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Sport

»Das Ringer-
Outfit war einfach nicht so cool«

Judoka Lenny Burk lässt kein großes Turnier aus und fährt dafür um den Globus

  »Das Ringer-
Outfit war einfach nicht so cool« | Judoka Lenny Burk lässt kein großes Turnier aus und fährt dafür um den Globus  Foto: Thomas Wetzel

Der 21-jährige Lenny Burk ist deutscher Meister im Judo und kämpft bereits jetzt auf internationalem Parkett (bzw. Mattenboden). Zwischen Potsdam, Leipzig, Tiflis und Ulan-Bator nahm er sich Zeit, um mit uns über sein Leben als Leistungssportler zu sprechen – und darüber, wie sein Weg dahin durch eine Kleiderwahl entschieden wurde.


Wie sieht das Leben des Leistungssportlers Lenny Burk gerade aus?

Eigentlich habe ich nie eine Offseason. Gerade bin ich zum Beispiel im olympischen Trainingscamp in Nymburk. Am kommenden Dienstag fliege ich nach Georgien, um dort am Freitag beim Grand Slam zu kämpfen. Dann muss ich am Sonntag wieder zurückfliegen und nächsten Freitag weiter nach Kroatien und dort kämpfen. Da kommen schon viele Sachen zusammen. Bundesliga an den Wochenenden hätte ich auch noch, aber die fällt dann meistens sogar hinten über. Unter der Woche habe ich natürlich jeden Tag Training in Potsdam.

Sie sind aber eigentlich Mitglied beim Judoverein Randori Leipzig-West?

Ja genau, das muss man beides separat betrachten: In Leipzig habe ich meinen normalen Verein, in dem ich schon immer Mitglied bin. Auf höherem Niveau spielt der aber eigentlich keine Rolle mehr. In Potsdam bin ich seit Oktober 2024 beim Bundesstützpunkt der Nationalmannschaft. Da wohne ich unter der Woche und mache in der Regel auch alle Einheiten. Das hat vor allem den Vorteil, dass ich im Bundeskader starke Partner habe, mit denen ich trainieren kann.

Gibt es einen Alternativplan zum Leistungssport Judo?

Ich studiere nebenbei Sportmanagement, aber ich muss ehrlich sagen: Aktuell liegt mein Fokus einfach hundert Prozent auf Judo. Deswegen schaffe ich es zeitlich eigentlich kaum, in die Uni zu gehen. Zum Beispiel war in einem Semester montags um 18 Uhr eine Anatomie-Vorlesung. Genau zu der Zeit habe ich aber immer Training. Als ich dann zu oft gefehlt habe, haben sie mich durchfallen lassen. Da macht man schon ein Sportstudium und fällt durch, weil man zu viel Sport macht. (lacht)

Wie kamen Sie zum Judo?

Meine Mama hat früher als Kind hobbymäßig Judo gemacht, mein Papa war Leistungssportler im Ringen. Dadurch hat dieser Kampfsportrahmen schon irgendwie festgestanden. Als ich dann ein bisschen älter wurde, haben die beiden mir ein paar Videos von ihren Disziplinen gezeigt. Und ich muss sagen, da fand ich das Ringer-Outfit einfach nicht so cool wie den Judo-Anzug. Also habe ich mich mit fünf Jahren für Judo entschieden.

Nach dem Wechsel aus der Jugend in den Männerbereich sind Sie direkt deutscher Meister geworden. Wie war das?

An sich habe ich mir im Vorfeld nicht so viel Druck gemacht, aber als ich dann da war, war ich schon sehr aufgeregt. Vor allem wusste ich, dass ich in der vierten Runde an meinem Trainingspartner Martin Setz vorbeimuss. Der war bis dahin die deutsche Nummer eins. Als ich ihn dann über die Verlängerung mit einem Wurf schlagen konnte, wusste ich: Heute ist alles möglich und heute kann mich niemand mehr stoppen.

Dabei hat sicherlich Ihr Kampfstil eine große Rolle gespielt. Wie sieht der aus?

Ich würde sagen, ich habe einen relativ unorthodoxen Stil. Im Vergleich zu vielen anderen setze ich weniger auf Kraft und diese komplette Explosivität. Dafür komme ich sehr viel über die Ausdauer in der Verlängerung. Meine Kämpfe gehen also oft ziemlich lange, aber durch meine gute Kondition – da muss ich mich selbst mal loben – kann ich viele davon am Ende für mich entscheiden. Außerdem bin ich mit meinen 1,79 Meter relativ groß und kann gut über meine Gegner drüber greifen und sie am Boden festhalten.

Bei all dem Training und all den Wettkämpfen (und ein bisschen Uni): Bleibt da noch Zeit für andere Dinge?

Ich muss ehrlich sagen, unter der Woche in Potsdam unternehme ich echt wenig. Erstens bin ich nach dem Training einfach immer sehr k. o. und zweitens bin ich auch nicht mehr in meinem gewohnten Umfeld in Leipzig. Gerade der Anfang in Potsdam war ziemlich hart. Mittlerweile habe ich mich aber besser eingelebt und fühle mich wohler. Ab und zu treffe ich mich mal mit ein paar Kumpels und wir gehen was essen oder kochen zusammen. Ich nutze aber eher die Wochenenden, an denen ich in Leipzig bin, um mit meinen alten Freunden irgendwas zu unternehmen.

Was sind die nächsten sportlichen Ziele?

Das größte Ziel ist die Teilnahme an der Olympiade 2028. Dafür muss ich meine körperlichen Fähigkeiten noch etwas ausbauen, um dann für die Quali-Turniere nominiert zu werden. Das erste dieses Jahr wäre der Grand Slam in Ulan-Bator.

Wie blicken Sie auf den Bundesliga-Kampftag am 12. April in Leipzig?

Dadurch, dass der Kampftag über die Bundesliga läuft, sind das Konzept und meine Rolle ein bisschen anders. Da kämpfe ich als Gaststarter mit der Mannschaft vom Judoclub Leipzig und es gibt in der ganzen Halle nur eine Matte. Das heißt, alle Augen sind auf dich gerichtet und das setzt mich meistens ein bisschen unter Druck. Auf der anderen Seite freue ich mich auf den Tag. Meine Eltern werden da sein und das Teamgefühl mit der Mannschaft ist halt auch total geil. 


> Heimkampftag: 12.4., 11.30 Uhr, Brüderstr. 15, 04103 (Zentrum-Südost)


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