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Kultur

Mehr Open-Air

Die Kinotipps der Woche

  Mehr Open-Air | Die Kinotipps der Woche  Foto: Well Go USA

Das Open-Air-Kino dreht auf! Die Cinémathèque flimmert in diesem Jahr gleich an zwei neuen Spielstätten: Das »7cl Sommerkino« in der Hans-Poeche-Straße am Bahnhof zeigt ab dieser Woche Klassiker, Kult und Dok, das Freiluftkino an der Dölitzer Wassermühle spielt aktuelle Highlights. Zum Freiluftkino in der Spinnerei, auf der Feinkost und an der Plagwitzer Markthalle gesellen sich ab 10.7. außerdem die Filmnächte Scheibenholz mit 35 Filmen bis Mitte August.


Film der Woche

Resurrection
CHN/F/USA 2025 R: Bi Gan, D:  Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, 160 Min.

Eine Traumreise durch das Zwanzigste Jahrhundert und 100 Jahre Filmgeschichte – nicht weniger hat sich der chinesische Autorenfilmer Bi Gan (»Long Day’s Journey Into Night«) vorgenommen. Schon die ersten Filmminuten sind ein Versprechen: Die Kamera blickt in ein Diorama, eine Opiumhölle vor einhundert Jahren. Eine Hand greift in die Szene und gestaltet sie. Menschen irren durch die Kulisse, die sich für die Protagonistin bald zu einem surrealen Albtraum entwickelt. Sie stößt auf eine entstellte Kreatur, ein Phantasmer, ein Träumer in der Welt jener, die sich vom Träumen entfernt haben, um ewig zu leben. Durch die Jahrzehnte folgt sie ihm in immer wieder neue Inkarnationen. So wird die Handlung in sechs Kapiteln zum Episodenfilm, der mal einem Taschendieb und Betrüger auf den Straßen folgt, dann einem Grabräuber bei einer übernatürlichen Begegnung in einem Kloster und schließlich einem Paar in der Nacht vor dem Ende des Jahrhunderts. Es sind immer wieder Figuren einer Halbwelt, die ziellos durch die Zeit driften. Bi Gan inszeniert sie vor dem Hintergrund des sich wandelnden Reichs der Mitte. Sein cineastischer Trip ist aber auch eine Liebeserklärung an das Kino, vom Stummfilm bis zur Gegenwart, verspielt und visuell berauschend in Szene gesetzt von Jingsong Dong (»Der See der wilden Gänse«). »Resurrection« erzählt mit Traumlogik und entzieht sich einer konventionellen Handlung. Lässt man sich darauf ein, zieht einen der Film über seine 160 Minuten und weit darüber hinaus in seinen Bann. 

»Resurrection«: ab 25.6., Passage-Kinos, Luru-Kino in der Spinnerei


Obsession
USA 2025 R: Curry Barker, D: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, 108 Min.

Sei vorsichtig, was du dir wünscht – Diese alte Weisheit bekommt in »Obsession« einen frischen Twist. Der schüchterne Bear, wie er von seinen Freunden genannt wird, liebt insgeheim Nikki. Seine Liebe kann er ihr jedoch nicht gestehen, ohne ihre langjährige Freundschaft zu gefährden. Also wünscht er sich eines Abends, dass sie nichts in der Welt mehr liebt als ihn. Das harmlos erscheinende Spielzeug »Wishing Willow« erfüllt überraschenderweise sein Versprechen und Nikki weicht fortan wie fremdgesteuert nicht mehr von seiner Seite. Doch Bear muss bald begreifen, dass aus Liebe schnell Obsession werden kann, wenn magische Kräfte im Spiel sind, und so wird die Leidenschaft zur Last. Regisseur und Autor Curry Baker, der mit selbstgedrehten Horror-Kurzfilmen auf YouTube virale Hits landete, produzierte seinen ersten Langfilm unabhängig, bevor das Hit-Horrorstudio Blumhouse auf ihn aufmerksam wurde. Das überschaubare Budget sieht man »Obsession« allerdings nicht an. Durch den cleveren Einsatz von Licht und Schatten schafft er eine konstante Bedrohung. Einige Jump-Scares sieht man zwar meilenweit kommen, sie verfehlen jedoch nicht ihre Wirkung. Effektiv ist sein Horror, der ein wenig an den ähnlich gelagerten »Together« aus dem vergangenen Jahr erinnert, auch aufgrund der entfesselten Darstellung von Hauptdarstellerin Inde Navarette (»Superman and Lois«) und weil er seine Geschichte mit seinem nachvollziehbar handelnden Protagonisten erdet.

»Obsession«: ab 25.6., Cineplex, CineStar, Regina-Palast


Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
D 2026 R: Regine Schilling, D: Sandra Hüller, 96 min

In diesem Jahr wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Die Dokumentarfilmerin und studierte Literaturwissenschaftlerin Regine Schilling (»Igor Levit – No Fear«) nähert sich der Autorin mit einem experimentellen Porträt, bei dem sie Archivmaterial und Texte mit gespielten Sequenzen vermischt. In denen verkörpert Sandra Hüller Bachmann in ihren letzten Tagen, allein in einem Appartement in Rom, gezeichnet vom Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Schilling selbst nennt dies eine Seance, eine Totenbeschwörung, auf die sich Hüller mit vollem Körpereinsatz einlässt. So entstand ein intimes Bild einer Getriebenen, in dem Bachmann durch ihre Texte lebendig wird und Einblick in ihr Innerstes offenbart. Dazwischen dokumentieren die Fernsehaufnahmen den Weg aus dem ländlichen Kärnten in die Metropole Wien, von der Tochter eines NSDAP-Funktionärs zur gefeierten Lyrikerin. Der Weg ist gezeichnet von ihren komplizierten Beziehungen zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch und einem unnachgiebigen Ringen um eine eigene, radikale Sprache zwischen öffentlichem Ruhm und existentiellen Krisen. Schilling bezieht dabei den Entstehungsprozess ihrer Versuchsanordnung in den Film ein, zeigt Hüller bei der Vorbereitung auf ihre Rolle, in der Maske und bei den Proben. Ein interessantes Werk, das nicht den Anspruch auf Authentizität erhebt, sondern aus seinem künstlerischen Anspruch keinen Hehl macht. 

»Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war«: ab 25.6., Kinobar Prager Frühling, Passage-Kinos, Schauburg


Power Ballad
USA/IRL 2025 R: John Carney, D: Paul Rudd, Nick Jonas, Havanna Rose Liu, 99 min

Wo sind sie geblieben die goldenen Tage? Rick Power weiß jedenfalls, nicht bei ihm. Aus dem vielversprechenden Talent von einst ist ein abgebrannter Hochzeitssänger geworden. Im vollgestopften Transporter reist er von Bühne zu Bühne, singt Hits von Bryan Adams. Seine eigenen Lieder sind nicht gefragt. Selbst Powers Tochter verdreht genervt die Augen, wenn er sie in sein kleines Heimstudio ruft. Bekanntes Terrain für Regisseur John Carney (»Sing Street«). Seit »Once« bespielt er beharrlich das Genre des Musikfilms. Verpasste Chancen, melancholische Songs, schicksalhafte Begegnungen – das alles sind feste Zutaten seines Werks. Carney-Fans kann es dementsprechend kaum überraschen, wenn Power seine zweite Chance erhält. Nach einem Gig trifft er den ehemaligen Boyband-Sänger Danny Wilson, dargestellt von Nick Jonas, Teil der in den Staaten enorm erfolgreichen Jonas Brothers. In einer bierseligen Nacht schreiben beide neue Musik. Doch als ihr Song Monate später veröffentlicht wird, fehlt Ricks Name in den Credits. Was folgt ist eine turbulente Achterbahnfahrt durch Emotionen, Partys und handfeste Auseinandersetzungen. Paul Rudd in der Rolle des Rick Power ist eine fantastische Besetzung. Herzzerreißende Momente spielt er mit derselben Mühelosigkeit, wie die komischen, in denen er da steht – ein erwachsener Mann in Lederjacke, der versucht eine Gruppe desinteressierter Partygäste zu animieren. »Power Ballad« bietet Wohlfühlkino im besten Sinne, inklusive berührender Auflösung. Ein kleines Genrejuwel. JOSEF BRAUN

»Power Ballad«: ab 25.6., Passage-Kinos, Regina-Palast


Weitere Filmtermine der Woche

Sechswochenamt
D 2025, R: Jacqueline Jansen, D: Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth, 98 min

Das Drama erzählt von einer jungen Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter während der COVID-19-Pandemie in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen.

Passage-Kinos, 26.6. 20 Uhr (in Anwesenheit der Regisseurin)

Vom Traum, unsinkbar zu sein
D 2025, Dok, R: Tom Fröhlich, 87 min

Der Dokumentarfilm beleuchtet die bewegte Geschichte und den Verbleib der DDR-Hochseefischereiflotte.

Passage-Kinos, 26.6. 18 Uhr (Preview mit Regiegespräch)


Vergiftetes Erbe – Auf der Suche nach jüdischen Eigentümer:innen
D 2023, Dok, R: Sharon Adler

Der NS-Staat versteigerte auf sogenannten »Juden-Auktionen«, was in Wohnungen vertriebener jüdischer Menschen verblieb. So auch 1941 in Karlsruhe eine Halskette. Woher sie kam, darüber schwieg der Käufer in seiner Familie. Nach seinem Tod suchte seine Enkelin die rechtmäßigen jüdischen Erbinnen und Erben.

Frauenkultur, 25.6. 18 Uhr (mit Vortrag und Diskussion zur Provenienz-Forschung)

Warum Frauen Berge besteigen sollten
D 2016, Dok, R: Renata Keller, 85 min

Dokumentation über die Historikerin Dr. Gerda Lerner, die als Erste über ein frauengeschichtliches Thema promovierte und Frauengeschichte auf die Stundenpläne vieler Universitäten brachte.

Cineding, 25.6. 19 Uhr (Jüdische Woche)

Korczak
D/PL 1990, R: Andrzej Wajda, D: Wojciech Pszoniak, Ewa Dalkowska, Teresa Budzisz-Krzyzanowska, 118 min

Bericht über die letzten Lebenstage des legendären polnischen Pädagogen Janusz Korczak und seinen heroischen Einsatz für den Schutz jüdischer Waisenkinder während des Krieges.

Polnisches Institut, 25.6. 20 Uhr (Jüdische Woche)

Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes 
D/F/SEN 2025, Dok, R: Greta-Marie Becker, 89 min

Das filmische Porträt widmet sich dem Leben, dem Werk und dem immensen Einfluss der weltberühmten senegalesischen Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny.

Kinobar Prager Frühling, 26.6. 14.30 Uhr (OmU)

Herr Zwilling und Frau Zuckermann
D 1999, Dok, R: Volker Koepp, 132 min

Porträt zweier hochbetagter deutschstämmiger jüdischer Holocaustüberlebender im westukrainischen Czernowitz.

Kinobar Prager Frühling, 27.6. 16 Uhr (Jüdische Woche)


The Zone of Interest
USA/GB/PL 2023, R: Jonathan Glazer, D: Sandra Hüller, Christian Friedel, Freya Kreutzkam, 105 min

Schmerzhaft realistisch schildert Regisseur Jonathan Glazer den Alltag der Familie eines Nazi-Kommandanten in Auschwitz. Eiskalt überragend: Sandra Hüller.

Kinobar Prager Frühling, 28.6. 18 Uhr (Jüdische Woche)

Überleben – Drei jüdische Generationen
D 2017, Dok, R: Anna Schmidt, 76 min

Der in Leipzig produzierte Film erzählt die berührende Geschichte von sechs Holocaust-Überlebenden aus Deutschland und Polen.

Passage-Kinos, 28.6. 13 Uhr (mit Filmgespräch, OmU)

Die letzten Glühwürmchen
J 1988, R: Isao Takahata, 90 min

Anime-Klassiker über zwei Kinder, die die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in einer zerbombten japanischen Stadt überstehen müssen.

Cinestar, 30.6. 17 Uhr (OmU), 20 Uhr
Regina-Palast, 30.6. 18 Uhr (OmU), 19 Uhr (OmeU), 20 Uhr
Cineplex, 30.6. 20 Uhr
Passage-Kinos, 30.6. 20.30 Uhr (OmU)

Interstellar
USA 2014, R: Christopher Nolan, D: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Michael Caine, 169 min

Weil die Erde durch den Klimawandel bald unbewohnbar sein wird, bricht eine Raumschiffcrew auf, um nach Planeten zu suchen, die der Menschheit ein neues Zuhause bieten könnten. Vielschichtiger und brillanter Science-Fiction-Film von Christopher Nolan.

Passage-Kinos, 29.6. 20.30 Uhr (OmU, Retrospektive Christopher Nolan)

Herzensbrecher – Les amours imaginaires
CAN 2010, R: Xavier Dolan, D: Monia Chokri, Niels Schneider, Xavier Dolan, 95 min

Marie liebt Nicolas und auch ihr bester Freund Francis fühlt sich zu dem Schönen hingezogen. In kunstvollen Bildern und klar im Geiste der Nouvelle Vague erzählt das junge kanadische Regie-Genie Xavier Dolan von einer unfreiwilligen Dreiecksbeziehung.

Eröffnung 7 cl – Sommerkino, 26.6. 21 Uhr (mit Einführung, OmU)


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