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Kultur

Kinokur

Die Kinotipps der Woche

  Kinokur | Die Kinotipps der Woche  Foto: Eveya Productions u. a.

In dieser Woche verwandelt sich das verschlafene Kurbad Karlovy Vary, gut 30 Kilometer südlich der Grenze im schönsten Teil Tschechiens gelegen, in die Filmmetropole Europas. Seit fast 80 Jahren ist das Karlovy Vary International Filmfestival Pilgerstätte für Kinofans und auch für viele Hollywood-Stars willkomene Gelegenheit zum Schaulaufen. In diesem Jahr werden beispielsweise Dustin Hoffmann, Maggie Gyllenhaal, Harvey Keitel und Jesse Eisenberg erwartet. Viele Filmemacherinnen und Filmemacher stellen ihre Werke persönlich vor. 12 Filme aus aller Welt buhlen um den Chrystal Globe. Der deutsche Beitrag ist in diesem Jahr »Hijamat« von Nader Saeivar, der sich mit einem Coming Out in einer muslimischen Gesellschaft auseinandersetzt. Daneben gibt es zahlreiche Highlights von den Festivals in Cannes, Venedig und Berlin, sowie Klassiker und Mitternachtskino zu sehen.

»60. Karlovy Vary International Filmfestival«: 3.-11.7.

Mehr Informationen auf: www.kviff.com

Film der Woche:

Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg
F/B 2025, R: Yann Samuel, D: Alexandra Lamy, Julien Le Berre, Maëlle Vidou, 113 min

Nach 15 Jahren Unterricht an einer Brennpunkt-Schule wird Fred (Alexandra Lamy) suspendiert. Ihr ist im Affekt die Hand ausgerutscht und sie hat eine Schülerin geschlagen. Erst findet sie die Strafe ungerecht und sucht die Schuld bei den anderen. Aber schließlich gesteht sie sich ein, dass es ihr Fehler war, und es ist der Versuch einer Wiedergutmachung, als sie entschließt, das Angebot ihrer Freundin anzunehmen: Die Organisation, für die sie tätig ist, begleitet straffällig gewordene Jugendliche auf dem »Weg der Wandlung«. Für zwei Monate marschieren die Pädagogen allein mit ihrem Schützling auf dem Jakobsweg. So lernt Fred Adam (Julien Le Berre) kennen. Der gewalttätige Jugendliche steht kurz vor seinem 18. Geburtstag und hat schon mehrere Jugendstrafen kassiert. Die Richterin stellt ihn vor die Wahl: Entweder Wanderung oder Knast. Entsprechend wenig motiviert und aufmüpfig ist er auf den ersten Kilometern und treibt Fred an den Rand ihrer Geduld. Sie setzt ihm klare Grenzen und zeigt Verständnis für seine Situation. So kommen die beiden sich allmählich näher. »Ich glaube nicht an Gott.« – »Er glaubt auch nicht an dich.« Es sind die direkten Dialoge zwischen Adam und Fred, die diese Reise so spannend machen. Adams Gefühle schwanken zwischen den Extremen und Fred begegnet ihm mit Offenheit. Dramaturgisch folgt der Film von Yann Samuel (»Liebe mich, wenn du dich traust«) bekannten Pfaden. Einem Hoch folgt ein Tief und es gibt einschneidende Begegnungen auf dem Weg. Adams Leidenschaft für Rap wirkt mitunter etwas aufgesetzt. Aber der junge Hauptdarsteller Julien Le Berre ist ein überzeugender Performer und das Zusammenspiel mit der erfahrenen Alexandra Lamy (»Louise und die Schule der Freiheit«) funktioniert hervorragend. Vincent Gallot (»Ghettogangz«) setzt die Reise einfallsreich und mit großen Naturbildern in Szene.

»Die Camino-Therapie – Finde deinen Weg«: ab 2.7., Passage-Kinos, Kinobar Prager Fühling, Regina-Palast


The Piano Tuner
USA 2026, R: Daniel Roher, D: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Alisen Richmond-Peck, 107 min

Der hörgeschädigte Niki düst mit seinem illustren Onkel Harry zu Luxuskunden, die ihr Klavier oft nur als Deko nutzen, es aber von den beiden Experten stimmen lassen wollen. Niki war ein Wunderkind am Piano, hat aber aufgrund einer Geräusch-Überempfindlichkeit eine mögliche Welt-Karriere verpasst. Als der alternde Harry schließlich im Krankenhaus landet, braucht Niki Geld für die Rechnungen. Zum Glück hat er zuvor bei einem Auftrag zufällig ein ungleiches kriminelles Trio kennengelernt, das Nikis akustische Fähigkeiten zum Knacken von Tresoren nutzen will. Außerdem bandelt der junge Aushilfsganove und Superhörer mit Ruthie, einer überaus ehrgeizigen angehenden Klavier-Absolventin an. Als es bei einem Auftrag zu einem Mord kommt, will Niki aussteigen. Doch für die Gangster ist er unabkömmlich geworden. Für seine Freundin Ruthie hingegen weniger, denn Nikis Machenschaften gefährden schließlich ihre gesamte Karriere. Die Chemie und Performances der Hauptdarsteller sind stimmig wie ein Steinway. Vor allem die Komposition der auditiven – und Nikis emotionaler – Ebene ist eindringlich, etwa wenn dieser immer wieder mit markerschütternden Geräuschen konfrontiert wird oder die Schnittfolge zum Beat passt. Allerdings gibt es auch einige Misstöne durch allzu konstruierte Wendungen und einige reproduzierte Klischees der Hochkultur. MARKUS GÄRTNER

»The Piano Tuner«: ab 2.7. Passage-Kinos


Weitere Filmtermine der Woche

Caravaggio 
GB 1986, Dok, R: Derek Jarman, 93 min

Künstlerbiografie, die den Stil des Malers nicht nur visuell nachahmt, sondern ebenso wie dieser seine historischen Figuren in die eigene Zeit versetzt.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 10.7., 22 Uhr (mit Einführung von Schaubühnen-Kinoleitung Sonja Holzinger, OmU, Pride Pictures)

Queer Core − How To Punk A Revolution
D 2017, Dok, R: Yony Leyser, 83 min

Dokumentarfilm über die queere Underground-Bewegung der 1980er und 90er Jahre, die aus Frust über die heteronormative Punkszene und den bürgerlichen, auf Anpassung ausgerichteten Gay-Mainstream entstand.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 5.7., 22 Uhr (OmU, Pride Pictures)

Queer Shorts 

Lebenshunger, Selbstfindung, alte und neue Wunden – Drei Kurzfilme beleuchten die Beziehung queerer junger Menschen zu ihrer Lebenswelt, ob auf dem chinesischen Festland, in Taiwan oder hin- und hergerissen zwischen New York und Beijing.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 4.7., 22 Uhr (mit Moderation in Drag, OmeU, Pride Pictures)

Cutting through Rocks
IRN/NLD/USA/BRD/QAT/CHL/CAN 2025, Dok, R: Sara Khaki, Mohammadreza Eyni, 95 min

Die Proteste in Teheran und anderen Großstädten scheinen weit weg von dem Ort, an dem Sara lebt. Doch die Protagonistin dieses Films setzt sich in ihrer ländlichen Gemeinde im Nordwesten des Iran ganz alltagspraktisch für die gleichen feministischen Werte ein.

Kunst- und Gewerbehof HP7 (Graphisches Viertel), 8.7., 21 Uhr (Dok-Sommerkino)
7 cl – Sommerkino, 08.7., 21 Uhr (OmeU)

Hütten sind für alle da
D 2023, Dok, R: Birk Poßecker, 91 min

Doku über den Leipziger Osten – ein Stadtviertel, geprägt von Gegensätzen, Geschichten und einzigartigen Persönlichkeiten. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurde der Osten mit VHS-Kameras porträtiert.

Ludwigsgarten 9.7., 19 Uhr (Auftakt und Leipzig-Fokus bereits ab 16 Uhr, Flimmergarten, Räume im Wandel)

Bollwerk
D 2025, Dok, R: Jakob Wehner, 60 min

Doku über drei Aktivist*innen gegen Rechts und ihre schwierige Arbeit in der sächsischen Kleinstadt Wurzen

Ludwigsgarten, 10.7., 19 Uhr (Flimmergarten, Räume im Wandel, Rahmenprogramm ab 16 Uhr, Vorgespräch mit den Filmeschaffenden ab 18 Uhr)

Grasgeflüster 
GB 2000, R: Nigel Cole, D: Brenda Blethyn, Craig Ferguson, Tchéky Karyo, 94 min

Aus Geldnot beginnt eine Witwe in ihren Fünfzigern mit dem Anbau von Marihuana. Schwarze britische Komödie.

Pauluskirche Grünau, 10.7., 21 Uhr (Grünauer Kultursommer)

Rosemaries Baby
USA 1968, R: Roman Polanski, D: Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon, 137 min

Als das frisch verheiratete Paar Rosemary und Guy in das düstere alte New Yorker »Bramford-Haus« zieht, tragen sich seltsame Dinge zu. Raffiniert-effektvoller Horrorfilm nach dem Roman von Ira Levin.

Passage-Kinos, 5.7., 20.30 Uhr (Sunday Séance, OF)

Shaolin Kickers
USA/CHN 2004, R: Stephen Chow, D: Stephen Chow, Wei Zhao, Wong Yat Fei, 113 min

»Golden Leg« Fung, früher ein heller Stern am Fußballhimmel, trifft auf den jungen Mönch Sing, der verzweifelt versucht, die Sportart des Kung-Fu wieder populär in den Vordergrund zu bringen. Fung hat die geniale Idee, Fußball und Kung-Fu zu vereinen.

Ost-Passage-Theater, 8.7., 20 Uhr (OmeU)

Tunten lügen nicht
D 2001, Dok, R: Rosa von Praunheim, 92 min

Rosa von Praunheim erzählt vom Schicksal von vier Parade-Tunten und den dramatischen Veränderungen des schwulen Untergrunds im Berlin der achtziger- und neunziger Jahre.

Luru-Kino in der Spinnerei, 2.7., 19 Uhr (Out on Screen)

Coming Out
DDR 1988, R: Heiner Carow, D: Michael Gwisdek, Dagmar Manzel, Matthias Freihof, 108 min

Der einfühlsam erzählte Film über die Konflikte eines jungen Lehrers, der sich mit seiner verdrängten Homosexualität konfrontiert sieht, feierte in der Nacht Premiere, in der die Mauer fiel. Heiner Carow, Regisseur des DDR-Kultklassikers »Die Legende von Paul und Paula«, inszenierte die DEFA-Produktion.

Luru-Kino in der Spinnerei, 3.7., 19 Uhr (Out on Screen)

The Celluloid Closet
F/D/USA/GB 1995, Dok, R: Rob Epstein, Jeffrey Friedman, 102 min

Doku über die Darstellung queerer Charaktere in Hollywood im Laufe der Jahrzehnte.

Luru-Kino in der Spinnerei, 4.07., 17 Uhr (OmU, Out on Screen)

Young Soul Rebels
GB/F/D/E 1991, R: Isaac Julien, D: Valentine Nonyela, Mo Sesay, Dorian Healy, 105 min

Mischung aus Thriller und schwuler Liebesgeschichte im London des Jahres 1977.

Luru-Kino in der Spinnerei, 5.7., 19 Uhr (OmU, Out on Screen)

The Watermelon Woman
USA 1996, R: Cheryl Dunye, D: Cheryl Dunye, Guinevere Turner, Camille Paglia, 90 min

Mockumentary über eine schwarze lesbische Dokumentarfilmregisseurin, die sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche begibt, als sie in einem alten Hollywoodfilm auf eine lesbische Nebendarstellerin stößt, über die sie mehr erfahren möchte.

Luru-Kino in der Spinnerei, 6.7., 19 Uhr (OmU, Out on Screen)

Gendernauts
D 1999, Dok, R: Monika Treut, 87 min

Gendernauts, das sind Frauen, die sich männliche Hormone spritzen uns zwischen zwei Geschlechtern reisen.

Luru-Kino in der Spinnerei, 7.7., 19 Uhr (Out on Screen)

Rafiki 
F/SA/K 2018, R: Wanuri Kahiu, D: Wanuri Kahiu, Monica Arac de Nyeko, 88 min

Die 17-jährige Kena lebt in einem dicht bebauten Viertel der kenianischen Hauptstadt Nairobi bei ihrer Mutter, die von ihrem Mann für eine jüngere Frau verlassen wurde. Trotzdem hat Kena ein recht gutes Verhältnis zu ihm – das allerdings auf die Probe gestellt wird, als sie sich überraschend in Ziki verliebt, die Tochter des politischen Widersachers ihres Vaters. Zur Gefühlsverwirrung kommt außerdem die Frage, ob Kena für ein Medizinstudium zugelassen wird.

Luru-Kino in der Spinnerei, 8.7., 19 Uhr (OmU, Out on Screen)

Amores Perros
MEX 2000, R: Alejandro González Iñárritu, D: Gael García Bernal, Goya Toledo, Álvaro Guerrero, 153 min

Drei Leben prallen bei einem Autounfall in Mexico City aufeinander: Eindrucksvolles und gewalthaltiges Regiedebüt in drei ineinander verschachtelten Episoden.

Kinobar Prager Frühling, 7.7., 19 Uhr

Außen abgekühlt doch voller Glut im Innern − Karl Brauner in Spanien (1934–1939)

Karl Brauner war in Barcelona nicht nur mit deutschen Emigranten und Gesinnungsgenossen zusammen, sondern in die spanische Bewegung integriert.

Ost-Passage-Theater, 3.7., 20 Uhr (Filmpremiere und Gespräch)

Jena Paradies
D 2004, R: Marco Mittelstaedt, D: Bruno Apitz, Stefanie Stappenbeck, Luca de Michieli, 83 min

Jeanette lebt mit ihrem zehnjährigen Sohn Louis in Jena. Sie arbeitet viel und kann sich oft kaum um Louis kümmern, der in Harry, dem Platzwart des örtlichen Fussballvereins, einen väterlichen Freund findet.

Zeitgeschichtliches Forum, 6.7., 19 Uhr (im Rahmen der Ausstellung »Platte. Leben in der Großwohnsiedlung«, Zwischen Beton und Paradies)

Klassentreffen – Alles beim Alten
F 2025, R: Jérôme Commandeur, D: Laurent Lafitte, François Damiens, Vanessa Paradis, 104 min

Vier Schulfreunde treffen sich drei Jahrzehnte später, um einen verstorbenen Klassenkameraden zu ehren. Eine Nacht voller Lachen, Reflexion und Erkenntnisse darüber, wie die Zeit ihre Bindungen verändert und bewahrt.

Leipziger Central Kabarett, 3.7., 20 Uhr

Klassiker-Sneak

Ein Überraschungs-Filmklassiker zurück auf der Leinwand.

Cineplex, 9.7., 20 Uhr (Kult-Sneak)

Into the Wild
USA 2007, R: Sean Penn, D: Emile Hirsch, William Hurt, Jena Malone, 142 min

Der unter der schwierigen Beziehung seiner Eltern leidende Christopher McCandless will sich seinem ehemaligen Leben und der Gesellschaft für immer entziehen und beschließt deshalb, kurz nach seinem Abschluss von zu Hause auszubrechen. Ohne ein Wort und Ankündigung macht er sich auf eine Reise quer durch die Staaten.

Regina-Palast, 7.7., 18 Uhr (Best of Cinema, OV), 20:00 (Best of Cinema)
Cinestar, 7.7., 19.30 Uhr (Best of Cinema)
Cineplex, 7.7., 20 Uhr (Best of Cinema)

Plattenbau und Badehose

Radwanderkino mit Grünau-Kurzfilmen des Regisseurs Birk Poßecker und Livemusik.

Bürgerbahnhof Plagwitz, 10.7.,  21 Uhr (im Rahmen der Ausstellung »Platte. Leben in der Großwohnsiedlung«, ZFL unterwegs)


Radwanderkino: 50 Jahre Grünau

Café Heiter bis Wolkig, 10.7., 21 Uhr


Infam
USA 1961, R: William Wyler, D: Audrey Hepburn, Shirley MacLaine, Miriam Hopkins, 95 min

Der Verdacht, zwei junge Lehrerinnen an einer Mädchenschule hätten eine Beziehung, führt in die Katastrophe. Intensiv gespieltes, allerdings noch sehr seiner Zeit verhaftetes Drama.

Passage-Kinos, 2.7., 20.30 Uhr (OV, Passagen-Werke mit Einführung)


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