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Editorial

Der Mai-kreuzer ist da!

Das Editorial

  Der Mai-kreuzer ist da! | Das Editorial  Foto: Christiane Gundlach/Chris Schneider

»Als Chefredakteur einer großen Zeitung mit vielen Untergebenen, die mir meinen Kaffee bringen« – das schrieb ich im Mai 2011 in meine Abizeitung auf die Frage »Wo siehst du dich in zehn Jahren?«. Nun haben die unter Ihnen, die schnell rechnen können, schon gemerkt, dass seitdem bereits 15 Jahre vergangen sind. Und das ist nicht die einzige Ungenauigkeit meiner Vision: Ob man den kreuzer als große Zeitung bezeichnen kann, sei dahingestellt, das allerbeste Stadtmagazin ist er allemal. Sicher bin ich mir, dass ich eine Chefredakteurin bin und kein Chefredakteur (aber Gendern war schon vor 15 Jahren in Bayern nicht in). Und zum Glück habe ich keine Untergebenen unter, sondern Kolleginnen und Kollegen neben mir. Der Ausdruck war wohl einerseits meinem Versuch geschuldet, lustig zu wirken, und gleichzeitig der fatalen Vorstellung, dass ein Chefredaktionsposten vor allem mit Prestige und Macht einhergeht.

In diesem April habe ich gelernt, was ich vorher nur aus sicherer Entfernung beobachtet hatte: dass der Posten vor allem mit viel Verantwortung, vielen Entscheidungen und viel Arbeit einhergeht. Und: dass der kreuzer eben doch ein seit über 30 Jahren gut funktionierender Dampfer ist, der unermüdlich Richtung neue Ausgabe tuckert. Wenn ich in diesen Wochen panisch feststellte, dass ich einen Text vergessen hatte einzuplanen oder es mit dem Interview des Monats knapp werden könnte, konnte ich mich immer auf aufmunternde Worte und die Tatkraft der Redaktion verlassen. Oder ab unserem Redaktionsschluss am 10. April auf den Leitsatz des ab nächstem Monat wieder übernehmenden Chefredakteurs: »Ist ja erst der 11./12./13. eines Monats …«

Dieses Gemeinschaftsprodukt halten Sie jetzt also in Händen. Mit einer Titelgeschichte über psychische Gesundheit und Menschen, die sich dafür einsetzen, Betroffenen zu helfen und ihre Perspektiven in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Mit Neueröffnungen und Neuentdeckungen und alten Bekannten. Durchblättern lohnt sich – das kann ich dieses Mal mit noch mehr Gewissheit sagen als sonst, habe ich doch das erste Mal einen kreuzer von hinten bis vorne komplett gelesen.

Das alles hätte sich die 18-jährige Maika wohl nicht träumen lassen. Mit fünf Jahren Verspätung kann ich ihr sagen: Es hat geklappt. Kaffee gab es übrigens auch genug – manchmal sogar zum Schreibtisch gebracht von netten Kolleginnen und Kollegen.


Maika Schmitt

chefredaktion[at]kreuzer-leipzig.de


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