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Kapa Tult

Leipziger Musik für jede Lebenslage

  Kapa Tult | Leipziger Musik für jede Lebenslage  Foto: Annabell Goldacker

Es ist der 16. November 2024: Mrs. Pepstein feiert im Werk 2 das 25-jährige Bestehen ihrer Radiosendung. Acts wie Bernadette La Hengst, Finna und Lena Stoehrfaktor treten auf. Den Abschluss liefert eine Band, die sich in Leipzig schon einiger Bekanntheit erfreut. Ich sehe sie jedoch an diesem Tag zum ersten Mal live und bin sofort fasziniert.

Kapa Tult, für Unerfahrene leicht zu verwechseln mit dem Katapult, ist eine Leipziger Indie-Rock Band, die 2018 von Sängerin und Gitarristin Inga in Kassel gegründet wurde. Nach einigen Besetzungswechseln treten mit ihr aktuell Robin am Keyboard, Angi am Schlagzeug und Raphael am Bass auf. Kapa Tult machen Musik für jede Lebenslage. In ihren Songs geht es etwa um unerwiderte Gefühle, falsche Hoffnungen, Aussichtslosigkeit und Trauer. Viele der Texte sind politisch, und sprechen beispielsweise die Autolobby, die Klimakrise oder Kapitalismuskritik an. Beim Songwriting fallen Inga jedoch eher naheliegende politische Themen leicht, die sie persönlich betreffen, wie die Mietenpolitik oder das Queersein.

Kapa Tult haben zwei Alben veröffentlicht: »Es schmeckt mir nicht« im Juni 2023 und »Immer alles gleichzeitig« im Februar 2026. Anfang des Jahres waren sie auf Tour in Deutschland und Österreich und eröffneten das Appletree Garden Festival. Für sie ist es ein gutes Zeichen, zu den gleichen Veranstaltungen wie bekanntere Artists in ihrer Musikrichtung eingeladen zu werden: »Es wird anerkannt, dass wir da auch hingehören.«

Manche der Bandmitglieder haben in Leipzig Musik studiert und alle vier musizieren schon lange. Die Songs von Kapa Tult stammten früher meist von Inga, die ihre Gedanken beim Spazieren oder Radfahren sammelt und dann zu Texten verarbeitet. Mittlerweile beteiligen sich jedoch alle in der Band am Songwriting. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, beispielsweise die Wahl des Albumcovers. Laut Sängerin Inga ist es manchmal anstrengend, zu viert eine künstlerische Vision zu verfolgen.

Kapa Tult haben insbesondere in Leipzig eine große Fanbase, ihr bis jetzt größtes Konzert spielten sie im März 2026 im Conne Island. Im Elipamanoke waren die Leute bei einem Konzert so laut gewesen, dass sich die Musiker gegenseitig nicht mehr hören konnten.

Bekannt ist die Band mit ihrem Song »1/2 Cappuccino« geworden, in dem sie die Prekarität der Musikindustrie kritisiert. Wahrscheinlich werden die Musiker deshalb oft auf ihren finanziellen Status angesprochen. Ob sie es schaffen werden, sich nur durch die Band zu finanzieren, hängt in der Luft. Seit dem Erscheinen des zweiten Albums wären die Konzerte trotz steigender Ticketpreise durchweg gut besucht, so Inga. Dennoch kann Kapa Tult aktuell nicht nur von den Einnahmen leben.

Kapa Tult seien darauf angewiesen, auf Festivals zu spielen, um von einem weiteren Publikum gesehen zu werden. »Leute werden nicht zufällig bekannt, dazu tragen Festival-Bookings einen großen Faktor bei. Woher sollen die Leute einen kennen, wenn sie einen nicht in den Algorithmus gespült bekommen?« Gerade hier werden aber oft male-fronted Bands bevorzugt, sagt Inga.

Kapa Tult berichten auch, nicht oft auf andere Bands mit überwiegendem FLINTA-Anteil zu treffen. Vermutlich gebe es für Bands wie ihre auch weniger Förderung, da sie weder in die Kategorie der besonderen Solokünstler*in, noch in die Ausnahmeerscheinung einer reinen FLINTA-Band zu passen scheine. Dass es Frauen/FLINTAs in der Musikszene schwerer haben, steht für sie fest: »Als Frau muss man schon richtig krass sein, um als krass wahrgenommen zu werden. Man muss dreimal so krass sein wie ein krasser Typ.«

Lokale FLINTA-Spaces wären deshalb für den Austausch durchaus sinnvoll. Kapa Tult nennen beispielsweise den Songwriter*innen-Stammtisch mit Masha Potempa. In Sachsen gibt es zudem Vernetzungsangebote wie das fem*vak und das FLINTA music collective Leipzig. Doch mindestens genauso wichtig wäre die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen hin zu einem Punkt, an dem Gender keine Rolle mehr spielt.

Hilfreich wäre für kleinere Bands auch Unterstützung bei Aspekten wie der Steuerberatung. Die administrative Arbeit hinter Bands ist laut Inga teilweise so zeitintensiv und kompliziert, dass einige Bandprojekte bereits an diesen Hürden scheitern. Kapa Tult wollen sich dennoch nicht entmutigen lassen. »Wir müssen auch lernen, zu akzeptieren, dass wir Musiker*innen sind und dass es auch schön ist. Geld wird sich schon auftreiben lassen.«


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