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Fünf mal Grünau

Einblicke aus dem Gespräch mit Birk Poßecker zur kommenden Doku-Serie »Grünau 50«

  Fünf mal Grünau | Einblicke aus dem Gespräch mit Birk Poßecker zur kommenden Doku-Serie »Grünau 50«  Foto: Screenshot Grünau 50

Man könnte den Eindruck bekommen, dass der Leipziger Filmemacher Birk Poßecker im Drehen von Dokumentationen zu Stadtteilen seiner Heimatstadt eine persönliche Passion gefunden hat. Nach dem großen Überraschungserfolg seines letzten Films »Hütten sind für alle da« vor zwei Jahren legt Poßecker diesmal den Fokus auf den Leipziger Westen.

Wo es im Vorgänger noch darum ging, den Menschen rund um die Eisenbahnstraße eine Stimme zu geben, tritt im neuen Projekt Grünau ins Rampenlicht - wie der Titel »Grünau 50« erahnen lässt: pünktlich zum 50. Geburtstag der »Stadt in der Stadt«. Eine Freundin schlug Poßecker vor, eine Dokumentation zum Jubiläum zu drehen. Nur wenig später bekundeten auch Vertreterinnen der Stadt ihr Interesse an einem solchen Projekt. Im Rahmen einer offenen Ausschreibung, bei der nach Filmprojekten zu Grünau gesucht wurde, konnte Poßeckers Konzept letztendlich überzeugen: eine Doku-Mini-Serie mit fünf circa zehnminütigen Episoden - 50 Minuten Dokumentation, für 50 Jahre Grünau.

Birk Poßecker geht es dabei vor allem darum, Grünau vorurteilsfrei zu begegnen und bewusst Klischees zu brechen. Das Image von Grünau als sozialer Brennpunkt besteht laut Poßecker aus »mehr Meinung als Realität« und sei generell veraltet.

Um ein authentisches Bild des Stadtteils zeichnen zu können, war Poßecker etwas mehr als ein Jahr in Grünau unterwegs. Teilweise lebte er hier auch in einer Arbeitswohnung, die ihm von der Wohnungsgenossenschaft Lipsia auf Anfrage bereitgestellt wurde. »Das war für mich schon eine Voraussetzung. Wenn ich über längere Zeit einen Stadtteil begleite, dann möchte ich dort auch eintauchen und den Alltag wirklich erleben«, erklärt Poßecker seinen Ansatz. Der kam wohl auch bei den Menschen in Grünau gut an - die ihn mit offenen Armen empfangen hätten. Der Erfolg und die positiven Stimmen zu »Hütten sind für alle da« habe in seinen Augen dazu auch einen großen Beitrag geleistet. Gern denkt Poßecker an die positiven Erfahrungen mit den Anwohnerinnen und Anwohnern zurück: »Da wurden Sachen gesagt, die glaubt mir keiner, weil da über Grünau geschwärmt wird. Das passt oft gar nicht zu dem Bild, dass viele von außen haben.« Dennoch erlebte Poßecker in diesen Gesprächen auch immer wieder Frust. Das Projekt »Grünau 50« legt seinen Fokus trotzdem auf positive Geschichten aus dem Stadtteil: »Ich habe da ein gutes Gewissen, viele positive Sachen zu zeigen, weil ich das so erlebt habe und auch so sehe.« Und es stimmt, die die einzelnen Episoden von »Grünau 50« lassen sich guten Gewissens als Feelgood bezeichnen.

Poßecker porträtiert dieses Mal einen demografisch älteren Stadtteil. Einige, die interviewt wurden, leben bereits seit dem Erstbezug zu DDR-Zeiten in Grünau. Die Doku erzählt die gemeinsame Geschichte des Stadtteils und seiner Menschen, schaut dafür auch auf die Anfänge zurück: Zwischen Aufnahmen aus Poßeckers Streifzügen mit der Kamera wird in der ersten Episode immer wieder Archivmaterial geschnitten. In den folgenden Episoden wird der Blick jedoch deutlich stärker auf das Hier und Jetzt gerichtet, ohne die etablierten Protagonisten aus dem Auge zu verlieren. Nur reden die Rentnerinnen nicht mehr über DDR - Zeiten, stattdessen begleitet die Kamera sie zu Senioren-Hip-Hop-Kursen oder zum Eisbaden im Kulki. Ein weiterer Fokus der Dokumentation liegt auf der jungen Bevölkerung Grünaus. Eine gewisse Dualität aus Alt und Neu passt gut zum Stadtteil, denn auch die Bevölkerungsverteilung der Jugendlichen in Grünau liegt leicht über dem städtischen Durchschnitt. Ein Highlight der Episoden sind so auch immer wieder Szenen der Kids vom Workshop der »Poeten«, einem Grünauer Filmschauspiel-Workshop für Jugendliche, deren Begeisterung ansteckend ist (s. kreuzer 1/2024). Birk Poßecker beschreibt seine Dokumentation als »bunten Strauß aus Geschichten« und so treten immer wieder neue Menschen in den Vordergrund. Egal ob eine Rentnerin beim Sport, ein Polizist mit Migrationshintergrund oder eine Tierärztin porträtiert werden, ihr Stolz auf Grünau und der Wunsch, sich für ihren Stadtteil einzusetzen, verbindet sie alle und der Aufruf der Dokumentation über die eigene Verschiedenheiten hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen, wird wohl bei vielen ZuschauerInnen anklang finden.

Bisher wurden die ersten vier Episoden der Doku-Reihe in Grünauer Kinos gezeigt, hauptsächlich wird »Grünau 50« dann im Laufe des Sommers als Webserie mit zugehöriger Internetseite und Social-Media-Kanälen zu sehen sein. Inklusive der fünften, noch nicht gezeigten Episode, welche ihren Fokus auf die Zukunft des Stadtteils legen soll. Ein genaueres Datum als »im Laufe des Sommers« gibt es jedoch noch nicht.

Inwiefern die Episoden auch außerhalb der ersten Vorstellungen in Grünau im Kino zu sehen sein werden, steht ebenfalls noch nicht fest. Doch Birk Poßecker würde sein lieb gewonnenes Grünau gerne in der ganzen Stadt zeigen.


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