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Kultur

Herkunftsfragen

Bis Sonntag sind die Diplomarbeiten des Jahrgangs 2026 der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zu sehen, und auch die Burg Giebichenstein lädt zur Jahresausstellung ein.

  Herkunftsfragen | Bis Sonntag sind die Diplomarbeiten des Jahrgangs 2026 der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zu sehen, und auch die Burg Giebichenstein lädt zur Jahresausstellung ein.  Foto: Britt Schlehahn

Wer den Lichthof der Hochschule für Grafik und Buchkunst betritt und den Kopf nach oben reckt, sieht, dass ein metallenes Konstrukt in der Höhe schwebt. Es handelt sich um den Grundriss der Wohnung von Zoe Popp während ihres Studienaufenthaltes in Südkorea. Dem repräsentativen Bau der Kunsthochschule, der zwischen 1887-1890 entstand, stellt sie den privaten Raum einer Studierenden gegenüber. Die Installation bildet einen Teil ihres Diploms, das sie im Fachbereich Fotografie in der Fachklasse Heidi Specker absolvierte.

Popp gehört zu den rund 80 Menschen, die 2026 das Diplom an der HGB in den Fachbereichen Buchkunst und Grafik-Design, Fotografie, Malerei und Grafik sowie Medienkunst bestanden. Ihre Diplomarbeiten sind bis Sonntag in fast zwanzig Räumen der Hochschule sowie in Kunsträumen in der Stadt zu sehen. Die Arbeiten drehen sich viel um Identität, Herkunft, die Rolle des künstlerisch Produzierenden, die Entstehung von Bildern.

In der Galerie beispielsweise reihen sich im Obergeschoss weite Landschaften und Blicke in Observatorien im Kurzfilm »As far as we could tell« von Katharina Bayer aneinander, die in der Klasse für Expanded Cinema ihr Studium abschloss. Der Film verbindet Aufnahmen aus Armenien und der Türkei und den dort zu findenden Spuren wissenschaftlicher Himmelserkundungen zwischen Fortschrittsglauben und historischen Zeugnissen. Im Festsaal sind zwei Rauminstallationen zu sehen, die prägende Spuren der Kindheit und Jugend in den Diplomen von Nathalie Valeska Schüler (Fotografie, Fachklasse Heidi Specker) und Heather Koen (Klasse für Installation und Raum, Joachim Blank) zeigen. Während Schüler den Plattenbauten der DDR, deren Ideologisierung sowie Erfahrungen der Alltagsgeschichte verbindet, erzählt Koen vom Umzug aus Ost- nach Westdeutschland.

In der Galerie für Zeitgenössische Kunst können von Merlin Rainer (Malerei/ Grafik) ein Film über Hardtekk und Ostdeutschland und zu Archiven von Pooya Sedighi Mournani (Fotografie) in der Ausstellung »It’s not about nothing, Episode 2« in der Galerie für zeitgenössische Kunst bis zum 18. Oktober angesehen werden.

Der Diplomrundgang und das Sommerfest der HGB eröffnen heute – Freitag, 17. Juli – um 16 Uhr. Von Freitag bis Sonntag finden zudem noch einige Veranstaltungen statt. Am Freitag um 18 Uhr und am Sonntag um 12.30 Uhr führt im Raum 2.10 Johann Bärenklau (Medienkunst) die Soundperformance »Spätes Stockhausen-Syndrom« auf. Zum gemeinsamen Kochen lädt Paul Nilling am Samstag um 16 Uhr in den HGB-Innenhof. Eine Reihe von Lesungen können bis Sonntagnachmittag besucht werden. Das gesamte Programm und der Raumplan finden sich online.  

Halle

Am Wochenende findet zudem die Jahresausstellung an der Burg Giebichenstein in Halle statt, in der auch die Diplome zu sehen sind. Dafür öffnet der Campus Kunst und Campus Design und das Hermes-Gebäude am Samstag von 12 bis 20 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Darüber hinaus gibt es eine Intervention an fünf Orten zur Geschichte der Kunsthochschule im Nationalsozialismus. Unter dem Titel »Die Burg ist eine Insel!?« recherchierte Christina Brinkmann zur Institutionsgeschichte und den Erzählungen zur Zeit, die Maria Lu Teigler gestaltete. An fünf Stationen auf dem Design- und Kunstcampus sind Exponate von 1933 bis 1945 zu sehen, um auf die Widersprüche und vor allem Leerstellen hinzuweisen. So kann am Studieninformationszentrum auf dem Campus Design der Schriftwechsel zwischen Kunsthochschule und dem Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung eingesehen, wenn es 1937 um die Ablehnung der Bewerberin Alice Wertheim geht, die angeblich als sogenannte »Halbjüdin« den »besonderen Charakter dieser Schule« beeinträchtigen würde.

Dazu finden zudem am Samstag auch Rundgänge statt: um 11 Uh ab Kutscherhaus und um 12.30 Uhr ab Blauwagen, Unterburg. Bis zum 9. August bietet sich in der Burggalerie die Gelegenheit die Arbeiten der Meisterschüler und Meisterschülerinnen der Burg zu sehen.

www.hgb-leipzig.de

www.burg-halle.de/institution.jahresausstellung


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