anzeige
anzeige
Kultur

Doppelter Ausnahmezustand

Die Leipzigerin Magdalena Laubisch brilliert im Film »Sechswochenamt«

  Doppelter Ausnahmezustand | Die Leipzigerin Magdalena Laubisch brilliert im Film »Sechswochenamt«  Foto: Magdalena Laubisch im Film Sechswochenamt/Filmweh, Markus Ott

Lores Mutter stirbt an Krebs mit 55 Jahren. Es sind die ersten Tage der Corona-Pandemie. Lore ist zurück nach Erkelenz gezogen, um sich um alles zu kümmern – alleingelassen muss sich die junge Frau den leeren Beileidswünschen und bürokratischen Hürden stellen, die mit einem Todesfall einhergehen. Ihre Schwester ist abwesend, ihre Oma hat kein Verständnis für den Wunsch der Mutter, eingeäschert zu werden. Zwischen Schmerz und Überforderung muss Lore Kraft finden und zur Ruhe kommen, um trauern zu können.

Authentisch erzählt der einfühlsame Film »Sechswochenamt« vom richtigen Weg des Abschiednehmens und der Verlorenheit einer jungen Frau beim Umgang mit dem Gefühl der Trauer. Es ist der Debütfilm von Jacqueline Jansen, die ihre persönlichen Erfahrungen und die von Freunden in den Film einfließen ließ, um ein Thema auf die Leinwand zu bringen, das viel zu wenig Beachtung findet.

Getragen wird »Sechswochenamt« von einer herausragenden schauspielerischen Leistung. Für ihr facettenreiches Spiel in ihrer ersten Hauptrolle wurde die Leipzigerin Magdalena Laubisch bereits mehrfach ausgezeichnet. Die 27-Jährige entdeckte ihre Leidenschaft fürs Schauspiel am Theatrium in Grünau. »Inmitten von Plattenbauten ist das Theatrium irgendwie auch eine Antithese, ein Widerspruch in diesem Betonmeer. Das Theatrium ist jung, irgendwie hip, alle möglichen Menschen aus Leipzig kommen dort hin, viele junge Leute aus verschiedensten Schichten. Ich kam da in eine Gemeinschaft, die sich auf die Fahne geschrieben haben, gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen zwischen sechs und 28 Jahren. Es war immer eine sehr ausgelassene entspannte, neugierige Stimmung«, erzählt sie.

Obwohl Laubisch vorher keinen Bezug zum Theater hatte, sei sie gleich begeistert gewesen von dem kreativen Geist und der gemeinsamen Arbeit in der Theaterwerkstatt. »Das war auch das Prägende für mich und ist es bis heute. Dass ich dort kennenlernen durfte, wie viel Freude es macht, miteinander kreativ zu sein und zu spielen«, erinnert sich Laubisch. »Das ist ja ein fundamentaler Bestandteil meines Berufs, dass ich da nicht allein stehe und mir das ausdenke, sondern unfassbar viele Menschen und Gewerke daran beteiligt sind. Und darum spiele ich. Darum mache ich diesen Beruf, weil ich diesen Prozess des gemeinsamen Denkens und Entwickeln einer Geschichte unfassbar liebe. Auch die damit einhergehende Reibung, der Widerstand und all die Kompromisse, die man eingeht. Das ist alles Teil davon.«

Nach dem Abitur studierte Laubisch Schauspiel in München und am Konservatorium in Paris. Zuletzt spielte sie die Hauptrolle im ARD-Thriller »Die Nichte des Polizisten« über den Terror des NSU. Parallel entstand »Sechswochenamt« mit Regisseurin Jacqueline Jansen – komplett ohne Förderung. Möglich wurde der Film durch die ehrenamtliche Mitarbeit aller Beteiligter und vieler Unterstützer. Eine besondere Arbeit. »Dieser Film und die Rolle als auch die ganze Arbeit mit Jacqueline hat mir unfassbar viel bedeutet. Eine Arbeit, die mir nochmal gezeigt hat, warum ich diesen Job eigentlich mache und mich vor allem darin bestätigt hat, dass das Filmemachen mit einem großen Glauben und Qualität auch mit Hindernissen möglich ist«, betont Laubisch im Gespräch mit dem kreuzer. »Nicht zuletzt durch ein Team, das nicht da ist, weil es das muss, sondern weil es da sein möchte. Darüber hinaus waren wir frei von einem Druck seitens einer Produktion oder einem Sender. Das war eine Chance – die Geschichte und das Drehbuch von Jacqueline Jansen umzusetzen in der Art, wie sie es sich vorgestellt hat und damit vielleicht auch künstlerischen Entscheidungen treffen zu können, die andere nicht getroffen hätten. Das war schon sehr besonders.«

Seine Premiere feierte der Film schließlich beim Münchner Filmfestival und gewann dort den Preis der Internationalen Filmkritik und den Darstellerinnenpreis für Magdalena Laubisch. Beim Neisse Filmfestival wurde »Sechswochenamt« mit dem Hauptpreis geehrt. 


> »Sechswochenamt«: 26.6., 20 Uhr mit Regisseurin Jacqueline Jansen und Haupdarstellerin Magdalena Laubisch, 28.6.-1.7., 16 Uhr, Passage-Kinos


Kommentieren


0 Kommentar(e)