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Kultur

»Die Leute hören nicht, wie sie kichern«

Nils Loesche über elektrische Küchenmesser und seine neue Musikinstrumente-Boutique

  »Die Leute hören nicht, wie sie kichern« | Nils Loesche über elektrische Küchenmesser und seine neue Musikinstrumente-Boutique  Foto: Marius Mörtl

Im Mai eröffnete im Leipziger Westen eine Boutique für elektronische Musikinstrumente. Im sonnendurchfluteten Schaufenster sind Gitarren, Effektgeräte und Synthesizer zu sehen. Drinnen begrüßt uns nicht nur schöne Indie-Musik, sondern auch Ladenbesitzer Nils Loesche. Im Gespräch mit dem kreuzer erzählt er von elektrischen Küchenmessern, den Visionen und Ideen mit seinem Musikgeschäft.

Wie ist es zu der Idee gekommen, einen Laden zu eröffnen?

Ich habe experimentelle Bandmusik gemacht und dabei immer nach neuen Möglichkeiten gesucht, meinen Gitarrensound zu verändern. Und ich dachte: Boah, es wäre geil, wenn es eine Boutique gäbe, in der jemand einen Plan davon hat. Also, dass es eben nicht nur diese Massenware von Effektgeräten gibt, sondern auch Leute, die über den Tellerrand schauen und sich inspirieren lassen wollen, um neue Sounds zu finden. So kam die Idee, genau so einen Laden zu haben. Meine Idee ist dabei nicht, reich zu werden – dafür ist das die falsche Nische.


Sondern?

Ich will eine Inspirationsquelle und ein Knotenpunkt für die Leipziger Szene sein. Ich bin schon seit zehn Jahren in Leipzig unterwegs, habe viele DIY-Konzerte organisiert, auch als Musiker gespielt und habe viele Connections. Ich eröffne hier jetzt einen Raum innerhalb der Stadt, den ich selbst gestalten kann. Ich verkaufe, klar, aber es geht mir auch darum, eine Gemeinschaft zu bilden. Ich wurde inspiriert von der britischen Szene und wünsche mir, dass wir uns alle mehr abfeiern, uns vernetzen und uns so das Leben leichter machen.


Wie genau stellen Sie sich das vor?

Zum einen gebe ich Unterricht, den ich sehr niedrigschwellig gestalte und da meine Ausbildung als Erzieher einbringe. Ich will mein Wissen teilen, den Lernenden langfristig Spaß am Instrument mitgeben und etwas daran ändern, dass Musik so mystifiziert ist. Das betrifft übrigens auch das Thema Booking, Musikindustrie und so weiter. Ich will hier gerne Panel-Talks veranstalten, insbesondere mit Leipziger Labels. Ich will Konzerte veranstalten und aufzeichnen, also mit überschaubarem Aufwand Musik produzieren.


Das sind viele Vorhaben!

… und ich möchte gern eine interaktive Karte von Leipzig auf meiner Website schaffen, auf der sich Akteurinnen und Akteure aus der Musikszene selbst eintragen können: Labelbetreiber, Recordingstudios, Leute, die Cover-Art-Designs machen und alle anderen. So können wir innerhalb Leipzigs Sichtbarkeit schaffen und lokal besser zusammenarbeiten. Ich möchte gern etwas reingeben und dann passiert schon was, Achym vom Hitness-Club ist da eine große Inspiration für mich.


Was steckt eigentlich hinter dem Namen »Electric Knife«?

Ich finde gut, dass er erst mal Fragezeichen aufwirft. Außerdem hat es eine schöne Ästhetik, ich bin ja in dieser schrottigen DIY-Ästhetik in Leipzig groß geworden, war viel auf Wagenplätzen unterwegs und wollte das mit dem Namen aufgreifen. Ich wollte nicht so einen durchgestylten, minimalistischen Apple-Store-Charme verkörpern – weder im Laden noch mit dem Namen. Ich will vermitteln, dass man viel erreichen kann, ohne dass es perfekt sein muss. Und das Kantige, das Rohe steckt auch in dem Namen drin, finde ich.


Es ist eine Boutique, kein Laden?

Genau, ich arbeite eher mit Manufakturen zusammen. Beispielsweise sind die Herstellerinnen und Hersteller der Module für die Modularsynthesizer ein oder zwei Menschen. Es ist eben keine Massenware. Außerdem kuratiere ich die Produkte.


Und nach welchen Kriterien?

Ich wähle Sachen aus, von denen ich überzeugt bin. Qualität, Langlebigkeit, Klang, so verschiedene Aspekte. Beispielsweise bei den Effektgeräten: Da habe ich die ausgewählt, die auch besonders viel Kreativität ermöglichen, insbesondere dann, wenn man sie so benutzt, wie sie nicht gedacht sind. Und ich biete auch Gebrauchtes an, um nicht nur nachhaltig zu sein, sondern auch niedrigschwellig, und günstigere Produkte anbieten zu können.


Wie soll es mit »Electric Knife« weitergehen?

Erst mal so, dass sich der Laden trägt und ich davon leben kann. Aber bis dahin sollen die Leute nicht nur hier hinkommen, um zu kaufen – es gibt keinen Konsumzwang. Bitte fasst alles an und probiert es aus! Und das Schöne ist, wenn die Leute dabei Kopfhörer aufhaben, hören sie selbst nicht, wie sie kichern. Ich will, dass viel mehr entdecken, wie geil das ist, Musik zu machen.


> Electric Knife, Jahnallee 71, 04177 (Altlindenau), Di–Fr 13–18, Sa 10–13 Uhr, www.electric-knife.de


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