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25. März: Ein Recht auf Späti

Wie lange darf der Späti öffnen?

  25. März: Ein Recht auf Späti | Wie lange darf der Späti öffnen?  Foto: Stefan Ibrahim

Was wäre Leipzig ohne Spätis? Ein Horrorszenario, eigentlich will man gar nicht weiter drüber nachdenken. Immerhin handelt es sich bei Spätis um Treffpunkte im Kiez, Orte, an denen die verschiedensten Menschen miteinander in den Austausch treten können – manchmal ist sogar der ein oder andere Stadtratspolitiker dabei (aber dazu später mehr). Gerade Spätis, diese Bollwerke der Nahversorgung, haben jedoch besonders mit Einschränkungen durch das Sächsische Ladenöffnungsgesetz zu kämpfen. Während das nämlich Tankstellen und Lieferdiensten den Verkauf von »Waren des täglichen Bedarfs« bis nach Mitternacht erlaubt, wird beim Verkauf dieser Produkte in Spätis die Grenze schon um 22 Uhr gezogen – mit bestimmten Ausnahmen. Eine unfaire Behandlung dieser kleinen Wirtschaftsbetriebe, heißt es im Antrag der Grünen. Deshalb soll der Oberbürgermeister beauftragt werden, gegenüber dem Freistaat Sachsen auf eine Gesetzesänderung hinzuwirken. Das Ziel: Mehr Rechtssicherheit für den Spätibetrieb. Immerhin seien Spätis für viele Menschen nicht nur ein Vorteil, sondern eine Notwendigkeit, wie Anne Vollerthun (Grüne) betont. Unterstützt wird sie dabei von Juliane Nagel (Linke) und Katharina Subat (Die Partei), die sich prompt in eine Ode an den Späti versteigt: Spätverkauf sei immerhin eine Institution, ein Ort der friedlichen Begegnung, schlicht: »Ein Grundpfeiler der urbanen Zivilisation«. Deshalb soll nicht nur an den Öffnungszeiten geschraubt, sondern gleich ein Tag des Spätis ausgerufen werden. Man könne einen verkaufsoffenen Sommersonntag organisieren, malt Subat an ihrer Utopie, an dem ganz Leipzig zu den Spätis pilgert, um Chips zu essen und zu »rauchen, rauchen, rauchen«. Danilo Streller (BSW) hat einen Alternativvorschlag: Statt Öffnungszeiten für Spätverkäufe zu erweitern, plädiert er dafür, die von anderen Verkaufsstellen einfach zu verkürzen – bayerische Verhältnisse. Das würde nicht nur Spätis nutzen, sondern auch andere Arbeitnehmende entlasten, so das Argument. Unterstützung findet das Späti-Maßnahmenpaket dagegen bei Lucas Schopphoven (CDU), der sich selbst als Spätverkauf-Enthusiast outet. Er spreche als Privatperson, stellt er klar, und »Wer mich kennt, weiß: Ich bin Spätigänger«. Man kenne ja die Kneipenpreise, »da setz ich mich lieber mit einem Bier vor den Späti«. Ob er ihm deshalb Geld spenden solle, schlägt Enrico Stange (Linke) saalseitig vor. Doch Schopphoven, im Späti-Bliss, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: »Ich bin da, wo die Leute sind, Enrico – das kennst du nicht«.

Als es schließlich zur Abstimmung kommt, wird Jung mit 42 zu 18 Stimmen und drei Enthaltungen beauftragt, sich auf Landesebene für neue Regelungen für Spätverkaufsstellen einzusetzen. Damit ist die These, dass Spätis Menschen zusammenbringen, zumindest für den Stadtrat bewiesen.


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