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1. Juli: Nach der Hitze ist vor der Hitze

Der Leipziger Stadtrat diskutiert über Folgerungen und Konsequenzen aus dem Hitzewochenende.

  1. Juli: Nach der Hitze ist vor der Hitze | Der Leipziger Stadtrat diskutiert über Folgerungen und Konsequenzen aus dem Hitzewochenende.  Foto: Stefan Ibrahim

»Eine historische Hitzesituation und eine zusammengebrochene Infrastruktur«, so fasst der Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau Thomas Dienberg (Bündnis 90/Die Grünen) die Situation in Leipzig am vergangenen Wochenende zusammen. In der letzten halben Stunde der Stadtratssitzung gibt es drei drei Anfragen zum Zusammenbruch des ÖPNV infolge der Hitze. Außerdem wird die Hitzegefahr generell für die Stadt diskutiert.

Den Anfang macht Dienberg. Er tut sich jedoch in Bezug auf die Ursachen der Hitzeschäden an den Straßenbahnschienen schwerer als in der Beschreibung der Situation. Die bisherige Analyse lautet: Es seien Schäden quer durch alle »Baualter und Bauweisen« im Schienennetz festgestellt worden – mysteriöserweise meist an der linken Schiene. Dabei hätte das genutzte Baumaterial unter den bisherigen Temperaturen einwandfrei funktioniert. Es gäbe bisher keine Anzeichen dafür, dass geltende Normen beim Bau der Schienen gebrochen worden wären – mit anderen Worten, dass »Pfusch am Bau« (Eric Recke, BSW) betrieben worden sei. Michael Weickert (CDU) folgert später gewagt, dass die Rekordtemperaturen für das Versagen des Bitumens –dem schwarzen Füllmaterial zwischen Schiene und Asphalt – verantwortlich seien.

Es folgt eine schlaglichtartige Darstellung wie sich die Hitze in den sonstigen Bereichen der Stadt ausgewirkt hat. Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) zählt auf: 20–30 Prozent öfter müssen die Einsatzkräfte der Stadt ausrücken, Kliniken müssen eine 20-Prozent höhere Auslastung wegen Dehydrierung stemmen, Pflanzen und Gehwegen in Parks wurden geschädigt und es wurde die höchste je gemessene Wasserentnahme aus dem Wassernetz der Stadt verzeichnet. Die ausführliche Beantwortung der Anfrage der Grünen mit dem Namen »Nach der Hitze ist vor der Hitze«, in der es um Klimawandelanpassungen geht, wird dagegen auf nach die Sommerpause vertagt und und mit ihr 15 geplante kurzfristige Maßnahmen, die Rosenthal in Aussicht stellt.

Im Folgenden kehrt Eric Recke (BSW) zur Frage zurück, warum sich die Bitumenmasse überhaupt aus der ihr zugeschriebenen Position verabschiedet hat. Er schließt mit der spannenden Schlussfolgerung: »Die Ausgaben zur Einsparung von CO2 fehlen uns nun für Hitzeschutzmaßnahmen«.

Diesen Gegensatz könne man so nicht machen, meint darauf Kristina Weyh von den Grünen: »Wenn wir das Klima nicht schützen, wird es so weiter gehen. Irgendwann können wir uns als Menschen nicht mehr daran anpassen«. Um diesen schon jetzt wahrscheinlichen Extremwetterereignisse begegnen zu können, fordert sie, die Stadt baulich und konzeptionell auf solche Situationen vorzubereiten.

Ein Punkt, dem nach den Redebeiträgen zu urteilen, grundsätzlich alle zustimmen. Verwunderlich vor dem Hintergrund, dass kaum drei Stunden davor die Fraktionen der SPD, CDU, AfD und die Freie Fraktion einen Antrag der Linken ablehnten, Fahrradwege kostengünstig zu entsiegeln – immerhin auch eine Reaktion auf ein mögliches Extremwetterereignis. Es bleibt also abzuwarten, welche konkreten Pläne die Stadt weiter verfolgen wird und wofür sie Geld ausgeben kann und will, um mit zukünftigen Extremwettersituation umzugehen. Ein Aspekt dessen wird wohl die Aufarbeitung der Bitumschmelze sein. Diese soll nach der Sommerpause öffentlich präsentiert werden.


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