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Stadtleben

Abschiedsschmerz und Neuanfang

Im beliebten Deli in Connewitz wird sich diesen Herbst einiges ändern

  Abschiedsschmerz und Neuanfang | Im beliebten Deli in Connewitz wird sich diesen Herbst einiges ändern  Foto: Julia Thiele

»Die Lust auf Backen ist zu groß«, sagt Susanne Stock. Siebzehn Jahre lang führte sie das Deli in Connewitz, ein kleiner, feiner Laden direkt neben dem UT und stets eine gute Adresse, nicht nur für frisch gemachte Burger. Zum Beispiel auch für einen Wrap mit saftig-pikantem Soja-Geschnetzeltem, Jalapeños und Chipotle-Mayonnaise. Oder für einen Glasnudelsalat mit Spinat, Kimchi, Sesamgurken und Sweet’n’Spicy-Tofu. Oder für eine Bowl mit Linsenfalafel, Paprika-Baked-Beans, Ofenweißkohl, Sellerieslaw in cremiger Kapern-Senf-Mayo und Miso-Tahini-Dressing. Dazu eine raffiniert gemachte Limonade. Seit 2009 ist alles hier vegan, die Suppe der Woche, die Philly-Cheese-Fries, der Steakteller, die große Auswahl an hausgemachten Saucen, und auch der Kakao, der Apfelkuchen, der Cheesecake, der Espresso sowieso.

Ab etwa Oktober wird es das nicht mehr geben, jedenfalls nicht unter Leitung von Susanne Stock. Sie zieht weiter nach Süden, an den S-Bahnhof Connewitz und eröffnet dort eine Bäckerei. »Ich wollte schon immer backen«, sagt Stock. Entstehen wird der neue Laden in einer ehemaligen Bäckerei. Dazu gekommen ist Stock, als sie auf der Suche nach einer neuen Vorbereitungsküche war – in der Küche entstehen die Zutaten für das Deli und auch das Essen für eine Kita, die Stock seit 2007 beliefert. Die Bäckerei ist groß, bietet Platz für die Vorbereitungsküche und für mehr. Und erfüllt schon einiges, was die Anforderungen an Technik und Ausstattung – wie Starkstrom, Abluft, Backöfen – angeht. Passenderweise ist Stock gelernte Bäckerin und Meisterin des Handwerks. In der Meisterschule traf sie Clara Schmidtgen, sie werden die Bäckerei gemeinsam eröffnen. »Es ist ein Glücksfall«, sagt Schmidtgen, »dass es diese Räumlichkeiten mit dieser Ausstattung gibt.«

Die beiden Meisterinnen haben eine Handwerksbäckerei im Sinn, Tradition mit modernem Touch. Sie zählen auf: Sauerteig, lange Teigruhe, keine Backtriebmittel und Hilfsstoffe, von Mischbrot ist die Rede, von Croissants und Baguette und auch von Doppelbrötchen – das Angebot soll zum Viertel passen. Zum Ladengeschäft, in dem die Produkte aus der Backstube verkauft werden, kommt ein Café hinzu. Dessen Betrieb schieben sie nun ebenso an wie die Backstube: »Wir sind gerade viel am Probebacken«, erzählt Schmidtgen. Außerdem gebe es im Laden noch viel zu tun.

Wie es im Deli weitergeht, ist aktuell noch nicht klar – wer interessiert sei, könne sich gerne melden. Das Deli verlässt Stock nicht ohne Abschiedsschmerz: »Es ist krass«, sagt sie, nicht nur mit Blick auf die letzten Jahrzehnte, sondern auch mit Blick auf das Team und die Gäste. »Aber ich habe auch Bock auf was Neues. Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt.«


> Deli, Wolfgang-Heinze-Str. 12a, 04277 (Connewitz), Tel. 03 41/23 80 14 02, www.leipzig-deli.tumblr.com, Di–Do 11.30–14, 17–21, Fr 11.30–21, Sa/So 12–21 Uhr


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