Denkmal, wenn er die Dreharbeiten zu jenem Meilenstein nachstellt und einfängt, natürlich in Schwarz-Weiß und im Format 1,37:1 wie einst. Dabei geben sich im Minutentakt Godards Kollegen wie François Truffaut, Claude Chabrol und Éric Rohmer ein Stelldichein, während der despotische, aber nie bösartige, geniale Regisseur die aufstrebende US-Schauspielerin Jean Seberg an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treibt und ihr Co-Star, ein gewisser Jean-Paul Belmondo, lächelnd und lässig durchzieht. Und das Schönste daran ist: Linklaters Film kommt authentisch und voller Namedropping, Anekdoten und ikonischer Bilder daher, bereitet aber erstaunlicherweise auch dann viel Vergnügen, wenn man nahezu nichts über die Nouvelle Vague und ihr Drumherum weiß. PETER HOCH

ab 12.3. Passage-Kinos, Schaubühne Lindenfels


»Good Luck, have Fun, don’t die« (USA/D 2025, R: Gore Verbinski, D: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, 134 min)

Neun Jahre ist es her, dass Gore Verbinski zuletzt auf dem Regiestuhl saß. In der ersten Dekade der 2000er war jeder seiner Filme ein Ereignis. Ob »The Mexican«, das »Ring«-Remake oder die »Fluch der Karibik«-Filme – Der Name Gore Verbinski stand für großes und erfolgreiches Hollywoodkino. Nach dem großartigen Animations-Western »Rango« landete er allerdings mit »Lone Ranger« einen künstlerischen Flop, der auch kommerziell unter den Erwartungen blieb. Mit »A Cure For Wellness« folgte eine kleinere Produktion, die komplett in Deutschland realisiert wurde. Dann wurde es ruhig um den Regisseur. Für »Good Luck, Have Fun, Don’t Die«, bei dem die Constantin erneut im Boot ist, griff er nun auf ein Drehbuch von Matthew Robinson (»Love And Monsters«) zurück. Dabei ließen sich die Filmemacher offensichtlich vom Erfolg von »Everything Everywhere All At Once« beflügeln.
Wobei der Typ (Sam Rockwell), der um Punkt 10 nach 10 das Diner betritt aussieht wie ein Obdachloser, zauselbärtiger James Cole aus »Twelve Monkeys«. Voll verkabelt unter dem Plastikmantel mischt er die Gäste auf und macht ihnen nachdrücklich klar, dass er aus der Zukunft kommt und die Menschheit vor dem Untergang retten will. Eine übermächtige KI wird die Herrschaft übernehmen und es ist an ihm und einer Gruppe Freiwilliger, dies zu verhindern. In kurzen Rückblenden verlässt die Handlung immer wieder den Ort der Handlung und zeigt, welche aberwitzigen Ereignisse die Auserwählten an diesem Abend dorthin geführt haben. Dabei verliert der Film etwas den irren Schwung, den Rockwells Eröffnungsmonolog vorlegt. Die ausdrückliche Kritik daran, wie die Technik unser Leben übernimmt, sorgt aber immer wieder für phantasievolle Wendungen. Langweilig wird es also auf keinen Fall. Das Ende ist allerdings etwas effektüberladen. Das geht auf Kosten des zwischenmenschlichen Faktors eines hervorragend aufgelegten Ensembles. LARS TUNÇAY

ab 12.3. Passage-Kinos, Cineplex, Regina-Palast


Weitere Filmtermine der Woche


»After Dreaming« (ARM/USA/MEX 2025, R: Christine Haroutounian, D: Veronika Poghosyan, Davit Beybutyan, 105 min)
Ein Soldat führt eine junge Frau durch das vom Krieg gezeichnete Armenien und verschweigt ihr ein Geheimnis. Ihre Reise wird zu einer surrealen Erkundung nationaler Mythen und der Realitäten des andauernden Konflikts.

Schaubühne Lindenfels, 15.03. 18:00 (OmeU)


»Außer Atem« (F 1960, R: Jean-Luc Godard, D: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Jean-Luc Godard, 90 min)
Jean-Luc Godards stilprägenden Klassiker der Nouvelle Vague im Doppel mit Richard Linklaters Making of.

Passage-Kinos, 15.03. 20:15 (Double-Feature mit »Nouvelle Vague« um 18:15 Uhr)


»Blue Moon« (USA/IRL 2025, R: Richard Linklater, D: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Bobby Cannavale, 100 min)

Richard Rogers und Lorenz Hart schufen unvergessene Hits und mehr als 500 Songs für zahlreiche Musicals. Richard Linklater schildert den Abgang des alkoholabhängigen Texters Lorenz Hart in einer messerscharf geschriebenen und glänzend gespielten Tragikomödie.

Passage-Kinos, 16.03. 20:30 (Arthouse-Preview, OmU)


»La Boum – Die Fete« (F 1980, R: Claude Pinoteau, D: Claude Brasseur, Brigitte Fossey, Sophie Marceau, 110 min)
Kultklassiker mit Sophie Marceau, Claude Brasseur, Engtanz und »Reality«.

Passage-Kinos, 15.03. 16:00 (Strick-Kino)


»Daido Moriyama – The Past is always new, the Future is always nostalgic« (J 2019, Dok, R: Gen Iwama, 108 min)
Dokumentation über den japanischen Fotografen Daido Moriyama und die Art und Weise, wie er seine Bilder so außergewöhnlich macht.

Luru-Kino in der Spinnerei, 17.3. 19 Uhr (24FPS – Fotografie im Film, OmU)


»A Girl walks home alone at Night« (USA 2014, R: Ana Lily Amirpour, D: Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh, 101 min)
In der iranischen Geisterstadt Bad City, einem Ort, der nach Tod und Einsamkeit riecht, sind sich die Bewohner der Stadt nicht bewusst, dass sie von einem einsamen Vampir verfolgt werden. Düstere Gesellschaftskritik im Gewand eines kunstvollen Vampirfilms.

Cinémathèque, 19.3. 21:30 Uhr (OmU)


»Die Jungfrauenmaschine« (D 1988, R: Monika Treut, D: Peter Kern, Ina Blum, Dominique Gaspar, 84 min)
Cinémathèque, 18.03. 21:30 (OmU)
Dorothee Müller, eine junge Hamburger Journalistin, recherchiert das endlose Thema romantische Liebe. Eine erotische Satire aus weiblich-emanzipatorischer Sicht.


»Das Mädchen, das durch die Zeit sprang« (J 2006, R: Mamoru Hosoda, 98 min)
Wunderbares, witziges und anrührendes Anime um eine Schülerin, die eines Tages ihre Fähigkeit, durch die Zeit zurückzuspringen, entdeckt.

Cineplex, 19.3. 20:30 Uhr (Anime-Highlights)


»La misteriosa mirada del Flamenco« (CHL/F/D/E/B 2025, R: Diego Céspedes, D: Tamara Cortés, Matías Catalán, Paula Dinamarca, 104 min)
Die elfjährige Lidia lebt mit ihrer geliebten Familie in einer Wüstenbergbaustadt im Norden Chiles. Als eine unbekannte und tödliche Krankheit ausbricht, verbreitet sich die Legende, dass die Infektion zwischen zwei Männern durch einen einfachen Blick übertragen wird. Lidia macht sich auf den Weg, die Wahrheit herauszufinden.

Ost-Passage-Theater, 18.3. 20 Uhr (OmU)


»Next of Kin« (CAN, R: Atom Egoyan, D: Patrick Tierney, Berj Fazlian, Sirvart Fazlian, 70 min)
Da ein junger Mann unglücklich bei seinen lieblosen Eltern lebt, überzeugt er eine Familie armenischer Einwanderer, dass er ihr lange verschollener Sohn sei, und zieht bei ihnen ein, wodurch er das Leben aller Beteiligten verbessert.

Schaubühne Lindenfels, 16.3. 18:30 Uhr (OmeU, Retrospektive Atom Egoyan)


»No Bears« (IRN 2022, R: Jafar Panahi, D: Naser Hashemi, Jafar Panahi, Vahid Mobasseri, 107 min)
Zwei parallel erzählte Liebesgeschichten, in denen die Liebenden von versteckten, unausweichlichen Hindernissen, der Kraft des Aberglaubens und den Mechanismen der Macht bedrängt werden.

Cineding, 14.03. 19:00 (Jafar-Panahi-Doppel mit Einführung, OmU)


»The Secret Agent« (BRA/F/NL/D 2025, R: Kleber Mendonça Filho, D: Wagner Moura, Maria Fernanda Cândido, Gabriel Leone, 158 min)
1977 flieht ein Technologieexperte aus einer mysteriösen Vergangenheit und kehrt auf der Suche nach Frieden in seine Heimatstadt Recife zurück. Bald wird ihm klar, dass die Stadt bei Weitem nicht der Zufluchtsort ist, den er sucht. Ungewöhnlicher Agententhriller, der die Erwartungen gekonnt unterwandert.

Kinder- und jugendärztlicher bzw. Jugendpsychiatrischer Dienst, 18.3. 16:45 Uhr


»Shorts Attack: Oscar Shorts Animation 2026« 

Die nominierten animierten Kurzfilme der Oscars 2026.

15.3. 20:15 Uhr (OmU), Schaubühne Lindenfels
17.3. 20:15 Uhr (OmU), Kinobar Prager Frühling


»Waltz with Bashir« (ISR/F/D 2008, R: Ari Folman, 87 min) 

Mehrfach preisgekröntes, intensives und kluges filmisches Experiment als subjektive Aufarbeitung der unsäglichen Grausamkeiten, die 1982 in den Palästinenserlagern Sabra und Shatila verübt wurden.

Passage-Kinos, 13.03. 19:00 (OmU, Psychoanalyse trifft Film mit Einführung)

»Your Name« (J 2016, R: Makoto Shinkai, 110 min)
Mitsuha, eine gelangweilte Teenagerin vom Lande, und Taki, ein gestresster Jugendlicher aus Tokio, wachen eines Tages im Körper des jeweils anderen auf. Erfolgs-Anime von Makoto Shinkai.

Cineplex, 20.3. 18 Uhr (Anime-Highlights)





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