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Kultur

Von Filmen und Büchern

Die Kinotipps der Woche

  Von Filmen und Büchern | Die Kinotipps der Woche  Foto: Mubi


Die Buchmesse ist in der Stadt und die Kinos machen mit: Das Cineplex zeigt eine Reihe mit Animes für die Besucherinnen und Besucher der Manga Comic Con, die Schaubühne Lindenfels Tatjana Turanskyjs »Top Girl« mit szenischer Lesung und auch in der Kinobar und der Passage sind Autoren zu Gast im Kino.


Film der Woche:

La Grazia
I 2026 R: Paolo Sorrentino, D: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, 133 Min.

Die Charaktere aus den Filmen von Paolo Sorrentino (»La Grande Belezza – Die große Schönheit«) hadern mit ihrer irdischen Existenz in einer verführerischen Welt des Scheins. Ob als Andreotti (»Il Divo«) oder Berlusconi (»Loro«): Die schillernden Figuren der italienischen Politik, die Sorrentino immer wieder ins Zentrum seiner Filme stellt, werden stets genial verkörpert von Toni Servillo. Auch in ihrer erneuten Zusammenarbeit spielt Servillo einen Politiker: Den fiktiven, alternden Präsidenten der Republik. Der alte »Betonkopf« steht kurz vor der Pensionierung. Während er ein letztes Mal versucht, seinen Ruf für die Nachwelt zu definieren, ist seine Tochter und Beraterin engagiert, seine Unterschrift unter das Euthanasiegesetz zu bekommen. Der Präsident hadert mit sich selbst, seiner verstorbenen Frau und den Entscheidungen. Ist Ugo Romani wirklich der Richtige für seine Nachfolge? Und wer hat seine Worte der Begnadigung wirklich verdient? Wie immer hüllt das Daria D'Antonio hinter der Kamera in berauschende Bilder, von denen jedes einzelne gerahmt an die Wand gehört. Die Drehorte sind exquisit, der Aufwand beträchtlich. Auch wenn Sorrentino hier also dieselben Motive des hadernden Abgangs bedient, hat auch »La Grazia« eine gewisse Grazie. Ein manchmal etwas prätentiöser Sinnesschmaus mit hintergründigem Humor.

»La Grazia«: ab 19.3. Passage-Kinos, Luru-Kino in der Spinnerei


On the Border – Europas Grenzen in der Sahara

AT/CH/D 2024 R: Gerald Igor Hauzenberger, Gabriela Schild 103 Min.

Als der Österreicher Gerald Igor Hauzenberger und die Schweizerin Gabriela Schild loszogen, um einen Film über die Sahara zu drehen, konnten sie vielleicht noch nicht ahnen, dass sie Zeugen einer historischen Umwälzung werden. Aus ihrem Filmprojekt entwickelte sich eine Langzeitbeobachtung, die ihren Anfang im Jahr 2018 nahm. In klugen, reflektierten Worten führt sie Rhissa Feltou durch das Grenzgebiet im Norden Nigers. Der Bürgermeister Agadez berichtet von den Auswirkungen, die der Druck der EU auf die europäischen Außengrenzen hat. Seit 2015 ist es streng verboten, Ausländer ohne Arbeitserlaubnis ins Land zu holen. Wer erwischt wird, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu 25 Jahren. Doch die Tuaregs transportieren seit Generationen Menschen durch die Sahara, lange bevor es Grenzen gab. Durch das Verbot ist ein kompletter Geschäftszweig weggebrochen. Die grassierende Arbeitslosigkeit vor allem unter der jungen Bevölkerung ist ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung und Kriminalität. Alternativen wurden versprochen, aber nie eingelöst. Deutsche Truppen und die der UN sollen vor Ort für die Ausbildung der Sicherheitskräfte sorgen. Die Amerikaner haben einen Stützpunkt in Agadez. Das Dröhnen der Aufklärungsdrohnen ist Tag und Nacht zu hören. Sicherer ist die Region deshalb nicht geworden. Tag für Tag kommen Pickups und Lastwagen voll mit Menschen an, die aufgrund von Hunger und Krieg ihre Heimat verlassen mussten. Hauzenberger und Schild reisen mehrfach nach Niger, in die sogenannte Hochrisikozone. Sie sprechen mit den Menschen und lassen sie auch nicht im Stich, als das Militär die Macht ergreift und die Europäer das Land verlassen müssen. Ihre beeindruckend beharrliche dokumentarische Arbeit, die von einem tiefen Verständnis für das Land und seine Bewohner zeugt, endet 2023. Doch die Geschichte ist damit längst nicht auserzählt.

»On the Border – Europas Grenzen in der Sahara«: 19., 22.3., Luru-Kino in der Spinnerei


Maysoon

D 2026 R: Nancy Biniadaki, D: Sabrina Amali, Florian Stetter, Susanne Bormann, 121 Min.

Maysoon (Sabrina Amali) und ihr Partner Tobi (Florian Stetter) verbringen mit ihren beiden Kindern einen idyllischen Tag am See. Doch die Idylle trügt. Man spürt, dass sie sich auseinandergelebt haben. Tobi ist immer öfter länger im Büro, Maysoon meist allein mit dem Alltag. Als er eines Abends spät nach Hause kommt und gleich ins Bett verschwinden will, stellt ihn Maysoon zur Rede. Es kommt, wie es kommen muss: Tobi gesteht ihr eine Affäre und Maysoon verliert jeden Halt. In der Wut, Trauer und Verzweiflung hat sie sich selbst nicht mehr unter Kontrolle. Hinzu kommt, dass sie ihren Aufenthaltsstatus erneuern muss. Doch bei der Flucht aus Ägypten hat sie alle Dokumente zurückgelassen und ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit hindert sie daran, mit ihrer Familie Kontakt aufzunehmen. Eine Menge Stoff hat sich Nancy Biniadaki da für ihr Spielfilmdebüt vorgenommen. Amali und Stetter spielen das Beziehungsdrama intensiv und überzeugend. Der Plot ist allerdings hoffnungslos überladen und der emotionale Ritt über zwei Stunden strengt an.

»Maysoon«: ab 12.3. Luru-Kino in der Spinnerei


Weitere Filmtermine der Woche

A Girl Walks Home Alone At Night
USA 2014, R: Ana Lily Amirpour, D: Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh, 101 min

In der iranischen Geisterstadt Bad City, einem Ort, der nach Tod und Einsamkeit riecht, sind sich die Bewohner der Stadt nicht bewusst, dass sie von einem einsamen Vampir verfolgt werden. Düstere Gesellschaftskritik im Gewand eines kunstvollen Vampirfilms.

Cinémathèque, 19.03. 21:30 (OmU), 26.03. 19:00 (OmU)

Akten des Missbrauchs 
D 2026, Dok, R: CORRECTIV, 120 min

Doku über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.

Luru-Kino in der Spinnerei, 20.03. 19:00 (anschließend Q & A mit Anna Kassin und Marcus Bensmann, Premiere)


Beyond Eternity 
UAE/AT 2024, Dok, R: Arian Lehner, 60 min

Eine Architekturerkundung im Kontext von Klimawandel, Ressourcenknappheit, zirkulären Strategien, Immobilienspekulationen und Flüchtlingskrisen.

Kammerbüro Leipzig, 24.03. 18:00 (Architektur im Film, Vortrag & Film)


Chronos- Fluss der Zeit
D 2026, Dok, R: Volker Koepp, 200 min

Dokumentarfilmer Volker Koepp bereist Orte der Erinnerung in Osteuropa.

Kinobar Prager Frühling, 23.03. 17:00 (mit Regiegespräch, OmU)

Das Mädchen, das durch die Zeit sprang
J 2006, R: Mamoru Hosoda, 98 min

Wunderbares, witziges und anrührendes Anime um eine Schülerin, die eines Tages ihre Fähigkeit, durch die Zeit zurückzuspringen, entdeckt.

Kinobar Prager Frühling, 23.03. 17:00 (mit Regiegespräch, OmU)

Das Schloss im Himmel
J 1986, R: Hayao Miyazaki, 124 min

Das Mädchen Sheeta ist im Besitz eines magischen Kristalls, der den Weg nach Laputa weist, einem sagenumwobenen Schloss im Himmel. Meisterwerk des Animationsfilms von Hayao Miyazaki, vielschichtig, emotional und ungemein unterhaltsam.

Cineplex, 21.03. 18:00 (Anime-Highlights)

Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba Infinity Castle
J 2024, R: Haruo Sotozaki, Hikaru Kondô, 150 min

Erster Teil einer Film-Trilogie zur beliebten Anime-Serie. In der Festung der Dämonen – dem Infinity Castle, entbrennt der finale Kampf zwischen den Dämonenjägern und Dämonen.

Cineplex, 21.03. 20:30 (Anime-Highlights)


Pokémon Meisterdetektiv Pikachu
USA/J 2019, R: Rob Letterman, D: Bill Nighy, Ken Watanabe, Justice Smith, 100 min

Erster Pokémon-Realfilm, in dem Menschen und Monster Seite an Seite in einer hyperrealistischen Live-Action-Welt leben.

Cineplex, 22.03. 18:00 (Anime-Highlights)

Prinzessin Mononoke
J 1997, R: Hayao Miyazaki, 128 min

Prinzessin Mononoke lebt zusammen mit Wölfen in einem riesigen Wald. Doch die Zivilisation frisst sich immer weiter in die Natur hinein und die Menschen machen Jagd auf den mächtigen Waldgott. Mitten hinein in diesen Konflikt gerät der junge Krieger Ashitaka. In einer einnehmenden Abenteuergeschichte thematisiert Miyazaki die Umweltzerstörung und die Frage, ob es eine echte Koexistenz von Mensch und Natur geben kann.

Cineplex, 20.03. 19:45 (Anime-Highlights, mit Gast und Filmgespräch)

Your Name
J 2016, R: Makoto Shinkai, 110 min

Mitsuha, eine gelangweilte Teenagerin vom Lande, und Taki, ein gestresster Jugendlicher aus Tokio, wachen eines Tages im Körper des jeweils anderen auf. Erfolgs-Anime von Makoto Shinkai.

Cineplex, 20.03. 18:00 (Anime-Highlights)


Die Junfrauenmaschine
D 1988, R: Monika Treut, D: Peter Kern, Ina Blum, Dominique Gaspar, 84 min

Dorothee Müller, eine junge Hamburger Journalistin, recherchiert das endlose Thema romantische Liebe. Eine erotische Satire aus weiblich-emanzipatorischer Sicht.

Cinémathèque, 21.03. 19:00 (OmU)

Die Stimme von Hind Rajab
F/TUN/USA/GB/SA/CYP 2025, R: Kaouther Ben Hania, D: D: Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury, 90 min

Anhand der Originaltonaufnahmen der letzten Stunden von Hind Rajab wird der Kampf um das Leben des fünfjährigen Mädchens rekonstruiert – hochspannend und zutiefst berührend.

Ost-Passage-Theater, 25.03. 20:00


Król Dopalaczy
PL 2026, R: Pat Howl, D: Tomasz Włosok, Vanessa Aleksander, Łukasz Simlat, 117 min

Ein junger Mann sucht einen Ausweg aus der Krise des väterlichen Unternehmens in der Herstellung von Drogen.

Cineplex, 22.03. 17:00 (OmeU)

Horror-Doppel mit Donis: Primate (DF) / Link, der Butler (OmU)
USA / GB/USA 2025 / 1986, R: Johannes Roberts /, D: Johnny Sequoyah, Jess Alexander, Victoria Wyant / Elisabeth Shue, Terence Stamp, Steven Pinner, 192 min

Zwei Primaten-Horrorfilme nacheinander.

Luru-Kino in der Spinnerei, 25.03. 19:00

Family Viewing
CAN 1987, R: Atom Egoyan, D: David Hemblen, Aidan Tierney, Gabrielle Rose, 86 min

Van plant, seine vernachlässigte Großmutter aus dem Altersheim zu befreien, um vielleicht endlich auch ein richtiges Familienleben zu haben.

Schaubühne Lindenfels, 23.03. 20:30 (OmeU, Retrospektive Atom Egoyan)


Luru Archive: Allein gegen das Gesetz / Die linke Hand des Gesetzes
I 1972/1975, R: Eriprando Visconti / Giuseppe Rosati, D: Terence Hill, Martin Balsam, Paola Pitagora / Leonard Mann, James Mason, Stephen Boyd, 200 min

Zwei italienische Krimi-Reißer am Stück.

Luru-Kino in der Spinnerei, 23.03. 20:00


Picknick am Zonenrand

Filme der DDR-Underground-Filmgruppe FESA (feige sau) und der Band Freunde der italienischen Oper von 1985 bis 2025. Durch den Abend führt Ray van Zeschau.

Luru-Kino in der Spinnerei, 27.03. 19:00 (zu Gast Ray Van Zeschau)

Saint Omer
F 2022, R: Alice Diop, D: Kayije Kagame, Guslagie Malanda, Valérie Dréville, 123 min

Die dreißigjährige Rama trifft auf die senegalesische Mutter Laurence Coly, die vor einem Schwurgericht angeklagt wird, ihr Baby getötet zu haben. Das überzeugende Spielfilmdebüt gewann den Silbernen Löwen in Venedig.

Cinémathèque, 26.03. 21:15 (OmU, Tatorte)


Splitter aus Licht
D/UA/DK, Dok, R: Marcus Lenz, Mila Teshaieva, 93 min

Beginnend mit der Befreiung von Butscha folgt der Film fünf Charakteren, die ihr Leben durch Konflikte, Traumata und Hoffnung steuern.

Zeitgeschichtliches Forum, 26.03. 18:30 (mit Regiegespräch)


History of Sound
USA 2026, R: Oliver Hermanus, D: Josh O'Connor, Paul Mescal, Chris Cooper, 129 min

Lionel und David reisen im Winter 1920 durch das verschneite Maine, um traditionelle Volkslieder zu sammeln und für kommende Generationen zu bewahren.

Passage-Kinos, 25.03. 20:30 (OmU, QueerBLICK)

Top Girl oder la déformation professionnelle
D 2014, R: Tatjana Turanky, D: Julia Hummer, RP Kahl, 91 min

Drama über eine erfolglose Schauspielerin, die ihren Lebensunterhalt als Escort-Girl verdient.

Schaubühne Lindenfels, 22.03. 17:30 (davor um 16 Uhr szenische Lesung des Buches »Anleitung für eine Rebellion«)


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