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25. März: Weiter Wassersport für weiterführende Schulen

Schwimmunterricht oder kein Schwimmunterricht?

  25. März: Weiter Wassersport für weiterführende Schulen | Schwimmunterricht oder kein Schwimmunterricht?  Foto: Stefan Ibrahim

»Ich glaube es hat große Wellen geschlagen, das Thema Schwimmunterricht«, leitet Burkhard Jung die von den Ratsfraktionen eilig eingeforderte Stellungnahme seiner Jugendbürgermeisterin Vicky Felthaus ein. Die schaut etwas zerknirscht. Erst am Tag vor der Ratsversammlung hatte die LVZ berichtet, dass 33 weiterführende Schulen ihre beantragten Schwimmzeiten für das nächste Schuljahr nicht genehmigt bekommen. Das Amt für Schule hatte den betroffenen Schulen zuvor überraschend die Absagen zugeschickt.

Jetzt, nur einen Tag später, muss Felthaus die Kürzung wieder zurücknehmen. Das Schulamt habe »ein bisschen voreilig« gehandelt und damit 100.000 Euro einsparen wollen. Dass die Kürzung der Schwimmzeiten für Oberschulen und Gymnasien öffentlich verbreitet wurde, ohne über ihren Tisch gegangen zu sein, sei auch für sie ein »schwieriger Vorgang«, so Felthaus. »Diese Entscheidung ist nicht mit mir vorkommuniziert worden.« Es ist zu spüren, wie unangenehm ihr die Sache ist, eine interne Prüfung des Kommunikationsdesasters habe sie bereits veranlasst. Dem Schuldeingeständnis folgt die gute Nachricht: »Ich habe trotzdem entschieden, dass der Schwimmunterricht, so wie er momentan stattfindet, auch weiterhin stattfinden kann.« Erleichtertes Klopfen im Saal.

Nach Jung und Felthaus taucht auch CDU-Fraktionschef Michael Weickert zu Beginn seiner Rede rhetorisch in die Wassermetaphorik ein. Deshalb sollen hier alle Wassersprichwörter schonmal vorsorglich über Bord geworfen werden: Weder glättete Felthaus heute die Wogen, noch stand ihr das Wasser bis zum Hals und schon gar nicht kocht Jung auch nur mit letzterem. Aber zurück zu Weickert. Der hält sich gar nicht lange mit Felthaus auf, sondern kommt direkt zum knappen Haushalt. Der Stadtrat müsste sich irgendwann entscheiden, schließt er: »Ein Literaturhaus oder Schwimmunterricht.«

Dass es ein ungewöhnlicher Prozess ist, wenn Entscheidungen dieser Tragweite nicht mit der zuständigen Bürgermeisterin abgesprochen werden, wird auch Weickerts CDU-Kollege Falk Dossin wissen, als er noch einmal bei Felthaus nachhakt. Ob dies denn »übliches Verfahren« sei? Felthaus schüttelt den Kopf, Dossin freut sich, diese Antwort reiche ihm schon. Felthaus, die immer wieder mit undankbaren Entscheidungen zu Kitaschließungen oder aufgeschobenen Schulsanierungen Eltern gegen sich aufbringt, kann die erneute Aufmerksamkeit gerade nicht gebrauchen. Die Jugendbürgermeisterin hat gute Chancen, OB-Kandidatin ihrer Partei, der Grünen, zu werden.

Jetzt muss sie sich erstmal die fraktionsübergreifende Entrüstung über das Hin und Her der letzten Tage anhören. Anja Feichtinger (SPD) mahnt das »desaströse Bild nach außen« an, dass sich unterstützt durch Unterrichtsausfall und marode Schulen im schon eröffneten Oberbürgermeisterwahlkampf verfestigen könnte. Bei den Linken melden sich gleich drei Stadträte zu Wort. Enrico Stange spöttelt, Felthaus habe jetzt das Eigenleben der Verwaltung zu spüren bekommen. Cornelia Falken freut sich über die klare Aussage von Felthaus, ist aber »ein bisschen erschrocken, was da in ihrem Haus los ist«. Und Parteifreund Marco Götze stellt grundsätzlich infrage, ob sich Einsparungen bei den Schwimmhallenmieten wirklich rechneten. Das Geld würde sonst nach dem Prinzip »linke Tasche, rechte Tasche« bei den Leipziger Sportbädern fehlen – einem städtischen Tochterunternehmen.


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