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Stadtleben

»Ohren gespitzt, weil jemand hier am Mikro sitzt«

Die Kinder-Radiosendung der Kurt-Masur-Schule feiern zehnten Geburtstag

  »Ohren gespitzt, weil jemand hier am Mikro sitzt« | Die Kinder-Radiosendung der Kurt-Masur-Schule feiern zehnten Geburtstag  Foto: Julia Kluge

Es ist kurz vor um acht in der Kurt-Masur-Schule. Die meisten Kinder sitzen schon in ihren Klassenräumen, einige laufen noch durch die Gänge – aber alle hören plötzlich einen Gong über die Lautsprecheranlage und schon erklingt in der ganzen Schule ein Jingle: »Gut aufgepasst und Ohren gespitzt, weil jemand hier am Mikro sitzt, im Schülerradio.« Es folgen Musik und ein Radiobeitrag. Das kann ein Interview sein, ausgedachte Quatschnachrichten, eine Umfrage und noch vieles mehr. Das Besondere: Die kleinen Radiomacher und Radiomacherinnen dieser Beiträge sitzen genauso in den Schulklassen oder gehen durch die Gänge wie die anderen Kinder. Seit zehn Jahren wird hier so der Schultag vom Radio eingeläutet.

Die Radiobeiträge der Grundschul-Kinder entstehen jede Woche als Teil des Ganztagsangebots der Schule. Interessierte Kinder können am Mittwochnachmittag für eine Stunde zu Medienschaffenden werden. Das Angebot ist eine Kooperation der Kurt-Masur-Schule und des Vereins Hörfunk- und Projektwerkstatt Leipzig. Unterstützt werden die Kinder von Katja Röckel, die viele in Leipzig als Mrs. Pepstein kennen. Röckel macht selbst begeistert Radio (Blau) und Begeisterung ist auch zu spüren, wenn sie davon erzählt, wie es ist, die Kinder dabei zu unterstützen, sich selbst im Radio auszuprobieren. Vor dem aktuellen Projekt gab es bereits ein Schulradio für die Kinder, das von einer Lehrkraft organisiert wurde. Als Röckel dann vor zehn Jahren das Projekt übernahm, wurde aus dem Radio für Kinder ein Radio mit Kindern. Das Konzept von Röckel hat dabei den Kerngedanken, »dass viel von den Kindern kommt, dass Themen aus der Schule aufgegriffen werden, aber einfach auch aus den Interessen der Kinder. Dass das Radio ein kreatives Feld ist, wo sie sich selbst ausprobieren können.« In der Stunde entstehen dann verschiedenste Radiobeiträge für die Woche. Ganz begeistert erzählt eins der Kinder: »Ich finde das Radio richtig cool, weil man da so viele Sachen machen kann, die man im normalen Schulalltag nicht machen kann. Zum Beispiel Interviews, Umfragen und Geschichten erzählen und aufnehmen.« Die Kinder können sich dabei selber aussuchen, was sie machen wollen. Manche führen lieber Interviews, andere schneiden gerne. Nach den Stunden schneidet Katja Röckel meist den Rest der Beiträge zu Ende, Ti Rostalski spielt sie dann aus. Er ist Lehrer an der Schule und ebenfalls sehr stolz auf das Projekt. Trotz des hohen Engagements der Kinder können in nur knapp einer Stunde Arbeitszeit nicht für alle fünf Schultage Beiträge entstehen. Die restlichen Radiobeiträge werden von Referendaren und Referendarinnen der Schule beigesteuert, die sich am Projekt beteiligen.

Anekdotisch berichtet Röckel von einer Sendung, die ihr besonders gut in Erinnerung geblieben ist: Deren Idee basierte darauf, dass sich die Kinder fragten, was nach Weihnachten mit den weggeworfenen Weihnachtsbäumen passiert. Für die Sendung machten sie einen Ausflug zu einer Mülldeponie, wo sie die dort Arbeitenden interviewen konnten. Solche Ausflüge sind jedoch eher die Ausnahme, meistens entstehen die Radiobeiträge vor Ort in der Schule. »Ich würde auch gerne mit ihnen mehr im Stadtteil machen, zum Beispiel in die Bibliothek gehen oder so«, sagt Röckel, »aber das ist in der einen Stunde, die ich nur da bin, und über die hinaus ich eh oft noch am Projekt arbeite, leider selten möglich.« Einen größeren Ausflug gibt es aber in jedem Halbjahr: Dann geht es mit den Kindern in die Studios der Hörfunk- und Projektwerkstatt Leipzig, wo eine längere Sendung aus den besten Beiträgen des Halbjahres entsteht. Ein Highlight für die Kinder, die davon berichten, dort »noch viele Sachen über das Radio gelernt« zu haben.

Man merkt: Sowohl bei der Schule wie beim Team der Hörfunk- und Projektwerkstatt kommt das Projekt nach nun zehn Jahren weiterhin sehr gut an. Um Nachwuchs muss sich das Projekt nicht sorgen, denn auch für die Kinder, für die das Radio längst zum Schulalltag geworden ist, sorgt der Anblick der kleinen Reporter und Reporterinnen mit ihren Mikrofonen oft dafür, dass die sich selbst mal am Radiomachen ausprobieren wollen.


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