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Antonia Hausmann

Poppige Posaunenklänge auf der großen Bühne

  Antonia Hausmann | Poppige Posaunenklänge auf der großen Bühne  Foto: Annabell Goldacker

Die ganze Zeit, immer spielen, Input, Lichtshow, blabla, alles groß, trinken hier, Dingsbums«: Mit diesen Worten beschreibt Antonia Hausmann ihr bisheriges Leben als Musikerin, die einen großen Teil ihrer Zeit »on the Road« verbringt. Hausmann gehört zu den gefragtesten Posaunistinnen der Stadt und bewegt sich dabei oft in sehr unterschiedlichen Welten – zwischen Jazz und Pop, zwischen freier Improvisation und Mitsing-Refrains, zwischen kleinen Keller-Bars mit ein paar Dutzend Gästen und großen Festival-Bühnen vor zehntausenden Menschen.

Hausmann ist in verschiedenen Jazz-Ensembles aktiv, geht aber auch mit großen Pop-Acts auf Tour. Und das mit einem Instrument, dem landläufig nicht viel Pop-Appeal zugeschrieben wird: der Posaune. Für Hausmann zu Unrecht: »Die Posaune wird unterschätzt. Das ist ein wunderschönes Instrument. Aber viele verbinden die halt mit Blasmusik und ›Um-Ta-Ta‹. Wenn sie mich dann spielen hören, sagen die Leute oft: ›Krass, so kann Posaune auch klingen.‹«

Auch für Hausmann war die Posaune nicht erste Wahl. Ihr eigentliches Instrument war seit ihrer Kindheit die Klarinette. Über ihren Onkel in der Oberlausitz wird sie früh Teil einer Big Band. Schnell reift der Traum, später im großen Orchester Klarinette zu spielen. Also bewirbt sich Hausmann mit 14 an einem Musik-Gymnasium in Dresden. Ein schwerer Unfall macht das Vorhaben zunichte: Ihre rechte Hand gerät in einen Holzspalter. Im Krankenhaus wird klar, dass an eine Zukunft als Klarinettistin nicht zu denken ist. »Die Klarinette und ich waren ein Team, sind zusammen eingeschlafen. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.«

Statt den Traum vom Musikmachen zu begraben, wechselt Hausmann zu einem Instrument, das auch mit kaputter Hand spielbar ist. Viel Auswahl gibt es da nicht, aber zumindest eines: eben die Posaune. Wenn man Hausmann zuhört, wie sie über diese Zeit spricht, beeindruckt ihr Wille, unbedingt Musik machen zu wollen, und alles daranzusetzen.

Später erzählt sie noch von der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Dresden, die nicht so läuft wie erhofft. Ihr wird zwar attestiert, ziemlich gut zu swingen, die Jury rät ihr aber, erst mal weiter zu üben und es in einem Jahr wieder zu versuchen. Damit gibt sich Hausmann nicht zufrieden, ruft kurzerhand noch mal an und ergattert ihren Studienplatz durch schiere verbale Überzeugungskraft. Dass sie dort eine der sehr wenigen Frauen an der Posaune ist, ist ihr egal. Sexistische Sprüche muss sie sich trotzdem anhören. Da ist auch das Gefühl, als Frau nicht per se ernst genommen zu werden, sondern sich beweisen zu müssen: »Manchmal hatte ich das Gefühl, ich muss drei Schichten doppelt arbeiten, um als Frau zu zeigen, dass ich mithalten kann.« Auch wenn sich da in den letzten Jahren gesellschaftlich und auch bei ihr selbst einiges geändert hat, etwa was das Thema Menstruation angeht. »Früher habe ich mich dafür geschämt, das versteckt gehalten und sehr viele Tabletten genommen, damit das niemand merkt. Jetzt traue ich mich zu sagen: ›Leute, ich bin zwei Tage raus, ich habe meine Tage, danke, ciao.‹«

Nach Studienstationen in Dresden, Leipzig und Luzern landet sie schließlich wieder in Leipzig. Wobei sie einen großen Teil der Zeit unterwegs ist. Mit diversen Jazz-Konstellationen, Theaterprojekten, musikalischen Lesungen und mit Pop-Acts wie Nina Chuba, Dota und Clueso. Dabei wird klar, dass diese vielen verschiedenen musikalischen Ansätze gar nicht unbedingt im Kontrast zueinander stehen, sondern sich ergänzen und gegenseitig beeinflussen. Etwa kann man mit einem tanzbaren Pop-Beat auch mal ein gediegenes Jazz-Publikum abholen: »Mir ist der Bounce wichtig, mir ist es wichtig, dass ich mich zur Musik bewegen kann. Und wenn ich mich das beim Popkonzert auf der großen Bühne traue, dann kann ich mich das in einem Jazz-Kontext auch mal trauen. Dann merke ich: Die Leute stehen auf und bewegen sich, die finden das anscheinend auch cool.«

Diese unterschiedlichen Einflüsse in ihrer musikalischen Biografie finden sich auf die eine oder andere Art auch auf Hausmanns Debütalbum als Komponistin wieder, »Teleidoscope« von 2022, das sie zusammen mit Philipp Scholz, Damian Dalla Torre und Johannes Bigge eingespielt hat. Farbenfrohe Klanggebilde hört man hier, mit warmen, einladenden Melodien, die sich aber auch immer wieder in komplexe Improvisationspassagen verzweigen, und ab und an sogar Pop-orientierte Gesangslinien hervorbringen. Am Ende zählt für Antonia Hausmann, dass die Musik Menschen emotional erreichen muss, egal in welcher Form. »Wenn ich Gänsehaut habe, dann weiß ich, das ist es. Das können Chords sein, das kann eine schöne Melodie sein, es kann ein tierischer Beat sein, aber es muss mich berühren.«


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