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Probetraining: Locking

Tanzen im Heizhaus in Grünau

  Probetraining: Locking | Tanzen im Heizhaus in Grünau  Foto: Privat

Die Skateanlage in Grünau ist an diesem Montagabend mit großen Scheinwerfern beleuchtet. Ich gehe daran vorbei in das Jugendzentrum Heizhaus. Hinter der großen Eingangshalle führt eine Treppe zu zwei Tanzräumen. Aus einem ist Musik zu hören. Da kommt ein Mann mit heller Hose, Turnschuhen und Hut auf dem Kopf – es ist Daniel, der den Locking-Kurs anleitet, zu dem ich will. Daniel tanzt seit zwanzig Jahren und ist Crew-Member bei Klein-Paris, einer Tanzcrew aus Leipzig, sowie bei den German Lockers, die sich auf Locking spezialisiert haben. Er hat im Tanz-Club angefangen und ist dann über Freestyle-Workshops zum Locking gekommen. Locking ist ein Tanzstil, der heute zur Hip-Hop-Kultur gehört. Er ist ursprünglich schon Ende der sechziger Jahre als Funk-Tanzstil auf Dancefloors in Clubs und auf der Straße entstanden, später in die seit den siebziger Jahren entstehende Hip-Hop-Kultur integriert, wo er bis heute Teil der Streetdance-Szene ist.

Wir sind an diesem Abend zwei Kurs-Teilnehmende. Meistens seien die Gruppen klein, was am großen Kursangebot für »Nischentänze«, wie Locking, Waving und House im Heizhaus liege, sagt Daniel. Im Jahr 2023 wurde der Verein Heizhaus Leipzig zur Förderung des Sports gegründet, in dem es nicht nur ums Tanzen geht, sondern auch darum, den geschichtlichen Hintergrund von Hip-Hop zugänglich zu machen. Die Trainings sind für verschiedene Altersgruppen. Der Locking-Kurs ist für alle ab 13 Jahren, wird aber von vielen Menschen über 20 Jahren besucht.

Los geht es beim Aufwärmen mit verschiedenen Schritten zu Funkmusik. Wir schieben die Hüfte herum. Ich bringe zwar etwas Tanzerfahrung mit, aber so einfach, wie es bei Daniel aussieht, fühlt sich mein Hüftschwung nicht an. Ich hänge im »Downbeat«, der ist bei mir aus anderen Hip-Hop-Tanzkursen in Erinnerung geblieben. Der Begriff beschreibt das »Bouncen« – das in Richtung Boden in die Knie Gehen. Locking aber will den »Upbeat«, lerne ich. Also nach oben. Brustkorb öffnen. Ich versuche es. Wenn ich die Arme mit nach oben nehme, komme ich schon etwas an die Bewegung ran, die ich mir vorher in Videos von Locking-Battles angesehen habe. Wesentlich im Locking sind auch Isolierbewegungen: Das bedeutet, Oberkörper und Unterkörper getrennt voneinander zu bewegen. Ganz schön kompliziert, die Füße andere Bewegungen machen zu lassen als die Arme.

Die Bewegungen des Ober- und Unterkörpers bilden die Basis und machen den Groove zur Musik. Arme und Kopf sind das Extra, auch wenn es den Zuschauenden so erscheint, als wären sie das Ausschlaggebende fürs Locking. Daniel und die andere Teilnehmerin beschreiben mir das folgendermaßen: Die Basisbewegungen sind das Eis, also das Grundlegende. Die Arme und Beine sind dann das Topping auf dem Eis. Das Eis mit Topping ist das Locking.

Nach dem Aufwärmen lernen wir Schritte, die wir anschließend zu einer Abfolge zusammenfügen. Bei den anderen beiden sieht das ganz schön cool aus. Ich habe sehr viel Spaß, aber meine Füße machen noch nicht ganz das, was ich mir wünsche. »Die erste Mauer, die man abreißen muss, ist die, dass es gut aussieht«, sagt Daniel. Beim Locking geht es ihm darum, den Weg freizumachen, um Körperbewegungen umzusetzen. Man entwickelt ein Körpergefühl und muss die Scham ablegen. Denn vor anderen zu tanzen, braucht auch ganz schön viel Mut. Sich körperlich zu öffnen, macht verletzlich. Im Heizhaus, so erzählt die andere Teilnehmerin, sei die Atmosphäre rücksichtsvoll und es gebe Raum für alle. Auch ich fühle mich wohl in der herzlichen und offenen Atmosphäre. Ganz klar geht es im Locking um den Beat in der Musik und der Körperbewegung dazu. »Jeder Bounce ist eine Rille in der Schallplatte«, erklärt Daniel. Einmal die Woche gibt es im Heizhaus Locking. Um mitzumachen, braucht es bequeme Kleidung und Hallenturnschuhe. 

> Training Mo 19.15–20.45 Uhr, Heizhaus, Alte Salzstr. 63, 04209 (Grünau), www.heizhaus-leipzig.de/termin/locking-mit-daniel


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