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Sport

Andrang!

In Mockau gibt es einen neuen Outdoorsportplatz und einen sozialen Treffpunkt

  Andrang! | In Mockau gibt es einen neuen Outdoorsportplatz und einen sozialen Treffpunkt  Foto: Jan Müller

Im Schatten des Kletterturms in Mockau geht es zur Sache. Die Baustellenzäune auf der Grünfläche neben dem vormaligen Wasserturm sind weg. Während im Turm Kletterschuhe geschnürt und Karabiner kontrolliert werden, wird draußen Rundlauf gespielt. Die Tischtennisplatte ist brandneu – keine Graffiti bedecken die glattgeschliffene Oberfläche und das Eisennetz musste noch nicht Bierflaschen öffnen. Die ausgeschiedenen Spieler und Spielerinnen blicken sehnsüchtig auf die Verbliebenen und warten auf ihren Wiedereinsatz. Die Platte ist Teil des neuen Sport- und Bewegungsbereichs an der Samuel-Lampel-Straße. Dazu gehören klassische Outdoorfitnessgeräte wie Beinpendel oder eine Slackline zum Balancieren ebenso wie ein Calisthenicspark. Solche Anlagen dienen zu Körpergewichtsübungen wie Klimmzügen oder Dips und erfreuen sich großer Beliebtheit, wie in den Varianten im Rabet, hinter dem Zentralstadion oder im Clara-Zetkin-Park beobachtet werden kann. Für den Umbau der Fläche hier in Mockau zeichnet das Amt für Stadtgrün und Gewässer verantwortlich, die Kosten beliefen sich auf knapp 290.000 Euro bei einer Bauzeit von sieben Monaten. Finanziert wurde die neue Anlage durch Fördermittel aus dem Bundesprogramm »Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren« (ZIZ) sowie aus dem Förderprogramm »SZP – Sozialer Zusammenhalt Mockau«.

Vorbehalte gegen den Park?

Bei der Eröffnung am 6. Mai stellt das Quartiersmanagement Intrigra Mockau einen Stand mit Getränken und lädt dazu ein, ins Gespräch zu kommen. Das Projekt wird aus Mitteln der Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden gefördert und soll Maßnahmen der Stadtentwicklung in Mockau unterstützen. Ksenia Faust vom Quartiersmanagement ist sichtlich zufrieden mit der regen Beteiligung an der Eröffnungsveranstaltung. Petra Hochtritt vom Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung leitet ein und übergibt recht zügig an die praxisorientierten Protagonisten. Hauptprogrammpunkt ist an diesem Tag nämlich ein Workshop des Vereins Rabet Calisthenics Leipzig (kreuzer 4/2023). Während die altersmäßig heterogene Gruppe in die Erwärmung startet, höre ich mich bei den an der Planung beteiligten Personen um. Zitieren lassen will sich niemand, aber neben produktiven Gesprächen mit den Anwohnenden gab es wohl auch Personen, die sich vehement und lautstark gegen den Bau der Anlage aussprachen. Radio Leipzig ätzte von einem »Fitness-Park, den (fast) keiner wollte« und behauptete, die Anwohnenden wären »einstimmig dagegen«. In einem Audiobeitrag kommen ausschließlich sich in Rage redende Menschen zu Wort, die am Park Verschiedenes auszusetzen haben und keinerlei Verständnis aufzubringen scheinen. Was anders gemacht werden sollte, mag niemand teilen zu wollen oder können. Die Frau, die die Festivitäten aus dem angrenzenden LWB-Wohnhaus beobachtet, sieht jedenfalls wohlwollend auf die Sportfläche herab.

Eine Lücke füllen

Bis zur Eröffnung der Anlage habe Mockau an akutem Tischtennisplattenmangel gelitten, erzählen unabhängig voneinander mehrere an diesem Tag. Der Eindruck kann durch einen Blick auf einschlägige Karten verifiziert werden. Umso schöner, wenn nun auch in Mockau Rückhände gesliced werden können. Ich frage die Bürgerpolizistin für Mockau, Tina Kiesewetter, ob Bedenken der Anwohnenden berechtigt sind, dass der Park zum Rumhänge-Ort für dubiose Jugendliche würde. Sie winkt ab – es sei besser, wenn man wisse, wo die Leute sind. So habe man die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Vielleicht können die Anwohnenden sogar als Korrektiv wirken und die Jugendlichen erinnern, ihren Müll mitzunehmen, schmunzelt sie und berät danach einen Teenager, der sein Handy verloren hat.

Mit der Anlage will man neben der vorher ungenutzten Fläche auch eine Lücke im Freizeitangebot des Viertels schließen. Der Offene Freizeittreff Mockau zieht gerade in die Kieler Straße um, wo ein Ort für Jugendliche entsteht. Sozialarbeiterin Paula Steffen blickt zuversichtlich auf die Eröffnung der Anlage: »Das hat Potenzial als Treffpunkt für Familien, junge und alte Menschen. Es fehlen Orte zum Zusammenkommen in der Gegend.« Gerade Calisthenics-Anlagen bieten eine niedrigschwellige Teilhabe am Sport. Auch wer kein Geld hat für Fitnessstudios oder Sportvereine, kann sich hier betätigen und auspowern. Robin und Franzi von Rabet Calisthenics haben mittlerweile ihr Programm beendet, es wird nun fleißig gehangelt und in den bunten Gummibändern zur Klimmzugunterstützung gehangen. Der Verein hat im Rabet angefangen und trainiert mittlerweile auch in anderen Anlagen in Leipzig. Gründungsanlass war die Corona-Zeit, in der Fitnessstudios geschlossen waren und sich Leute zusammentaten, um gemeinsam draußen Sport zu treiben. Vielleicht gibt es bald eine Calisthenics-Gruppe in Mockau, mutmaßt Robin. An Nachwuchs scheint es jedenfalls nicht zu mangeln, überall wuseln Kinder herum. Auf dem Weg zum Fahrrad komme ich wieder an der Tischtennisplatte vorbei, an der immer noch Leute spielen, jetzt eine Partie Alt gegen Jung. Wer gewinnt, ist ja auch ein bisschen egal.


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