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Kultur

Soundtracks zum Untergang

Deutschlands bestes Extrem-Metal-Festival Partysan feiert seinen 30. Geburtstag

  Soundtracks zum Untergang | Deutschlands bestes Extrem-Metal-Festival Partysan feiert seinen 30. Geburtstag  Foto: Glasklare Hardcore-Elemente bei Internal Bleeding/Tobias Prüwer

»Hell is open« prangt groß über dem Bühnenbollwerk, von dem 34 Bands ihre Soundtracks zum Untergang hinab schleudern. Flankiert wird sie von zwei Haubitzen und ähnlichem Militärgerät, das seine Läufe ins Publikumsrund richtet. Die Dreifaltigkeit Death und Black Metal sowie Grind Core regiert hier, auch die für unbekanntere Bands eingerichtete Zeltbühne bestimmen diese Genres. Im Gegensatz zu anderen Festivals wird das Partysan Open Air von der extremen Gangart dominiert. Und das bereits im 30. Jahr.

Was 1996 klein in Bad Berka begann, wuchs in den 2000ern zum Treffen von 10.000 Metalfans heran. Größer wollen die Veranstalter das Festival bis heute nicht werden lassen. So bleibt der relativ intime Charakter bestehen. Viele Besucher sind Wiedergänger. 2011 zog das Festival auf den Flugplatz in Schlotheim bei Mühlhausen. Eine Regenkatastrophe (»War’s schlimm?« »Ne, Schlamm!«) machte die Suche nach einem Gelände mit festerem Untergrund notwendig.

Weder Busenwettbewerb noch Weißbiergarten oder Wikingerdorf: Wer mit Metal nichts anfangen kann, hat auf dem Partysan keinen Spaß. Nichts lenkt ab vom schnellen Stromgitarren-Sound, der mal melodisch, mal brachial-fraktal daherkommt oder als dröhnende Walze auf scheppernde Drum-Stakkati und wuchtigem Bass. Für den am Donnerstagnachmittag angereisten Berichterstatter beginnt das Festival gleich mit einem Highlight: Misery Index (USA) laden zum 16-Uhr-Tee mit verfrickeltem Death Metal. Brutale Riffs vereinen sich hier mit abrupten Brüchen und neuem melodiösen Ansetzen. Das ist abwechslungsreich und bringt das Tanzbein in Schwung. Bereits hier bildet sich ein größerer Circlepit vorne vor der Bühne. Das heißt, die Menge gibt eine Fläche frei, auf der einige Dutzend Menschen gemeinsam im Kreis rennen und die hoch gereckten Arme im Rhythmus mitschwingen. In den letzten Jahren wuchs der weibliche Anteil im Pit immer weiter an, finden auch Frauen zu ihrem Stück Selbstermächtigung durch Tanzwut.

So ausgelassen ist die Stimmung auch an den anderen Tagen bereits mittags, als klassischerweise zwei Grindcore-Bands (Gut und Guttural Slag) die Bühne eröffnen. Das bringt gleich Bewegung ins Areal, wenn zum Teil Kostümierte ausgelassen herum rasen. Alle anderen haben etwas zu gucken. Ähnliche Nackenbrecher liefern Wormed (Spanien), die mit hübschen Brüchen und einer enormen tiefsonoren Gesangskraft beeindrucken. Noch etwas schärferen Death bringen Deceased (USA) zu Gehör, während bei Internal Bleeding (USA) glasklar Hardcore-Elemente mitschwingen.

Atmosphärischer und harmonischer geht es bei Sear Bliss (Ungarn) vernebelt im Zelt zu. Ihr melodischer Black Metal nimmt die Zuschauenden mit auf eine Traumreise, berührt und überrascht mit plötzlichen harten Ausbrüchen. Live erweisen sie sich einmal mehr als eine Bank. Ebenfalls träumerisch sind Alcest (Frankreich) zu erleben, die eine eigene Klangsphäre erschaffen. Vielleicht etwas gewagt, sie auf ein Extrem-Festival einzuladen, aber der Plan geht auf. Das Duo liefert einen fantastischen Auftritt, der verzückt.

Im 30. Jahr geben sich alle Bands Mühe, beim Publikum zu punkten. Selbst Nergal versucht, nahbar zu sein unter seiner Theaterschminke, als er die erste Platte von Behemoth (Polen) mit Gastmusikern vorträgt. Nicht abgehangen oder museal klingt dieser Eigen-Tribut. Die alten Herren von Testament (USA) sind spielfreudig und erinnern an einen Hybrid aus Metallica und Megadeath. Bloody Vengeance aus Leipzig servieren so etwas wie Brutal Black. Ihr Gescherbel kennt nur eine Drum-Geschwindigkeit, also Turbo, begleitet von Gitarrengesäge und finsteren Growls.

Ein letztes Mal rotiert der Circle Pit bei Hypocrisy, die mit Schweden-Death das Festival abschließen. Dann ziehen die Fans noch traditionell zu einem Abba-Medley als Polonaise durchs Zelt, bevor sich um vier am Sonntagmorgen der Mantel des Schweigens übers Partysan legt.


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