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Kultur

Hitzeflimmern

Die Kinotipps der Woche

  Hitzeflimmern | Die Kinotipps der Woche  Foto: The Barricade Panama Film

In der gut kuratierten Reihe »Grenzgänger«, in der das Cineding seit einiger Zeit abwegiges deutsches Kino präsentiert, gibt es im August ein wirkliches Juwel zu entdecken: »Herzsprung« von Helke Misselwitz. In dem kleinen Ort Herzsprung hat sich einige Jahre nach der Wende wenig verändert, abgesehen von der steigenden Arbeitslosigkeit. Als Johanna ihren Job verliert und sich auch noch in einen afrodeutschen Abenteurer verliebt, wird sie zum Dorfgespräch. Ein tragikomischer, einzigartiger Film.

»Herzsprung«: 13.8. 19 Uhr, Cineding (Reihe »Grenzgänger«)



Film der Woche:

Everytime
AT/D 2026, R: Sandra Wollner, D: Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling, Tristán López, 124 min

Eine quadratische Sonne über dem azurblauen Meer. Ein Titel, der alles und nichts sagt. »Everytime« ist ein Rätsel. Der dritte Spielfilm der österreichischen Filmemacherin Sandra Wollner (»The Trouble with Being Born«) ist ein Raum, den man als Betrachter mit seinen eigenen Gedanken füllen kann. Zunächst einmal ist da der ganz normale Alltag einer dreiköpfigen Familie, den Gregory Oke (»Aftersun«) wunderbar beiläufig filmt, als säße man mit auf dem Sofa. Ella kümmert sich allein um ihre beiden Kinder, Teenagerin Jessie und ihre kleine Schwester Melli. Durch einen plötzlichen Todesfall kommt Jessies Freund Lux in dieses Gefüge und die Verarbeitung von Verlust wird zum Grundthema des Films. Eine surreal-überhöhte Perspektive nimmt den Raum ein. Die Atmosphäre verdichtet sich und bleibt gleichermaßen schwebend. Wer sich an der Handlung festhält, verliert bald das Gleichgewicht. Darauf muss man sich einstellen. Ob man dem Film als Zuschauer bis zur konsequenten Auflösung, die mehr Fragen stellt als Antworten liefert, folgt, ist eine Frage der Offenheit. Ist man bereit, wird man mit einem großartigen, natürlich spielenden Ensemble belohnt, aus dem Birgit Minichmayr als Muttertier heraussticht. In Cannes wurde »Everytime« mit dem Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet. Eine spirituell wie auch formal bereichernde Kinoerfahrung, ein frischer Ansatz, Film neu zu denken, und ein unvergessliches Erlebnis.

»Everytime«: ab 6.8., Passage-Kinos, Cinémathèque


Lebensansichten eines Huhns
D/GR/HUN 2025, R: György Pálfi, D: Maria Diakopanayotou, Argyris Pandazaras, 97 min

In Lebensansichten eines Huhns wirft György Pálfi einen humorvollen und sehr präzise überlegten Blick auf die Schwierigkeiten Uneindeutigkeiten der Mensch-Tier-Koexistenz: Sein neuer Film erzählt die geflügelte Abenteuerreise eines Federviehs, das ausbüxt und von vorne anfängt. Auf der anderen Seite zeigt er aber auch die menschliche Existenz und das Verhältnis des Menschen zum Tier aus tierischer Perspektive. Der liebevoll und aufwändig realisierte Spielfilm, koproduziert von der Hallenser Pallas Film, feierte seine Weltpremiere beim Toronto International Film Festival und seine Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg. Es folgten weitere Festivalpremieren in Italien, Brasilien, Japan und Griechenland. Vom Calgary International Film Festival erhielt der Film eine besondere Erwähnung der Jury für »Best Performance by a Fowl«, also die beste darstellerische Leistung eines Geflügels.

»Lebensansichten eines Huhns«: ab 6.8., Passage-Kinos, Regina-Palast


Weitere Filmtermine der Woche

Lateinamerikanischer Filmabend

Open-Air-Kino im Rahmen der Ausstellung »The Soul of Objects«

Grassi-Museum für Angewandte Kunst, 07.8. 21 Uhr (»Remathau: People of the Ocean«), 8.8. 21 Uhr

In the Mood for Love 
HK 2000, R: Wong Kar-Wai, D: Tony Leung, Maggie Cheung, Rebecca Pan, 98 min

Wong Kar-Wais große Liebesgeschichte im Hongkong der sechziger Jahre, meisterhaft gefilmt von Christopher Doyle.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 7.8. 21.30 Uhr (OmeU)


Prinzessin Mononoke 
J 1997, R: Hayao Miyazaki, 128 min

Prinzessin Mononoke lebt zusammen mit Wölfen in einem riesigen Wald. Doch die Zivilisation frisst sich immer weiter in die Natur hinein und die Menschen machen Jagd auf den mächtigen Waldgott. Mitten hinein in diesen Konflikt gerät der junge Krieger Ashitaka. In einer einnehmenden Abenteuergeschichte thematisiert Miyazaki die Umweltzerstörung und die Frage, ob es eine echte Koexistenz von Mensch und Natur geben kann.

Sommerkino auf der Feinkost, 10.8. 21 Uhr (Klassiker)


Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band 
D 2026, Dok, R: Juliane Sauter, 95 min

Der Film zeichnet die Entwicklung des Schlagerphänomens von den 1990ern bis heute nach und begleitet die Band auf ihrer Open-Air-Tour.

Filmnächte Scheibenholz, 11.8. 21 Uhr (mit Cast)

Grünau 50 ­− Gebaut für Viele 
D 2026, Dok, R: Birk Poßecker

Dokfilmreihe über das Leben in Grünau.

Kinobar Prager Frühling, 7.8. 19.30 Uhr, 8.8., 19.30 Uhr

Herzsprung 
D 1992, R: Helke Misselwitz, D: Claudia Geisler, Ben Becker, Eva-Maria Hagen, 87 min

In dem kleinen Ort Herzsprung hat sich nach der Wende wenig verändert, abgesehen von der steigenden Arbeitslosigkeit. Als Johanna ihren Job verliert und sich auch noch in einen afrodeutschen Abenteurer verliebt, wird sie zum Dorfgespräch.

Cineding, 13.8. 19 Uhr (Grenzgänger)

In the Mood for Love
HK 2000, R: Wong Kar-Wai, D: Tony Leung, Maggie Cheung, Rebecca Pan, 98 min

Wong Kar-Wais große Liebesgeschichte im Hongkong der sechziger Jahre, meisterhaft gefilmt von Christopher Doyle.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 7.8. 21.30 Uhr (OmeU)

La Vie en Kit (Life, Assembled) 
B 2022, Dok, R: Élodie Degavre, 75 min

Infolge der gesellschaftlichen Umbrüche im Mai 1968 machten sich in Belgien drei visionäre Architekten unabhängig voneinander daran, das Wohnen radikal zu revolutionieren.

Glasfabrik, 13.8. 20 Uhr (Sommerkino Architektur)

Nimrods: A Green Day Comedy 
USA 2025, R: Lee Kirk, D: Mason Thames, Kylr Coffman, Ryan Foust, 116 min

Drei Freunde sind der festen Überzeugung, am Silvesterabend die Vorband der Superstar-Punkrock-Band »Green Day« zu sein. Sie begeben sich auf einen aberwitzigen Roadtrip von Kansas City bis Los Angeles.

Cinestar, 11.8. 20.15 Uhr (OmU)

Roter Himmel 
D 2023, R: Christian Petzold, D: Thomas Schubert, Paula Beer, Langston Uibel, 102 min

Christian Petzolds gut beobachtete Dreiecksbeziehung in einem Sommer an der Ostsee ist sein stärkster Film seit »Barbara«.

Passage-Kinos, 10.8. 20.30 Uhr (Sommer in der Passage)

Verplant − Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren
D 2020, Dok, R: Waldemar Schleicher, 113 min

Die beiden Freunde Otti und Keule könnten untrainierter nicht sein - nehmen sich aber trotzdem vor, mit dem Fahrrad von Heiligenstadt entlang der alten Seidenstraße bis nach Ho-Chi-Minh zu fahren.

Cineplex, 12.8. 15 Uhr (Reisefilm)


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