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Kultur

Verband anlegen, Ängste ablegen

Die Teddy-Retter Kevin Henkel und Tom Grünhagen erklären Kindern Erste Hilfe 
und Reanimation – deren Eltern frischen ihr Wissen gleich mit auf

  Verband anlegen, Ängste ablegen | Die Teddy-Retter Kevin Henkel und Tom Grünhagen erklären Kindern Erste Hilfe 
und Reanimation –  deren Eltern frischen ihr Wissen gleich mit auf  Foto: ASB-Leipzig

Dunkle Wolken hängen früh am Morgen über dem Südoststadion in Stötteritz. Man könnte denken, dass bei diesem Nieselwetter niemand freiwillig hinausgehen möchte, doch das ist nicht so: Kinder in Fußballtrikots flitzen über den Rasen, während die Eltern ihnen vom Spielfeldrand zujubeln. Heute geht es aber nicht nur um Sport, sondern auch um einen guten Zweck. Beim Turnier unter dem Motto »Kick den Krebs« werden Spenden für den Verein der Elternhilfe für krebskranke Kinder gesammelt. Während sich die Kinder warmspielen, fahren zwei Rettungswagen des Arbeiter-Samariter-Bunds an den Spielfeldrand. Auch das ASJ-Team, die ehrenamtlich arbeitende Arbeiter-Samariter-Jugend, lässt sich offensichtlich nicht vom Nieselwetter den Tag verderben und zeigt beim Aufbau der Station genauso viel Teamwork wie die Mannschaften auf dem Rasen. Der ASB ist heute nicht nur für den Sanitätsdienst da, er stellt den Gästen des Turniers auch ein eigenes Projekt vor: den Teddy-Rettungswagen. In diesem können Gäste nicht nur die Arbeit der Sanitäterinnen und Sanitäter kennen lernen, sie lernen auch (wieder) etwas über Erste Hilfe und Reanimation. Dabei wird nicht nur mit einer Reanimationspuppe geübt, sondern auch mit Kuscheltieren. Genau die wecken die Aufmerksamkeit eines kleinen Jungen und seiner Mutter. Erst traut sich der Junge nicht in den Rettungswagen, doch dann schlägt ein Teammitglied der ASJ vor, doch mal an einem Kuscheltier zu üben, wie ein Verband angelegt wird. »Wir nutzen dafür immer abgelaufenes Verbandsmaterial, damit wir nachhaltig arbeiten«, erklärt Kevin Henkel, der den Einsatz leitet.

Und tatsächlich: Stück für Stück taut der Junge immer mehr auf und lässt sich dann sogar das Innere des Rettungswagens zeigen – und strahlt, als er erfährt, dass er den frisch verarzteten Teddybär mit nach Hause nehmen darf. »Es ist immer schön zu sehen, wie die Kinder ihre Angst verlieren. Nach nur wenigen Minuten kommen dann plötzlich ganz viele Fragen«, erzählt Tom Grünhagen, der zusammen mit Kevin Henkel das Konzept der Teddy-Retter erarbeitet hat. Auch die Mutter des Kindes beginnt, Fragen zu stellen: »Wie ging das noch mal mit der stabilen Seitenlage?« Auch die Eltern können hier ihr Wissen über Reanimation und Erste Hilfe auffrischen. Dass sich das lohnen kann, zeigen die Statistiken für Deutschland: Die Laienreanimationsquote liegt hier aktuell bei etwa 55 Prozent. Das bedeutet, dass bei etwas mehr als der Hälfte aller Herz-Kreislauf-Stillstände außerhalb von Krankenhäusern bereits geholfen wird, bevor der Rettungsdienst eintrifft – bei der anderen Hälfte aber eben nicht. Kevin Henkel sieht dafür eine pragmatische Lösung: »Es kann ja nicht sein, dass so wenige das können, und da fangen wir gleich mit den Kleinsten an.« Die Idee, Kindern Erste Hilfe mit Kuscheltieren zu zeigen, gibt es in Leipzig schon länger. Das Teddybärkrankenhaus Leipzig ist ein ehrenamtliches Projekt von Medizinstudierenden der Uni Leipzig, um Kindern spielerisch die Angst vor Arztbesuchen zu nehmen. Vor zwei Jahren kam Henkel die Idee, ein ähnliches, aber mobiles Projekt für den ASB zu entwickeln und damit auch gezielt auf die Anfragen von Grundschulen für ein Erste-Hilfe-Lehrangebot zu reagieren. Der Vorstand der Jugendorganisation des ASB nahm sich dann des Projektes an und baute es immer weiter aus. Wirklich umsetzbar wurde der Teddy-Rettungswagen jedoch nur durch Fördergelder des ASB sowie durch Sachspenden.

Dabei geht es nicht nur um Ausrüstung wie das Verbandsmaterial, sondern auch um die zu verarztenden Kuscheltiere. Die Spendenlage ist aktuell gut, so dass das Team das Projekt ausbauen kann. So wird der Rettungswagen, der am Südoststadion vorgefahren ist, demnächst ersetzt: Statt eines ausgedienten normalen Rettungswagens wird bald ein extra konfigurierter Teddy-Rettungswagen zum Einsatz kommen. Der wird nicht nur genug Stauraum für Kuscheltiere und Projektmaterial haben, sondern auch mehr Platz, um den Kindern die Ausrüstung der Sanitäterinnen und Sanitäter zu erklären – und er wird eine Rampe für den barrierefreien Zugang haben. Trotz des bisherigen Erfolgs war es eine große Überraschung für Kevin Henkel und Tom Grünhagen, dass auch die Stadt Leipzig auf das Projekt aufmerksam geworden ist: Am 21. Juni wurden die beiden mit der Ehrennadel der Stadt für ihr in besonderer Weise nachhaltiges Engagement ausgezeichnet – und verstehen das als stellvertretend für den ganzen Verein.


> www.asb-leipzig.de/asj

> www.tbk-leipzig.de


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