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Kultur

Punx mit 
Haszkappen

Die Sturmhauben-Pop-Punker Soko Linx vollenden mit dem neuen Album ihre Trilogie

  Punx mit 
Haszkappen | Die Sturmhauben-Pop-Punker Soko Linx vollenden mit dem neuen Album ihre Trilogie  Foto: Promo

»Roland Kaiser, Rio Reiser, Vicky Leandros, Blink-182: Hast du das rausgehört?«, fragt Oxon. »Nö? Dann haben wir bei den nächsten Alben noch was vor uns.« »Dummen amerikanischen Punk« nennt Siko seine musikalische Vorliebe, die natürlich viel breiter ist. Siko und Oxon sind die Kreativköpfe der Leipziger Band Soko Linx. Außer mit ihrem feinen Mix aus Gitarren- und Elektropunk fällt die Band vor allem mit einer gut sortierten Sturmhauben-Sammlung auf. Weil dem Journalisten das fotografische Gedächtnis fehlt, erlaubten die beiden Musiker ein unmaskiertes Gespräch am geheimen Ort.

»Wir kennen uns seit der fünften Klasse. Ich habe Oxon versprochen, dass wir eine Band gründen.« Soko Linx ist bereits ihre dritte Band. Sie entstand 2019. Weil die ähnlich heißende Sondereinheit der sächsischen Polizei damals durch die Medien geisterte, griffen Siko und Oxon zu diesem Namen. Dabei blieb es, die Schlagzeuger wechselten.

Die Sache mit den Hasskappen, also die Tarnung, ist zu zwei Dritteln eine ernste Sache: »Ich will mich beruflich schützen«, sagt Siko. »Wenn ich mit Leuten im sächsischen Hinterland in Kontakt komme, müssen die nicht wissen, in welcher Band ich spiele.« Mit dem Hinterland kennen sich beide aus, stammen sie doch selbst aus der sächsischen Provinz. Viel Privates wollen sie nicht erzählen. Oxon verrät aber: »Die Maske widerspricht meiner persönlichen Eitelkeit. Aber sie ist eine Hilfe, ungehemmter meinen Bühnencharakter herauszulassen.« Siko nickt: »Es ist angenehm, nach einem Gig auf dem Festivalgelände herumzulaufen und keiner erkennt dich.«

Anders als der Agit-Prop-Name vermuten lässt, liefern Soko Linx nicht nur politischen Schlachtrufe-Punk. Vergleiche, die ein Crossover der berühmten, mit Ä beginnenden Berliner Funpunkband mit Audiolith-Einschlägen wie Egotronic andeuten, sind nicht von der Hand zu weisen. Inhaltlich reicht die Bandbreite von persönlichem Verlust und Schüchternheit bis zu Politik und Nazis-raus-Attitüde.

»Wir sind links, nicht linksradikal«, so Siko. Der Bandname biete nicht nur Vorteile, die man sich vielleicht in der Leipziger Subkultur vorstellt. »Ihr seid klüger, als ich dachte«, habe mal ein Journalist abschließend gemeint. Derzeit nerve es, gedrängt zu werden, klare Position im Nahostkonflikt beziehen zu sollen. Als ob sich dieser so lösen lasse. »Wir sind gegen faschistisches Gedankengut«, das solle genügen.

»Punk für Leute, die Punk haszen« heißt das jetzt erscheinende Album. Markant wie bei den beiden Vorgängern ist die »sz«-Verwendung. Man könne von einer Trilogie sprechen, sagen die Musiker und lassen offen, was nach deren Vollendung kommt.

»Ist das noch Mainstream?«, trällern die ersten Sekunden gitarrentreibend los. »Für welche Band halten sich diese Arschgeigen?« Elektropunk mischt sich ab Lied drei dazu. Inhaltlich geht es um Gewaltenteilung, Polizeikessel und Hausdurchsuchung, linke Selbstgerechtigkeit und Gentrifizierung. Als Verstärker wird »Alles ist politisch« nachgeschoben: Das Leben ist eine Summe unserer Entscheidungen. Wie bei den Vorgängern wirken Gäste mit: So hat Ex-ZSK-Gitarrist Ace zwei Songs mitgeschrieben. Fatima von Dead End Kids und Axel von Wizo steuern ihre Stimmen bei. Letzterer, wenn es ums Zuspätkommen geht. Wie auf den vorigen Scheiben geht es aber auch ganz persönlich, etwa in einer Mondballade. Alles ist kurz und knackig gehalten, nur zwei Lieder sind länger als drei Minuten (3:02 und 3:30 Min.), die meisten liegen deutlich darunter. In zwei Songs schwingt ein Trance-Einschlag mit, alles ist gut tanzbar. Im Gespräch benutzen beide mehrfach das Wort »Partymusik« als Selbstbeschreibung.

Oxon ist sich seines Urteils sicher: »Für mich ist das unser rundestes Album.« Das Pendel schlägt definitiv wieder mehr Richtung Punk aus als bei den Vorgängern. Siko, der die ewigen Stimmvergleiche mit Farin Urlaub mittlerweile gelassen sieht – und vielleicht manchmal auch als Lob empfindet –, sagt: »Weniger Zielgruppe zu haben, schafft künstlerische Freiheit.« Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit Vicky-Leandros-Einflüssen? Das kann man die Musiker fragen, wenn sie auf Herbsttour gehen – falls man sie erkennt. Oxon bittet noch mitzuteilen, dass die Leute die Livekultur unterstützen und im Vorverkauf bestellen sollen. 

> »Punk für Leute, die Punk haszen« erscheint am 7.8. bei Fettfleck, Konzert am 27.11. im Werk 2, www.soko-linx.de 


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