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Kultur

»Die Neugierde existiert bereits in den Menschen.«

Im Gespräch mit Amelie Neumann und Jonas Petry zur zehnten Ausgabe des Seanaps-Festivals

  »Die Neugierde existiert bereits in den Menschen.« | Im Gespräch mit Amelie Neumann und Jonas Petry zur zehnten Ausgabe des Seanaps-Festivals  Foto: Sans Age/Konradas Zakauskas

Aller guten Dinge sind zehn: So zelebriert das Seanaps-Festival die Jubiläumsausgabe. Außerdem haben sich Amelie Neumann (AN) und Jonas Petry (JP), die das Programm kuratieren, unter dem Titel »TEN« auch von einem ikonischen und gleichwohl welthaltigen Kurzfilm inspirieren lassen. Darüber und über ihre Geschichte sprechen sie mit dem kreuzer.

Mit der ersten Ausgabe riefen Sie zu mehr Curiosity, also Neugier und Kuriosität, auf. Wie steckt man das Publikum damit an?

AN: Neugierde existiert bereits in den Menschen, wir schaffen lediglich die temporären Erfahrungsräume, in denen sie sich frei entfalten kann.

JP: Neugier lässt sich nicht erzwingen. Wir laden das Publikum lediglich ein, sich auf neue Klangwelten einzulassen. Dabei muss nicht jedem oder jeder alles gefallen.


Das Seanaps versteht sich als Festival, das über Disziplinen hinweg arbeitet. Wie schaffen Sie das?

AN: Uns ist wichtig, dass diese Transdisziplinarität kein akademischer Selbstzweck ist. Transdisziplinär klingt oft kompliziert, für uns bedeutet es aber, etwas sehr Lebendiges und Erlebbares zu schaffen. Wir bringen Künstlerinnen und Künstler aus völlig unterschiedlichen Welten auf die Bühne und in unterschiedlichen Formaten wie Interventionen in den öffentlichen Raum, Workshops oder dem Radio zusammen. Da trifft experimentelle Musik auf Klangkunst oder Medienkunst auf handgemachte Instrumente.


Was bedeutet das für das Publikum?

AN: Überraschung. Im besten Fall betritt das Publikum einen Raum und erlebt etwas, das in keine Genre-Schublade passt. Dadurch werden Fragen aufgeworfen, die wiederum einen Raum für Kommunikation und Austausch eröffnen und neue Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und künstlerische Arbeiten ermöglichen. Das besonders Schöne ist: Die Barrieren zwischen den Disziplinen fallen – und damit auch die Barrieren im Kopf der Besuchenden, hoffentlich.


Wie befreiten Sie sich von den Grenzen der Künste?

AN: Ehrlich gesagt mussten wir uns gar nicht mühsam von Grenzen befreien, denn die Klangkunst ebenso wie Sound Art bringen diese Freiheit von Natur aus mit. Das ist für uns also gar nichts radikal Neues, sondern einfach die Nutzung dieser Offenheit, die wir auch schon häufig an die Ränder dessen gebracht haben, was vermeintlich erlaubt ist.


Sie haben zehn Seanaps-Ausgaben miterlebt. Bei welchem der Konzerte gab es die wildeste Interaktion?

JP: Da gab es einige, zum Beispiel beim Krachkisten Orchester Workshop von Tintin Patrone 2021, bei dem die Workshopteilnehmenden mit selbst gebauten Synthesizern im öffentlichen Raum improvisiert haben und sehr viel Spaß hatten.


Im Jubiläumsjahr beziehen Sie sich auf einen Film?

AN: Die Ausgabe blickt durch die Linse des visionären Kurzfilms »Powers of Ten« (1977) von Ray und Charles Eames – einem Meilenstein visueller Experimente, der das Universum im Rhythmus der Zahl zehn vermaß, um die fundamentale Verbundenheit aller Dinge aufzuzeigen. Das Seanaps Festival überträgt dieses Prinzip auf die Auseinandersetzungen mit Klang.


Wie können wir uns fundamentale Verbundenheit im Klang vorstellen?

AN: Die eingeladenen lokalen wie internationalen Künstlerinnen und Künstler erforschen Klang als skalierbares Medium, vom Mikrokosmos des menschlichen Körpers bis hin zum Makrokosmos von Technologie, Umwelt und Gemeinschaft. In Konzerten, Performances, Interventionen, Installationen, Workshops und einem Festival-Radio entstehen temporäre Räume für gemeinsame Hörerfahrungen. Die Jubiläumsausgabe bündelt die Impulse eines über zehn Jahre gewachsenen internationalen Netzwerks und kartografiert aktuelle, wegweisende Positionen experimenteller Musik, Kunst und Kultur.


Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich am meisten?

JP: Schwierige Frage. Eigentlich freuen wir uns auf alle Programmpunkte und sind gespannt, wie alles ineinandergreifen wird.


> Seanaps-Festival u. a. mit Feu Fou, Dumana, Rol, 17.–20.9., Westflügel, Kunstraum Ortloff, Luru-Kino und weitere Orte, www.seanaps.net/2026


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