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Sport

»Jedem die Möglichkeit geben, mitzumachen«

Mitorganisator Frank Urbansky über das 7. Inklusive Sportfest in Leipzig, bei dem man viele 
Sportarten ausprobieren kann und dabei gleich die passenden Vereine kennenlernt

  »Jedem die Möglichkeit geben, mitzumachen« | Mitorganisator Frank Urbansky über das 7. Inklusive Sportfest in Leipzig, bei dem man viele 
Sportarten ausprobieren kann und dabei gleich die passenden Vereine kennenlernt  Foto: Martin Stein

Frank Urbansky ist Vorsitzender des Leipziger Vereins Sport für Alle und Mitorganisator des Inklusiven Sportfests, das im August zum siebten Mal stattfindet. Wir sprachen über Inklusion im Sport, die Brutalität von Rollstuhl-Rugby und darüber, sich für andere einzubringen.

Wie ist das Inklusive Sportfest entstanden?

Das Inklusive Sportfest ist aus einer sehr witzigen Idee entstanden: Das war 2018, ich war damals schon Trainer im Rugby-Club Leipzig und unser Nachwuchs hat jedes Jahr eine Weihnachtsfeier mit einem anderen Sportverein veranstaltet, damit er mal eine andere Sportart kennenlernen kann. 2018 waren das die Rollstuhl-Rugbylöwen. Mit denen haben wir uns super verstanden, das hat richtig Spaß gemacht. Und dann wird mir nachgesagt, ich hätte die Idee gehabt: Lasst uns doch mal ein Sommerfest zusammen machen. Zunächst war das auf dem Gelände des Rugby-Clubs in Stahmeln. 2021 stieß dann »Mister Inklusion«, mein Co-Vorsitzender im Verein, Axel Ackermann, zu uns mit einem von ihm im Auftrag des BBW (1991 gegründetes Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH, Anm. d. Red.) organisierten Fußballturnier. Auch wegen der Größe, die das Sportfest dadurch bekam, zogen wir 2022 auf das Sportgelände des Berufsbildungswerks. Seitdem ist das Fest jedes Jahr gewachsen, es kamen immer mehr Sportarten dazu. Hier auch ein Dank ans BBW für die immer unkomplizierte Zusammenarbeit. Wir vom Orgateam haben dann überlegt, wir gründen einen Verein, um das besser organisieren zu können. So kam es im Frühjahr 2025 zur Gründung von »Sport für alle Leipzig«.

Wie kann man sich ein solches Inklusives Sportfest vorstellen?

Wir haben Outdoor- und Indoor-Angebote. Einige Sportarten werden im Turnierbetrieb gespielt, zum Beispiel Schach, Sitzvolleyball, Tischtennis. Das organisieren die Leutzscher Füchse …

… die wir letzten Monat mit ihrem Ping-Pong-Parkinson-Angebot im Heft hatten …

Genau. Die sind auch Partner von uns und bieten ein Tischtennisturnier an. Und daneben gibt es jede Menge andere Sportarten, beiden denen Leute mitmachen können. So kann man das mal ausprobieren und dann auch gleich die Vereine kennen­lernen, die alle hier aus der Gegend kommen. Das ist eigentlich unser Hauptziel, die Leute dauerhaft in so einen Verein zu bringen. Dieses Jahr haben wir erstmals eine Rudermaschine und die Skatebowl im BBW, die vom Heizhaus betreut wird. Inklusion heißt, alle spielen zusammen. Beim Sitzvolleyball funktioniert das supergut. Eine Sportart, die auch wunderbar dafür ge­eignet ist, ist das Rollstuhl-Rugby. Das ist extrem hart, wie Autoscooter auf Rädern, aber es macht riesig Spaß. (lacht) Das ist quasi der Kern des Sportfests.

Bei Inklusion denkt man oft an Teilhabe im Beruf oder barrierefreie Zugänge. Welche Rolle kann der Sport da spielen?

Wir sind der festen Überzeugung, dass jeder ein Recht hat, ein glückliches Leben zu führen. Und da gehören bestimmte Sachen wie Freizeitaktivitäten dazu. Ob das Sport ist oder Kultur, ist vollkommen egal. Aber ich muss auf jeden Fall jedem die Möglichkeit geben, dass er das machen kann. Und es gibt diese Sportangebote auch, die sind zum Teil aber nicht wirklich bekannt und gut genutzt. Für uns gehört es einfach dazu, den Menschen das zugänglich zu machen. Und wir sehen es auch an Freunden von uns, die ein Handicap haben, die so was machen. Sicherlich werden die auch mal ihre dunklen Momente haben, aber es ist nicht so, dass die jetzt zu Tode verzweifelt wären. Die haben ihre sportlichen Ziele, die fahren auch ins Ausland zu Turnieren, die haben da also ein gewisses Ziel im Leben. Aber man muss die Leute erst mal hinkriegen, dass sie es überhaupt machen können, und da scheitert es ja häufig.

Weil es an Mitteln fehlt.

Genau. Sind die Leute sehr mobil, mag es gehen. Und wenn sie es nicht sind? Wie kriege ich die dann hin zu den Sportangeboten? Da müsste ich einen Fahrdienst einrichten. Der kostet wiederum Geld. Wir haben es hier häufig mit Menschen zu tun, die in der Regel finanziell nicht so gut aufgestellt sind. Immerhin haben wir in Leipzig jetzt mit der paralympischen Sporthalle an der Prager Spitze ja schon einen kleinen Leuchtturm. Die Halle ist komplett barrierefrei und man kann viel machen.

Was macht für Sie den Reiz des inklusiven Sports aus?

Ich bin durch das Rollstuhl-Rugby dazugekommen und es war eine Erfahrung, das erste Mal in so einem Spezial-Rollstuhl zu sitzen. Wir hatten gegen die gelernten Rollstuhlfahrer keine Chance. (lacht) Mich motiviert aber vor allem die Notwendigkeit des Amts. Zu sehen, dass es jemanden braucht, der das organisiert. Uns hat es überrascht zu sehen, wie sich das entwickelt
hat. Wir haben 2023 mit dem Rugby-Club den Sächsischen Inklusionspreis gewonnen. Da haben wir gemerkt: Es gibt diesen Bedarf. Nach der Vereinsgründung von »Sport für alle Leipzig« ging es Schlag auf Schlag mit den Auszeichnungen und Förderungen – es gibt gesellschaftliche Akteure, die den Bedarf auch sehen. Das zu managen, interessiert mich. Und die Leute freuen sich, weil jemand was für sie macht, für die sonst niemand was macht. 


> 7. Inklusives Sportfest: 22.8., Gelände des BBW, Knautnaundorfer Str. 4, 04249 (Knautkleeberg-Knauthain), www.inklusives-sportfest-le.de 


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