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Stadtleben

Tschu-tschu-tschu!

Fahrt in ungewisse Zukunft: Die Parkeisenbahn wurde 75 – und steht unter finanziellem Druck

  Tschu-tschu-tschu! | Fahrt in ungewisse Zukunft: Die Parkeisenbahn wurde 75 – und steht unter finanziellem Druck  Foto: Marcel Noack

Ordentlich Getümmel vorm Haus Auensee im Leipziger Norden Anfang August. Im Biergarten vorm Konzerthaus bleiben nur wenige der Angereisten sitzen, von denen ein großer Teil Kinder und deren Eltern sind. Von hier sieht man bereits das Glitzern des Auensees, hört aus der Ferne Partymusik. Wer genau lauscht, kann zwischen den Musikfetzen das Pfeifen einer Eisenbahn ausmachen. Folgt man diesem, führt es über eine Wiese voller Vereins- und Essensstände und neugieriger Besucherinnen und Besucher, bis man schließlich vor dem Bahnhof der Parkeisenbahn Auensee steht.

Seit genau 75 Jahren fährt die Miniatureisenbahn sowohl mit elektrischer Akkulok als auch traditioneller Dampflok um den See herum. Kinder können am Fahrbetrieb mitwirken, wenn sie möchten. Wie lange das noch so sein wird, ist allerdings unklar.

»Ohne finanzielle Unterstützung ist es ein realistisches Szenario, dass wir den Bahnbetrieb stilllegen müssen«, erzählt Felix Schönherr. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Parkeisenbahn Auensee ist es besonders bitter, das zur Jubiläumsfeier am 8. und 9. August so klar ausdrücken zu müssen. Deshalb geht diese mit einem Spendenaufruf einher. Dem Verein fehlen mehrere hunderttausend Euro für dringend benötigte Investitionen in Gleisbau, Bahnsteigrenovierungen und Gebäudeinstandsetzungen. Laut Schönherr müssten sieben Weichen renoviert werden, was mit Kosten von 40.000 Euro pro Weiche einherginge, unter anderem für Material und Arbeitszeit.

»Die Fördermittel von der Stadt und die Fahrgeldeinnahmen sind für den Betrieb kostendeckend, sie reichen aber nicht für Investitionen in die Infrastruktur«, erklärt Schönherr. »Die Landeseisenbahnaufsicht könnte uns die Genehmigung entziehen, da für uns dieselben Richtlinien gelten wie für eine richtige Eisenbahn.« Schönherr ist seit elf Jahren Parkeisenbahner und seit zwei Jahren Vereinsmitglied.


Ehrenamt in schicker Uniform

Kinder und Jugendliche können sich ab dem neunten Lebensjahr als Parkeisenbahner und Parkeisenbahnerin im Betrieb engagieren. Sie betätigen sich als Schrankenwärter, Zugführer, Schaffner, Fahrkartenverkäufer, Fahrdienstleiter oder Aufsicht. Ab dem 18. Lebensjahr kann man in den Verein eintreten und Lokführer oder Bahnhofsleiter werden. Damit gehen die Anleitung und Beaufsichtigung der Parkeisenbahner einher.

Will man eine Runde mit der Parkeisenbahn fahren, begegnet man beim Überqueren der Gleise, beim Ticketkauf, auf dem Bahnsteig und schließlich hinter der Lok mehreren Jahrgängen mit schicker Uniform und höflichem Lächeln. Das Mehrgenerationenprojekt fühlt sich ein bisschen an wie eine Zeitreise in die Gründerjahre, in der die Dampflok als Fahrzeug in die Zukunft geheiligt wurde.

Tatsächlich hat sie ihren Ursprung aber hundert Jahre später. Einer Besucherin der Jubiläumsfeier rutscht das Wort »Pioniereisenbahn« über die Lippen. So haben sie und alle anderen, die in der DDR aufgewachsen sind, die Parkeisenbahn kennengelernt. Damals haben Pioniere die Aufgaben der Parkeisenbahner ausgeführt – natürlich mit ideologisch motiviertem Erziehungsauftrag.

Dafür gibt es im Verein ein Bewusstsein. »Den Parkeisenbahnern wird dieser Hintergrund vermittelt, aber wir wollen auf keinen Fall daran anschließen«, stellt Schönherr klar. »Dies ist eine unpolitische Einrichtung, in der es darum geht, den Kindern eine schöne Freizeit zu ermöglichen. Sie lernen hier zudem viel über Verantwortungsbewusstsein und Konfliktlösung.«

Kinder und Jugendliche würden sich aus verschiedenen Gründen für das Mitmachen interessieren. Manche faszinieren Eisenbahnen und die industrielle Technik, andere wollen selbst im Verkehrssektor arbeiten. Dafür schafft der Verein, der selbst Partner der Deutschen Bahn ist, optimale Voraussetzungen, so Schönherr.

Befragte Besuchende sind traurig, dass sie heute vielleicht zum letzten Mal mit der Parkeisenbahn fahren können. Eine Besucherin ist deswegen zur Jubiläumsfeier gekommen: »Wir wissen nicht, ob es weitergeht und wollen die Möglichkeit noch einmal genießen.« So auch eine weitere Besucherin, deren Neffe selbst Parkeisenbahner ist: »Außerdem ist es für uns zentral gelegen und das Wetter passt.« Eine Urlauberin ist zufällig hier, weil sie mit ihrer Familie auf dem Campingplatz gegenüber übernachtet: »Die Kinder freuen sich sehr, hier zu sein.«


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