anzeige
anzeige
Kultur

Steinerne Pflege

Eine Ausstellung zum Fotobestand des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege

  Steinerne Pflege | Eine Ausstellung zum Fotobestand des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege  Foto: Paul Wolff

Schwarz-weiße Aufnahmen aus der Vergangenheit neben großen Farbfotografien aus der Gegenwart illustrieren das Wirken der Denkmalpflege in Sachsen. Stolz ist das Landesamt für Denkmalpflege auf die 200 Aufnahmen aus der Fotosammlung, wie der Ausstellung »Denkmal – bitte recht freundlich!« im Druckkunst-Museum anzumerken ist. Das Museum in der Nonnenstraße 38 ist selbst ein Denkmal: 1908 als Gasglühlicht- und Petroleumbrennerfabrik errichtet (wovon das Hofgebäude noch zeugt). Das Vordergebäude entstand 1915–17 und beheimatete die Verlagsbuchhandlung und die Buchdruckerei Dr. Karl Meyer, später einen Standort des grafischen Großbetriebes Offizin Andersen Nexö – seit 1994 befindet sich das Museum für Druckkunst hier.

Die Ausstellung zeigt nun im ersten Raum die Gründung und Entwicklung der Denkmalpflege in Sachsen. Durch die industrielle Revolution und die damit einhergehenden grundlegenden Veränderungen der baulichen Struktur von Städten, die oftmals den Abbruch von historischer Baumasse mit sich brachten, kam es nach privaten Initiativen 1894 zur Gründung der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, 1917 entstand das Landesamt für Denkmalpflege. Der Erste Internationale Kongress der Architekten und Denkmalpfleger im Oktober 1931 in Athen betonte die Restaurierung historischer Denkmäler, um sie nicht der rasenden Moderne zu opfern. Die aktuelle Ausstellung ist anlässlich des 90. Tages der Denkmalpflege entstanden. Zwei Jahre vor dessen erster Ausgabe wurde das Gesetz zum Schutz der Kunst-, Kultur- und Naturdenkmale (das sogenannte Heimatschutzgesetz) verabschiedet und gab der Denkmalpflege »einen neuen Stellenwert«, wie auf den Ausstellungstafeln zu lesen ist. Die Sammlungen (wie die von Fotos oder auch Karten) garantierten wissenschaftliche Begleitung. Näheres zu den damals neuen Aufgaben ist allerdings nicht zu erfahren, obwohl das Landesamt die Bedeutung der Denkmalpflege als »Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft« betont.

Nach 1950 entstand das Landesamt für Volkskunde und Denkmalpflege, zwei Jahre später das Institut für Denkmalpflege in Dresden. Seit 1993 kümmert sich das Landesamt für Denkmalpflege in Sachsen als obere Verwaltungsbehörde für Kulturdenkmale.

Die ausgestellten Fotografien zeigen sowohl den historischen Bestand als auch den zeitgenössischen Zustand, jeweils ergänzt um eine Texttafel. Zu sehen sind historische Stadtanlagen wie der Rote Turm in Chemnitz, Industriearchitektur wie die Spinnerei in Flöha – als Produktionsstätte von 1809 bis 1994 die älteste in Sachsen – und der Bergbau-Technikpark in Großpösna, aber auch Gebäude wie das Gohliser Schlösschen. Der Blick auf die Texttafeln führt dabei zu einiger Verwunderung: So wurde etwa bei der Beschreibung der baulichen Umgebung am Roten Turm vor 1989 Karl-Marx-Stadt in Anführungszeichen gesetzt. Der selbst formulierte Brücken- bzw. Vermittlungscharakter zeigt sich dabei ebenso wenig wie beim Weglassen von historischen Fakten – etwa beim Gohliser Schlösschen. Neben dessen Entstehung und Gestaltung im 18. Jahrhundert fehlen die späteren Nutzungen – als Wohnanlage und als Prototyp eines Hauses der Kultur im Nationalsozialismus. Spätestens da wird die Frage laut: Welche Geschichte, Vergangenheit und Pflege wird hier eigentlich verhandelt? Und welche Spuren werden gepflegt und gehegt?

Auch bei neueren Kulturdenkmälern zeugen die Texttafeln von irritierenden Formulierungen: Die Leuchtreklame der Löffelfamilie vom VEB Feinkost auf dem Feinkostgelände an der Karl-Liebknecht-Straße wird da als »kultigste Neonwerbung« beschrieben – ein Superlativ, der nur gefeiert werden kann, weil eine Vielzahl ähnlicher Anlagen nach 1990 zerstört wurde oder im Depot der Öffentlichkeit entzogen ist.

Zu den neueren Einträgen auf der sächsischen Denkmalkarte zählt das Graffito von Blek Le Rat, das er zur Ausstellung der Kustodie 1991 über Schablonen ans Eckhaus Karl-Liebknecht-/Hohe Straße anbrachte. Der aktuellste Eintrag gehört dem Objekt in der Kamenzer Straße – dem KZ-Außenlager der HASAG, das seit einigen Wochen auf der Karte auftaucht. Dieser Eintrag wiederum verweist auf den langen und auch hartnäckigen Kampf gesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure, um den Denkmalschutz erst zu aktivieren und historisch wichtiger Baumasse den Schutzstatus zu verleihen (s. www.kreuzer-leipzig.de).

Jenseits der Ausstellung gibt das vor Kurzem erschienene Jahrbuch der sächsischen Denkmalpflege in zahlreichen Berichten Auskunft über die Aktivitäten. So kann hier die Bergung, Restaurierung, Rettung und Wiederaufstellung der vier Wandreliefs aus dem abgerissenen Robotron-Gebäude in der Gerberstraße nachgelesen werden. Auch zu Kirchenbauten in der DDR im Bistum Dresden-Meißen ist dort etwas zu erfahren, ebenso über die »Denkmalpflegerische Einordnung der erhaltenen baulichen Zeugnisse und restauratorische Befunde« im ehemaligen KZ Sachsenburg, was im kreuzer auch schon öfter thematisiert wurde. Der Abriss der dortigen Kommandantenvilla konnte offensichtlich nicht verhindert werden – ein besonders wichtiges Zeugnis im heute in der Struktur noch fast vollständig erhaltenen frühen KZ in Sachsen. 

> Ausstellung »Denkmal – bitte recht freundlich! Fotografie im Auftrag der sächsischen Denkmalpflege«: bis 13.9., Museum für Druckkunst Leipzig

> Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Denkmalpflege in Sachsen. Jahrbuch 2022. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Dresden: Sandstein Kultur 2026, 200 S., 15 €


Kommentieren


0 Kommentar(e)