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Stadtleben

»Dieser Wald ist nicht verhandelbar«

Am 25.6. mobilisierten Umweltschutzverbände zu einer Demo gegen die Abholzung des Waldes

  »Dieser Wald ist nicht verhandelbar« | Am 25.6. mobilisierten Umweltschutzverbände zu einer Demo gegen die Abholzung des Waldes  Foto: Tausende demonstrieren trotz hoher Temperaturen gegen die Waldrodung/Hans Koch

Für die meisten relativ überraschend kam aus der Leipziger Stadtverwaltung vor gut zwei Wochen ein neuer Vorschlag bezüglich der verfahrenden Situation rund um die Grundstücke am Cottaweg und die Ausbreitungsinteressen von RB Leipzig. Statt des Festplatzes am Cottaweg – auf dem halbjährlich die Kleinmesse stattfindet – sollte der angrenzende Wald an der Capastraße an RB Leipzig verkauft werden, damit der Verein dort sein Trainingsgelände erweitern kann. Ein im Jahr 2025 vom Stadtrat beschlossener Plan beinhaltete eigentlich die Suche nach einem Ausweichplatz für die Kleinmesse, damit RB Leipzig sein Trainingsgelände auf der bereits betonierten Fläche erweitern kann. Doch nun kam aus dem Rathaus der Vorschlag, stattdessen den Wald an RB zu verkaufen und somit die Interessen der Kleinmesse und des Fußballvereins zu befriedigen.

Daraufhin mobilisierten die großen Leipziger Umweltschutzverbände gemeinsam zu einer Demo für den Erhalt des Waldes, da sie die Interessen an Natur und Umwelt nicht ausreichend berücksichtigt sehen.


Viele Demoteilnehmende trotz hoher Temperaturen

Trotz Temperaturen um die 35 Grad kamen nach Angaben des Bund Naturschutzes rund 2000 Menschen. Die Demonstration begann direkt vor dem Festplatz auf der Jahnallee mit Redebeiträgen der verschiedenen Organisationen. Diese richteten sich weder gegen den Fußballverein mit dem österreichischen Sponsor noch gegen die Kleinmesse, sondern betonten, dass auch die Natur berücksichtigt werden müsse, was in dem bisherigen Vorschlag nicht ausreichend geschehen sei.

Tony Kremser vom Nabu Leipzig wies in seinem Redebeitrag darauf hin, dass der Wald das Zuhause vieler Tiere sei. Man könne das nicht einfach abholzen und ein paar Kilometer weiter einen neuen Wald pflanzen und erwarten, dass die Tiere in ein paar Jahren dorthin umziehen würden. Außerdem sei der Wald ein wichtiges Verbindungsstück, das den nördlichen mit dem südlichen Auwald verbindet. Dieser Wald sei wichtig, da er den Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen den zwei Teilen ermöglichte.

Doch nicht nur für die Tiere und Pflanzen hat der Wald eine wichtige Bedeutung, wie die Ines Wangemann, Rednerin der Initiative Stadtnatur betonte. Der Wald übernehme eine wichtige klimaökologische Funktion, in dem er die Luft kühlt. Ein Effekt, der nicht nur im, sondern auch angrenzend an den Wald spürbar ist. Gerade in einer so heißen Woche, wie dieser sei das besonders spürbar. Im Redebeitrag von Fridays for Future wurde darauf hingewiesen, dass angesichts des Klimanotstands, die Abholzung von Wäldern auch »einfach nicht mehr drin sei«. Mit dem Statement von Božena Nawka der Rednerin vom Ökolöwen – »dieser Wald ist nicht verhandelbar« – endete die Auftaktveranstaltung am Festplatz und die Demonstration zog los.

Altermäßig gemischt hatten die Teilnehmenden unterschiedliche Motivationen, an diesem Tag den See gegen einen Spaziergang durch den Leipziger Westen zu tauschen. Anwohnerinnen erzählen, dass sie Angst, der Lärm von der Kleinmesse könne zunehmen, wenn der Schallschutz durch den Wald wegfällt. Marco, ein jüngerer Demoteilnehmer will RB die rote Karte zeigen, da er der Meinung ist, dass nicht jede Fläche bebaut werden müsse, sondern im Gegenteil das Grün Leipzig ausmache. »Eigentlich fand ich es gar nicht schlimm, dass der Wald abgeholzt wird. Dann habe ich mich mit den Gegenargumenten beschäftigt und finde jetzt doch, dass dringend eine Alternative gefunden werden muss«, erzählt dagegen der Leipziger Dietmar. Karin und Volker, gebürtige Leipziger, sehen das Gute an der Kleinmesse und ihrem aktuellen Standort, wollen aber auf der anderen Seite nicht, dass der Wald für neue Trainingsplätze abgeholzt wird. An das Rathaus adressiert hat Karin das Gefühl, dass sich »die Stadt hier über die Meinungen der Bevölkerung hinwegsetzt«.

Auch wegen der für die Stadt scheinbar unerwartet starken Kritik aus der Bevölkerung, von Vereinen und von Fraktionen wurde die Entscheidung über den Verkauf erst einmal vertagt. Stattdessen werden in der Stadtratssitzung am 1. Juli jetzt drei Einwohner- und Einwohnerinnen Anfragen zu diesem Thema behandelt. Die Entscheidung bezüglich des Verkaufs wurde auf die Stadtratssitzung nach der Sommerpause verschoben.


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